Polgar, Alfred#


* 17. 10. 1873, Wien

† 24. 4. 1955, Zürich


Schriftsteller, Theaterkritiker und Essayist.

Alfred Polgar
Alfred Polgar
© Bildarchiv der Österr. Nationalbibliothek
Polgar stammte aus einer jüdischen Familie und war der Sohn eines Musikers. Schon früh publizistisch tätig, gilt er als "Meister der kleinen Form", der durch seine stilistische Brillanz berühmt wurde. Er konnte Theaterkritiken ebenso knapp und pointiert abfassen wie Feuilletons oder Kommentare zur sozialen Lage. Der skeptische Humorist war jedoch weniger Zeitkritiker als distanzierter, präziser Analytiker. Ein Exponent der Wiener Kaffeehaus-Literatur (von ihm stammt die vielzitierte "Theorie des Cafe Central"), wurde Polgar durch die Sammelbände seiner Glossen, Skizzen, Feuilletons und Kritiken bekannt (u. a. "An den Rand geschrieben", 1926, "Hinterland", 1929). 1925-1933 lebte er in Berlin, wo er für die "Weltbühne" und das "Tagebuch" arbeitete, dann kehrte er nach Wien zurück. 1938 emigrierte er über Frankreich in die US und wurde amerikanischer Staatsbürger. Ab 1949 lebte er vorwiegend in der Schweiz. Polgar schrieb u. a. das Theaterstück "Die Defraudanten", das 1932 in Berlin uraufgeführt wurde, ferner den witzigen Einakter "Talmas Ende" und, mit Egon Friedell, viele satirische Szenen (u. a. "Goethe im Examen", 1908, "Soldatenleben im Frieden", 1910) sowie Erzählungen, Essays und Skizzen.

Weitere Werke#

  • "Kleine Zeit" (Essays, 1919)
  • "Handbuch des Kritikers" (1938)
  • "Geschichte ohne Moral" (1943)
  • "Auswahl" (Prosa, 1968)
  • "Sperrsitz" (1980)
  • "Kleine Schriften" (1982)

Literatur#

  • U. Weinzierl, Alfred Polgar Eine Biographie (1985)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992