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Heinz-Dieter Pohl, Birgit Schwaner: Das Buch der österreichischen Namen#

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Heinz-Dieter Pohl, Birgit Schwaner: Das Buch der österreichischen Namen. Ursprung, Eigenart, Bedeutung. Pichler Verlag Wien, Graz, Klagenfurt 2007. 240 S. € 16,90

Die Onomastik beschäftigt sich damit, die Stellung der Namen im Sprachsystem zu untersuchen und versucht, ihre Herkunft festzustellen. Bei der Klärung der vielschichtigen Fragen nach Entstehung, Verbreitung und Überlieferung eines Namens hilft den Sprachwissenschaftlern der Blick in andere Fachgebiete wie (Kultur-)geschichte oder Geographie. Auch der Autor des Buches der österreichischen Namen hat die Zusammenarbeit gesucht und gefunden. Professor Heinz-Dieter Pohl lehrte an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt allgemeine und diachrone Sprachwissenschaft. In jahrelanger Forschungstätigkeit beschäftigte er sich mit Orts- und Flurnamen, Dialektologie, deutsch-slowenischen Sprachkontakten, Soziolinguistik und dem österreichischen Deutsch. Die Journalistin Birgit Schwaner hat das reichhaltige Material in eine "angenehm zu lesende Form" gebracht. Dazu führte sie die Ich-Form als "eine Art stilistisch bedingter Schauspieler" ein, um von Kapitel zu Kapitel zu führen. Diese Exkusion führt zu neun interessanten Stationen.

Ein erster Überblick beschäftigt sich mit Namen "jenseits von Schall und Rauch". Es liefert die Grundlagen zur allgemeinen Ordnung der Namen und zur Onomastik. Solcherart eingestimmt wird der Leser in die "konservierte Vergangenheit" der Namensschichten in Österreich geleitet, wobei der Schwerpunkt auf Orten und Landschaften liegt. Hier erfährt man viel über verschwundene Sprachen, z.B. das Etruskische, von der Hypothese des indogermanischen Ursprungs oder über Ortsnamen auf -ing, -heim etc. Besonders hilfreich sind, auch in den anderen Kapiteln, die Glossare - zunächst "Von Au bis Zell". Der erklärenden Liste "deutscher Art" folgt eine der slawischen Wörter "von bel bis vas". "Bel" ("weiß") findet sich in Kärntner Gewässer- und Ortsnamen (Vellach).

Ein großer Abschnitt ist den Familiennamen gewidmet, woher sie kommen und was sie bedeuten. Schließlich wird "eine handvoll berühmter Namen" näher betrachtet: Ernst Jandl, Peter Handke, der deutsche Turnvater Jahn und der frühere Wissenschaftsminister Johannes Hahn sind alle "Sohn des Johannes". Die Bedeutung des Namens Mozart (im 14. Jahrhundert "Motzhart") war urspünglich nicht gerade schmeichelhaft: "motzen" hieß, im Schlamm herumstochern oder unsauber arbeiten. Es handelt sich um einen Übernamen alemannischer Herkunft. Der Komponist Joseph Lanner und die Politikerin Ursula Plassnik hatten Vorfahren, die an einer "Lahn" (Lawine) wohnten. Hingegen ist der Name von Bundespräsident Heinz Fischer mit dem gleichnamigen Beruf in Verbindung zu bringen. In der Häufigkeit steht dieser Familienname in Österreich an 14., in Deutschland an 4. Stelle. Der häufigste Familienname ist in Österreich Gruber, in Deutschland und in der Schweiz Müller, gefolgt von Huber (D: Schmidt, CH: Meier) und Bauer (D: Schneider, CH: Schmid).

Im nächsten Kapitel geht es um Österreich und seine Bundesländer. "Ostarrichi", 996 in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. erstmals urkundlich erwähnt, bezeichnete einfach den östlich gelegenen Bereich eines Herrschaftsgebietes. Kärnten, das älteste Herzogtum im heutigen Österreich, ist mit dem Dorf Karnburg verbunden, wo sich im 7./8. Jahrhundert das Zentrum des slawischen Karanthanien befand und im 9. Jahrhundert eine karolingische Pfalz errichtet wurde. Die Betrachtung von Wien (nach dem Wienfluss, keltischen Ursprungs) leitet über zu den Städtenamen ("Von Aussee bis Wien") und den Gewässernamen von Attersee bis Ybbs. Die Benennung von Gewässern führt - entsprechend der Bedeutung des Wassers - zu den ältesten Namensschichten. Die Namen der Berge gelten als "Ausnahmefall". Die Forscher unterscheiden semantische Gruppen: Lage-, Kultur-, Besitznamen, mythische bzw. religiöse und künstliche bzw. gelehrte Namen. Die namenskundliche Liste bekannter Berge reicht vom kärntnerisch-salzburgischen Ankogel (wo sich der Adler aufhält) bis zum osttiroler Zimmaross oder Zimmerroß (vom romanischern cima rossa - Rotspitz).

Das vorletzte Kapitel widmet sich dem Ethnophaulismus. Schimpfnamen für Angehörige anderer Völker gibt und gab es in allen Zeiten und Sprachen. Oft historisch oder politisch belastet, werden sie generationenlang weiter verwendet, oft ohne den Ursprung zu kennen. Das diesbezügliche Register reicht von "Böhm" bis "Tschusch", wobei die Herkunft dieses Wortes nicht völlig geklärt ist. In der k.u.k. Armee bedachte man damit südslawische Militärpersonen. Vielleicht kommt es vom serbischen und kroatischen "cujes ?" ("verstehst du mich?") oder vom türkischen "caus" (Unteroffizier) oder von "cus", wie man in Bosnien den Treiber eines Lasttieres bezeichnete. Möglicherweise ist es auch gar kein Schimpfwort mehr, wenn man an die beliebte Musikgruppe denkt, die sich "Tschuschenkapelle" nennt. In den abschließenden Überlegungen geht es um Austriazismen, die sich im kulinarischen Sektor häufen (Paradeiser, Erdäpfel, Faschiertes …) In regionalen und kulturhistorischen Besonderheiten sieht der Autor immaterielles Kulturerbe und meint: "Wie bei Denkmälern sollte diese Pflege zur kulturpolitschen Aufgabe werden… Namen sind Zeichen unserer Herkunft. Sie zu vergessen oder zu verfälschen hieße, sich eines Stückes Identität zu berauben."