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Weinheber, Josef#


* 9. 3. 1892, Wien

† 18. 4. 1945, Kirchstetten (Niederösterreich, Selbstmord)


Lyriker

Josef Weinheber
Josef Weinheber
© Bildarchiv der Österr. Nationalbibliothek
Der uneheliche Sohn eines Metzgers und Viehhändlers wuchs nach dem frühen Tod des Vaters (1901) in einem Waisenhaus in Mödling auf. Er musste das Gymnasialstudium frühzeitig abbrechen, bildete sich autodidaktisch weiter und trat 1911 in den Postdienst ein. Ab 1932 lebte er als freier Schriftsteller. Mit seiner Dichtkunst wollte er in einer Zeit zunehmenden Sprachverfalls Hüter und Bewahrer der Sprache sein. Die Spannweite seiner Lyrik reicht formal vom Hymnus über Ode, Sonett und Elegie bis zur volkstümlichen Mundartdichtung, vom Trunken-Erhabenen bis zum Schlichten, Hauchzarten einer Stimmung. Schon seine ersten Gedichtbände, "Der einsame Mensch" (1920) und "Von beiden Ufern" (1923), fanden Beachtung, seinen Durchbruch zu literarischer Anerkennung erzielte er aber erst mit "Adel und Untergang" (1934) und "Späte Krone" (1936), worin der Lyriker seine Form- und Sprachkunst voll zur Entfaltung brachte. Zur selben Zeit erschienen der Dialektband "Wien wörtlich" (1935) und das erbauliche Kalenderbuch "O Mensch, gib acht" (1937). In seinem Roman "Das Waisenhaus" (1924) schrieb sich der Dichter seine triste Jugend von der Seele. Weinheber, der sich dem Nationalsozialismus verbunden fühlte und sich erst spät davon distanzierte, war in der NS-Ara ein gefeierter Paradeliterat.

Literatur#

  • F. Feldner, Josef Weinheber (1965)



© "Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik" von Isabella Ackerl und Friedrich Weissensteiner, 1992