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Matthias Horx: Glückliches Österreich #

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Matthias Horx: Glückliches Österreich. Amalthea Signum Verlag Wien 2006. 224 S. € 19,90

"Die Österreicher können gewaltig stolz sein auf Österreich", streut Matthias Horx seiner Wahlheimat Rosen. Der gebürtige Düsseldorfer, der in Norddeutschland aufgewachsen ist, gilt als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Er gründete 1998 bei Frankfurt/M sein "Zukunftsinstitut". 2010 zählt das Prognose- und Beratungsunternehmen mit Filialen in London und Wien 35 Mitarbeiter. Horx lebt mit seiner Familie seit mehr als einem Jahrzehnt in Wien und hat im Waldviertel, gemeinsam mit anderen Kreativen, Schloss Primmersdorf revitalisiert.

So hat er nun schon lange Gelegenheit, das "Österreich-Geheimnis" zu erforschen, das er auf acht Punkte bringt: Kleinheitsvorteil, soziokulturelle Homogenität, das Vorhandensein einer echten Hauptstadt, im Herzen Europas, Brutstätte für kreative Außenseiter, die Kunst des Optimierens, Bio-und Wellness-Cluster und "Design aber oho". Trotzdem ist das Buch kein Lobspruch. Es enthält Ansichten, Einsichten und Erkenntnisse, was man hierzulande noch besser machen könnte. Leicht und locker lesen sich 68 kurze Kapitel, die an Zeitungs-Kolumnen erinnern.

Es wirkt erfrischend, wenn einer, der es wissen muss, Vergleiche zwischen Österreich und Deutschland anstellt, etwa über den "sanften Unterschied zwischen dem österreichischen und dem deutschen Pessimismus": "Der deutsche Weltschmerz ist theatralisch, ideologisch fordernd. Er gibt sich kritisch, obwohl er nur depressiv ist. … In Österreich ist der pessimistische Ton hingegen ein tiefer, melancholischer Bariton: Grantel-Moll…" Der Autor warnt vor beiden Spielarten, denn "Für Gesellschaften als Ganze ist Optimismus das Zukunftselixier schlechthin".

Das vorliegende Buch erschien 2006, im Österreich von Maria Rauch-Kallat, ihrem "inneren Schweinehund" und Jörg Haider. So erhebt sich die Frage, ob die referierierten Lösungen inzwischen eingetretene Entwicklungen - Stichwort: Banken- und Immobilienkrise 2008 - verhindert hätten. Als Anregungen bleiben sie jedenfalls aktuell. Der wortschöpferische Prophet übt Kritik am quaotenbringenden "goldenen Angstkalb", an der Herrschaft des Negativen ("Malokratie"), am "alarmistischen Pessimismus", der "Skandalonsprache", den "Profis des schlechten Gewissens" oder apokalyptischen Bildern. Als überzeugter "Globopolist" zitiert er Positives aus aller Welt, z.B. "Das Britische", sprich: Höflichkeit, gepaart mit Offenheit, Menschenfreundlichkeit, Gelassenheit, oder Florida als "Sammelbecken der kreativen Klasse", wo in einem von "Differenz, Diversität und lebendiger Demokratie" geprägten Milieu "Kreativität, Kultur und Kulinarik" dominieren, oder den holländischen Versuch der Entregulierung.

Modelle, die für ein glücklich(er)es Österreich gelten könnten, aber nicht nur für dieses. Der Zukunftsforscher plädiert für ein neues Menschenbild, eine neue Politik und "Glücksunterricht an der Schule" . Überhaupt sind für den Vater zweier heranwachsender Söhne Schule und Bildung besonders wichtige Themen - mangelndes Bildungspotenzial steht dem Optimismus entgegen: "Die Alternative dazu ist Ausländerfeindlichkeit, Angstkultur und jenes unterschwellige Greinen und Granteln, das nicht unbedingt zu den positiven Exportschlagern Österreichs gehört." Bildung steht auch ganz oben auf der Liste der Zukunftsfragen, mit denen sich Politiker beschäftigen sollten. Weitere sind "Alterung" (endlich jemand, der nicht abwertend von "Überaltertung" spricht !), Europa (Migration als Wirtschaftskraft), Außenpolitik. "Mehr Politik - weniger Staat" (Warnfried Dettling) wäre das Motto. Das neue Menschenbild hat mit Neugier und Humor zu tun, aber auch mit den altmodischen Tugenden Dankbarkeit, Vertrauen und Gelassenheit. Ende 2009 fügte der Autor eine weitere hinzu: Hoffnung. Hoffnung bedeutet, dass wir daran glauben, aktiv unsere Welt umgestalten zu können. Und sei es zunächst einmal nur im Kleinen. Wenn eine Gesellschaft diese Hoffnung verliert und sich nur noch ihren Ängsten, Paniken und Hysterien hingibt, ist sie in der Tat irgendwann am Ende. So einfach ist das – und doch offensichtlich so schwer zu verstehen. (Zukunftsletter, Oktober 2009)