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Torberg, Friedrich #

(eigentlich F. Ephraim Kantor-Berg)


* 16. 9. 1908, Wien

† 10. 11. 1979, Wien


Schriftsteller, Kritiker und Essayist


Torberg hat das österreichische Kulturleben der Nachkriegszeit nachhaltig beeinflusst. Der Sohn eines Fabriksdirektors verbrachte seine Kindheit in Wien, 1921 übersiedelte er mit seiner Familie nach Prag. Ab 1932 lebte er abwechselnd in Prag und Wien. 1938 emigrierte er in die USA, wo er in Hollywood und New York tätig war. 1951 kam er nach Österreich zurück. Torberg schrieb zunächst Gedichte, Kurzgeschichten und Zeitungsartikel. Sein erster Roman, "Der Schüler Gerber hat absolviert" (1930), wurde sofort ein durchschlagender Erfolg. Seine Liebe zum Sport (er spielte Fußball und Wasserball) fand im Roman "Die Mannschaft" (1935) ihren Niederschlag. 1972 erschien sein Buch über den jüdischen Minnesänger "Süßkind von Trimberg". Besonders bekannt sind seine Werke "Die Tante Jolesch" (1975, 1988) und "Die Erben der Tante Jolesch" (1979), anekdotische Erinnerungsbücher an die k. u. k. Monarchie. Torberg, der sich als deutsch-jüdischer Schriftsteller fühlte, betätigte sich nach seiner Rückkehr aus der Emigration als Kulturkorrespondent für verschiedene Zeitungen. Er leitete 1954-1965 die Zeitschrift "Forum", bearbeitete den schriftlichen Nachlass von Fritz Herzmanovsky-Orlando und übersetzte die satirisch-humoristischen Texte des israelischen Schriftstellers Ephraim Kishon. Sein Briefwechsel und seine nachgelassenen Schriften wurden in mehreren Bänden von David Axmann und Marietta Torberg herausgegeben.

Literatur#

  • D. Altmann (Hg.), Und Lächeln ist das Erbteil meines Stammes. Erinnerungen an Friedrich Torberg (1988)
  • F. Tichy, Friedrich Torberg Ein Leben aus der Welt von einst (1990)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992