Redlich, Josef#


* 18. 6. 1869, Hodonin/Göding (Mähren)

† 12. 11. 1936, Wien


Jurist und Politiker


Redlich studierte Jus und Geschichte an den Universitäten Wien, Leipzig und Tübingen. Als Verwaltungsjurist und Rechtshistoriker erhielt er in Wien 1907 eine a. o. Professur. 1909-1918 lehrte er als o. Prof. für Staatsrecht und Verwaltungslehre an der Technischen Hochschule Wien. Ab 1926 hielt er Vorlesungen an der Harvard University in Cambridge (USA). Politisch gehörte Redlich, der seit 1907 ein Reichsratsmandat innehatte, zum Fabier-Kreis, einer reformerischen Bewegung, die sich für Sozialismus, aber gegen Marxismus aussprach. Ursprünglich deutschnational eingestellt, wurde Redlich nach dem 1. Weltkrieg überzeugter Pazifist. Zweimal wurde er zu Regierungsämtern berufen: 1918 wie 1931 übte er jeweils zu kurz, um etwas bewirken zu können, das Amt des Finanzministers aus. Seine Begegnungen und Gespräche mit Zeitgenossen hielt der scharfsinnige Beobachter in Tagebüchern fest, die der Historiker Fellner 1953/54 unter dem Titel "Schicksalsjahre Österreichs 1908-1919" sorgfältig edierte.

Werke#

  • "Englische Lokalverwaltung" (1901)
  • "Das österreichische Staats- und Reichsproblem" (2 Bde., 1920-1926)
  • "Österreichs Regierung und Verwaltung im Weltkriege" (1925)
  • "Kaiser Franz Joseph von Österreich" (1928)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992