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Sallinger, Rudolf#


* 3. 9. 1916, Lassee (Niederösterreich)

† 7. 3. 1992, Wien


Steinmetzmeister und Politiker


Der Sohn eines Tischlermeisters wurde zunächst Maurer und besuchte dann als Werkstudent die Technische Lehranstalt. Als geprüfter Baumeister und Steinmetz gründete er 1943 einen eigenen Betrieb in Wien-Margareten. Von Anbeginn an engagierte er sich in den verschiedenen Berufsgremien, 1950 wurde er Innungsmeister seines Gewerbes und Obmann in der Kammer der gewerblichen Wirtschaft. Sallinger war ein Verfechter der Sozialpartnerschaft und der Stabilitätspolitik. Er war 1964-1990 Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und Obmann des Wirtschaftsbundes der ÖVP. 1966-1990 hatte er ein ÖVP-Nationalratsmandat inne. Er trug wesentlich zur Formulierung des 1978 entstandenen Grundsatzprogramms der Handelskammern bei, das eine Stärkung der österreichischen Wirtschaft durch Forcierung des Außenhandels vorsah. Zu diesem Zweck wurde v. a. die Außenhandelsorganisation der Bundeskammer beträchtlich ausgeweitet. Der "Mister Mittelstand", wie einer seiner Spitznamen lautete, hatte weltweit beste Kontakte zu Wirtschaftstreibenden, wobei er ein bemerkenswertes Talent für wirksame PR-Aktionen entwickelte, wie das Geschenk eines Lipizzaners an den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Bei Verhandlungen mit den Sozialpartnern bewies er großes Fingerspitzengefühl, seine Zusammenarbeit mit Anton Benya, dem Präsidenten des ÖGB, war legendär. Der mächtige Wirtschaftsfunktionär hat in seiner Partei viele Personalentscheidungen beeinflusst und Talente gefördert, so Erhard Busek, Wolfgang Schüssel, Helga Rabl-Stadler oder Ingrid Tichy-Schreder.



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992