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Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis#

Bild 'Heilige Zeiten'

Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis. Hg. Volkskultur Niederösterreich. Atzenbrugg 2010. 280 S., illustriert, mit einer CD, € 35,-

Heilige in Wort, Bild und Musik stellt ein neues Werk aus Niederösterreich vor. Der Kirchenvater Augustinus, der um die Wende des 4. zum 5. Jahrhundert lebte, meinte: "Wer singt, betet doppelt". Er ist einer der rund 80 Heiligen, die in dem Werk "Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis" besungen werden - in diesem Fall mit einem Hymnus aus dem Augustinerchorherren-Stift Klosterneuburg. Anderen, wie St. Blasius, sind geistliche Volkslieder gewidmet. Solche verborgenen Schätze wieder zu heben, haben sich die Musiker Prof. Walter Deutsch und Norbert Hauer zur Aufgabe gemacht. Traditionelle Gesänge, viele in aktueller Bearbeitung, finden sich nicht nur im Buch mit Noten, sondern auch auf der beigepackten CD.

Der offizielle Kalender der römisch-katholischen Kirche umfasst 6650 namentlich genannte Heilige und Selige und 7400 anonyme Märtyrer. Allein Papst Johannes Paul II. hat mehr Christen zur Ehre der Altäre erhoben, als viele seiner Vorgänger zusammen: 483 Heilig- und 1268 Seligsprechungen fallen in sein Pontifikat. Ab 1. Mai 2011 zählt auch er selbst zu dieser Schar. Auswahlkriterium für das Buch waren die Kirchenpatronate in Niederösterreich, dazu kamen Evangelisten und Ordensgründer. Österreichs größtes Bundesland hat Anteil an zwei Diözesen: St. Pölten mit 424 Pfarren und die EDW mit 275 Pfarren im Vikariat unter dem Manhartsberg und 210 im Vikariat unter dem Wienerwald, zusammen rund 910 Pfarren, zu denen noch Hunderte Filialkirchen kommen. Entsprechend groß ist die Anzahl der Heiligen, unter deren Schutz man sie gestellt hat.

Die Texte hat Helga Maria Wolf verfasst. Dabei war es ihr wichtig, nicht erbauliche Geschichten zu erzählen, sondern verschiedene Gesichtspunkte zu beleuchten. Jedes Kapitel ist nach 10 Schwerpunkten gegliedert:
Die Vita, soweit sie sich nachweisen lässt. Es soll der Wertschätzung keinen Abbruch tun, wenn man, wie bei Cäcilia, feststellen muss: "eine frühchristliche Märtyrerin, deren Lebensdaten unbekannt sind." Es entsteht der Eindruck: je weniger man über eine Person weiß, umso üppiger blühen die Legenden.

Legenden sind der zweite Schwerpunkt. Den Autoren, die sie erfunden haben - oft spricht die Forschung von "Schreibtischlegenden" - ging es nicht um die historische Wahrheit sondern um den Vorbildcharakter. Von jungen Frauen wird erzählt, dass sie einen reichen und einflussreichen Heiden heiraten sollten. Wenn sie sich weigerten, weil sie dem himmlischen Bräutigam die Treue geschworen hatten, wurden sie zum Tod verurteilt. Viele von ihnen sind Märtyrer vom unzerstörbaren Leben, d.h. sie werden allen nur erdenklichen Foltern unterworfen, die man normalerweise nicht überleben kann, ehe sie den Bekennertod sterben. Dies gilt als Zeichen besonderer Heiligkeit.

Die Entwicklung des Kultes ist nicht frei von (kirchen)-politischen Überlegungen. Oft hat er - wie bei den "hl. 3 Königen" - mit Reliquien zu tun. Der Kanzler des deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossa, ließ sie 1164 von Mailand nach Köln bringen, wo man sie im kostbarsten Schrein des Mittelalters verwahrte. Diesen nahm man dann zum Anlass für den Bau des Kölner Doms. "CMB" wurden nie offiziell heiliggesprochen.
Man erfährt, an welchem Tag und seit wann der Heilige geehrt wird und welchen Rang sein Fest im römischen Generalkalender bzw. Regionalkalender hat (Hochfest, Fest, gebotener oder nicht gebotener Gedenktag). Bis zur Reformationszeit nahm man die Heiligentage so wichtig, dass man in Urkunden anstelle des Datums in Ziffern den Heiligentag schrieb. Einige wie "Martini" (11.11.) oder "Leopoldi" (15.11.) sind auch heute populär.

Darstellung und Attribute leiten sich aus der legendären Überlieferung ab. Die hl. Dorothea trägt ein Blumenkörbchen: Auf dem Weg zur Hinrichtung wird sie verspottet, ihr himmlischer Bräutigam solle ihr doch einen Korb mit Obst und Blumen senden und mitten im Winter geschieht das Wunder. Meist handelt es sich bei den Attributen jedoch um die Marterwerkzeuge oder eine Märtyrerpalme.

Patronate: Schutzheilige gelten als Spezialisten für bestimmte Berufe, Gebiete oder Tätigkeiten. Christophorus, der das Jesuskind auf der Schulter über einen Fluss getragen haben soll, ist der Nothelfer der Reisenden und Autofahrer. Wer sein Bild ansah - das deshalb so gewaltig außen auf alten Kirchenwänden prangt- vertraute darauf, an diesem Tag nicht zu sterben. Und wohl auch Autofahrer, die Christophorusmedaillen in ihren Fahrzeugen anbringen.

Alte und neue Bräuche. sind charakteristisch für die Praxis Pietatis. Zu den alten zählt das Minnetrinken mit gesegnetem Wein zu Ehren bestimmter Heiliger (Stephan, Johannes, Martin, Ulrich, Gertrud, Sebastian und Urban.) Man erhoffte sich davon Hilfe in schwierigen Lebenssituationen und für einen guten Tod. Ein bekannter neuer Brauch sind die Geschenke zum Valentinstag.

Wetterregeln. Obwohl sie die Meteorologen nicht oder nur sehr großzügig bestätigen können, haben sich solche Sprüche und Vorstellungen doch erhalten, wie die "Eismänner" Pankratius, Servatius, Bonifatius und die nasse Sophie.

Kultstätten. Zahlreiche Quellen werden mit Heiligen in Verbindung gebracht. Das ist nicht nur bei Marienwallfahrtsorten (Lourdes und Lourdesgrotten) der Fall, es gibt auch eine ganze Reihe von Wasserheiligen und hl. Brünnln.

Schließlich sind am Ende jedes Kapitels die Pfarrpatronate in Niederösterreich aufgelistet.

Dazu kommen zwischendurch einige "Kasten". Sie erklären Stichworte , die im Zusammenhang mit der Heiligenverehrung wichtig sind, wie Kanonheilige oder "Strafwunder und bestrafte Heilige".

Farbe gewinnt der großzügig ausgestattete Band durch Hinterglasbilder, die Johann Pum aus Sandl im Mühlviertel nach überlieferten Vorlagen eigens für das Buch gemalt hat.