Vaugoin, Carl#


* 8. 7. 1873, Wien

† 10. 6. 1949, Krems


Offizier und Politiker


Der Sohn eines Juweliers und Wiener Stadtrats wollte die Berufsoffizierslaufbahn einschlagen, wurde wegen Untauglichkeit jedoch außer Dienst gestellt und trat in den Dienst der Niederösterreichischen Landesregierung. Im 1. Weltkrieg leitete er, zuletzt im Rang eines Rittmeisters, Train-Werkstätten. Politisch wandte er sich der Christlichsozialen Partei zu. 1912-1920 hatte er im Wiener Gemeinderat ein Mandat inne, 1918-1920 war er auch Wiener Stadtrat, danach bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat. 1921-1933 war er (mit zwei kurzen Unterbrechungen) Heeresminister. Er exekutierte den klaren Auftrag der Christlichsozialen Partei, aus der sozialdemokratisch beeinflussten Volkswehr ein Heer zu formen, das eher den Christlichsozialen zur Verfügung stand. 1930 war er für wenige Monate Kanzler, konnte sich aber nicht profilieren. Im selben Jahr übernahm er die Obmannschaft der Christlichsozialen Partei, wobei er zu jenen gehörte, die die Etablierung des autoritären Kurses unterstützten. Wegen zahlloser Zwiste mit den Heimwehren schied er 1933 als Heeresminister aus dem Kabinett und legte auch die Obmannfunktion nieder. Bis 1936 war er dann Präsident der Verwaltungskommission der Österreichischen Bundesbahnen. 1938/39 wurde er von den Nationalsozialisten inhaftiert und bis 1943 zu einem Zwangsaufenthalt in Süddeutschland verhalten.

Literatur#

  • L. Jedlicka, Ein Heer im Schatten der Parteien (1955)
  • A. Staudinger, Bemühungen Carl Vaugoins um die Suprematie der Christlichsozialen Partei in Österreich 1930-1933 (phil. Diss. 1969)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992