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Löwenfeld-Russ, Hans#


* 29. 10. 1873, Wien

† 18. 4. 1945, Wien


Jurist und Beamter


Nach einem Jusstudium in Wien und Prag trat Löwenfeld-Russ 1896 in den Dienst der Finanzlandesdirektion in Prag. 1898 wurde er nach Wien in die industriepolitische Sektion des k. k. Handelsministeriums berufen, wo er eine steile Karriere machte. 1916 zum Ministerialrat ernannt, wechselte er 1917 in das neugegründete Amt für Volksernährung unter Karl Renner. 1918 nach Ausrufung der Republik wurde der parteilose Beamte als Fachmann mit der Leitung des Staatsamts für Volksernährung betraut, das infolge der angespannten Versorgungslage zu den Schlüsselressorts zählte. In seiner nur kurzen Tätigkeit konnte er dank einer intensiven Verhandlungspolitik mit den Alliierten die Lebensmittellieferungen für die hungernde österreichische Bevölkerung sichern. 1920 verließ er das Kabinett, der künftige starke Mann der Christlichsozialen, Ignaz Seipel, hatte ihm das Vertrauen entzogen. Löwenfeld-Russ konnte nicht mehr im Bundesdienst Fuß fassen und versuchte, in der Privatwirtschaft eine Karriere zu machen, was ihm jedoch wegen der allgemein schlechten Wirtschaftslage nur unzureichend gelang. Renner, mit dem er immer gut zusammengearbeitet hatte, wollte den Wirtschaftsfachmann 1945 in sein erstes Kabinett holen, doch Löwenfeld-Russ war in den letzten Kriegstagen verstorben. Seine Erinnerungen "Im Kampf gegen den Hunger" wurden 1986 von Isabella Ackerl herausgegeben.



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992