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Die Rofenhöfe im Ötztal, eigentlich eine dauerbesiedelte Alm#

Heu wir von den Bergmähdern oft noch immer in Schwerarbeit 'eingetragen'
Heu wir von den Bergmähdern oft noch immer in Schwerarbeit "eingetragen"

Steigt man von Vent aus eine Stunde im Rofental aufwärts, dann gelangt man zu den Rofenhöfen, zu einer der ältesten Siedlungen im gesamten Ötztal - und mit ihren 2.014 m Seehöhe gemeinsam mit einer Siedlung drüben in Hochsölden auch die höchstgelegene Bergbauernniederlassung Österreichs.

Die erste urkundliche Erwähnung dieser Höfe stammt aus dem Jahr 1280, als die Rofenbauern ihre Abgaben zusammen mit den Schnalstalern an das Schloß Tirol entrichten mußten. Im Jahr 1350 erhielten sie durch ein Privileg ihren eigenen Gerichtsstand vom Hauptmann des Schlosses.

Ein Besitzer des Hofes, namens Ruzo, nahm 1415 den in Bann und Reichsacht gefallenen Herzog Friedl mit der leeren Tasche - den Sohn Leopolds III. - bei sich auf. Als sich für diesen das Blatt später zum Besseren wendete und er wieder Reichtum und Macht besaß, verlieh er den Höfen zahlreiche Sonderrechte: vollständige Steuerfreiheit, das Asylrecht, die unmittelbare Unterstellung unter den Tiroler Landeshauptmann und den eigenen Burgfrieden. Unter letzterem verstand man einen erhöhten Schutz, wodurch Streit und Fehde im Bereich der Höfe untersagt waren und Friedensbruch innerhalb ihres Gebietes unter strenger Strafe stand.

Nach der Thronbesteigung durch Kaiser Joseph II. erloschen die Vorrechte zum größten Teil. Nur die Steuerfreiheit war dem Rofenhofnoch dank der Großzügigkeit Maria Theresias zugesichert. Dieses Privileg ist aber auch schon lange erloschen - genau seit dem Jahr 1810, als der Hof zum Gericht Silz kam. Das Ötztal hatte durch den Fremdenverkehr schon vor dem Zweiten Weltkrieg einigermaßen profitieren können, und heute ist man dort - mehr als in anderen Hochgebirgstälern - aus Gründen der Landschaftspflege an einer Almwirtschaft sehr interessiert.

In Obergurgl und Vent reichen die Dauersiedlungen so hoch hinauf, daß Alm- und Heimweide ineinander übergehen. Im Ventertal, wo die Dauersiedlungen über das Nieder- und Hochjoch vom Vintschgau aus angelegt wurden, besitzen Südtiroler Bauern Schafalmen, die über die Gletscherjöcher hinweg bestoßen werden. Früher einmal trieb man sogar Rinder über die Gletscher; das geschah zum letztenmal im Jahre 1897. Der Schafauftrieb, der zu einer echten Fremdenverkehrsattraktion geworden ist, nahm in den vergangenen Jahrzehnten etwas ab, in den letzten Jahren aber wieder zu. Derzeit werden etwa 4.000 Stück Schafe jährlich über die Gletscher getrieben.

Auch im Pitztal wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg eine Reihe von Kuhalmen in Galtviehalmen umgewandelt, und diese Entwicklung hat sich durch den Fremdenverkehr weiter fortgesetzt. Nicht unbeträchtlichen Einfluß übt hierbei die Notwendigkeit aus, daß im Rahmen des „ Urlaubs am Bauernhof" die Bauern ihre Kühe im Tal belassen müssen, damit die Milch an die Feriengäste verkauft werden kann. So gibt es derzeit im Pitztal praktisch keine einzige reine Kuhalm mehr.




Bilder und Text stammen aus dem Buch: "Die schönsten Almen Österreichs: Brauchtum & Natur - Erwandert und erlebt", H. und W. Senft, Leopold Stocker Verlag, 2009.