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Die Walser, Almpioniere und Dauerbesiedler der Almregion#

Auf Gemeinschaftsalmen muß nach dem Melken die genau Milchmenge je Kuh gemessen werden
Auf Gemeinschaftsalmen muß nach dem Melken die genau Milchmenge je Kuh gemessen werden

Der Senner (Käsemeister) bei der Arbeit
Der Senner (Käsemeister) bei der Arbeit

Zu Anfang des 14. Jahrhunderts, nach dem Auszug vieler Walliser Bauernfamilien wegen Landnot aus ihrer Schweizer Heimat, wurde im Westen Österreichs eine Reihe von Waiser-Siedlungen gegründet. Diese wurden bewußt in die Hochregion, weit über die sonst übliche Dauersiedlungsgrenze, ins Wald- und Almland vorgetragen. Galtür im Paznauntal ist ein derartiges Beispiel, aber auch Damüls im Hinteren Bregenzerwald. 

Im Gegensatz zu den Rofenhöfen in den Ötztaler Alpen, die in 2.000 m Seehöhe liegen, wobei dort aber die umrahmenden Berge noch 1.700 m höher sind, liegt in Damüls die Kammlinie nur knapp 500 m über der örtlichen Dauersiedlungsgrenze. Angesichts der hohen Niederschläge im Hinteren Bregenzerwald von nahezu 2.000 mm pro Jahr gibt es eine Schneedeckendauer von 5 bis 6 Monaten und eine nur sehr kurze Wachstumsperiode. - In Damüls ergibt sich nun die eigentümliche Situation, daß manche Höfe höher als die Almen liegen, so daß im Ortsbereich von Oberdamüls der Siedlungsraum nach unten von der Almregion abgelöst wird. So müssen wegen dieser eigenartigen Form der Oberdamülser Alpe, die in einer schmalen Zunge bis zur Kirche herabreicht, die Oberdamülser Bauern, wollen sie zum Kirchhof gelangen, eine kurze Strecke über Almboden wandern!

Die tägliche Milchmenge je Kuh wird registriert.
Die tägliche Milchmenge je Kuh wird registriert.

Auf ganz extrem gelegenen Almen, die durch keinen Weg erschlossen sind, werden die bis zu 35 kg schweren Käselaibe auf Schlitten ins Tal gezogen.
Auf ganz extrem gelegenen Almen, die durch keinen Weg erschlossen sind, werden die bis zu 35 kg schweren Käselaibe auf Schlitten ins Tal gezogen.

Das Paznauntal erlebte übrigens, wie kaum ein anderes in den letzten 30 Jahren, eine Umstrukturierung durch den Fremdenverkehr. Die Almwirtschaft wurde äußerst stark reduziert, und das Personal reicht vielfach nicht aus, um die notwendigen Erhaltungsarbeiten an den Weiden durchzuführen. So zehren Murenabgänge, Steinschläge, Lawinen, Wind-und Frostrisse ständig am Almland. Überall macht sich ein starker Verfall der Weideflächen in wirtschaftlicher Hinsicht bemerkbar. Erlengebüsch, Heidelbeeren, Almrausch, Bürstling und verschiedene Almunkräuter nehmen stark zu, und es ist eine offene Frage, ob damit wieder ein erwünschter natürlicher Zustand hergestellt oder ob - da der Wald schon einmal weggeschlägert ist - nicht noch dieses Nachlassen der Almbewirtschaftung zu starken Bodenverlusten durch Erosion usw. führen wird. Der Tourismus, der gerade in diesen Gebieten in ungeahnter Weise Fuß fassen konnte, profitiert jedenfalls von der jahrhundertelangen Kulturleistung im Almraum. Das Paznauntal hat einen derart gigantischen Aufschwung erlebt, daß sich der Besucherstrom in den letzten beiden Jahrzehnten mehr als verzehnfachte.

Die Walser blieben auch auf der Alpe Individualisten und bauten Stall und Hütte extra, nicht so wie die anderen Bregenzerwäldler, die der Genossenschaftsalpe den Vorzug gaben.
Die Walser siedelten nicht nur mit der gesamten Familie auf die Vorsäß, sondern wanderten in vielen Gegenden auch gemeinsam auf die Alpe, die damit für rund 100 Tage die Ernährungsbasisfür die gesamte Familie bildete. Die geographische Verbreitung der Alpdörfer steht in Vorarlberg und Teilen Westtirols mit den Siedlungen der Walser in engstem Zusammenhang und zeigt uns heute noch eine Form des spätmittelalterlichen Siedlungsbaues.




Bilder und Text stammen aus dem Buch: "Die schönsten Almen Österreichs: Brauchtum & Natur - Erwandert und erlebt", H. und W. Senft, Leopold Stocker Verlag, 2009.