Waldheim, Kurt#


* 21. 12. 1918, St. Andrä-Wördern (Niederösterreich)

† 14. 6. 2007, Wien


Diplomat und Politiker


Waldheim war der umstrittenste Österreichische Bundespräsident seit 1945. Wie die meisten seiner Vorgänger aus bescheidenen Verhältnissen stammend, absolvierte er bis 1939 die Konsularakademie und rückte bei Kriegsbeginn zur deutschen Wehrmacht ein. Er war zunächst in Frankreich im Einsatz, später in Rußland, wo er 1941 verwundet wurde. Danach frontdienstuntauglich, war er 1942/43 als Dolmetsch auf dem Balkan und in Griechenland stationiert. 1944 promovierte er nach mehreren Studienurlauben in Wien zum Dr. juris. Nach Kriegsende begann Waldheim seine diplomatische Laufbahn, die ihn u. a. nach Paris (1948-1951), Kanada (1956-1960) und als Botschafter bei den Vereinten Nationen nach New York führte (1964-1968, 1970/71). 1968-1970 war er Außenminister. 1971 unterlag er als ÖVP-Kandidat in der Bundespräsidentenwahl Franz Jonas. 1971-1981 wirkte Waldheim als Generalsekretär der UNO. Als er sich 1986 abermals als ÖVP-Kandidat um das Amt des Bundespräsidenten bewarb, geriet er wegen seiner Kriegsvergangenheit (man warf ihm Beteiligung an Kriegsverbrechen und eine NS-Vergangenheit vor) ins Kreuzfeuer der Kritik. Trotzdem besiegte er in einer Stichwahl seinen Gegenkandidaten Kurt Steyrer und wurde zum Bundespräsidenten angelobt. Eine internationale Historikerkommission konnte ihm keine unmittelbare Beteiligung an Kriegsverbrechen nachweisen, doch blieb Waldheim während seiner gesamten Amtszeit international isoliert. Sein größter Erfolg als Bundespräsident war die Heimholung der österreichischen Geiseln aus dem Irak während des Golfkonflikts im August 1990.

Werke#

  • "Im Glaspalast der Weltpolitik" (1985)
  • "Im Zentrum des Sturms" (1986)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992