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Hannes Androsch (Hg): Österreich - Geschichte, Gegenwart, Zukunft#

Bild 'Androsch'

Hannes Androsch (Hg): Österreich - Geschichte, Gegenwart, Zukunft. Mit Beiträgen von Nicole Adler, Hannes Androsch, Trautl Brandstaller, Wojciech Czaja, Christian Dirninger, Hermann Fillitz, Michael Frank, Peter Kampits, Manfred Matzka, Beppo Mauhart, Anton Pelinka, Martina Pippal, Peter Rigaud, Marie-Therese Rudolph, Wendelin Schmidt-Dengler, Karl Schwarz, Johann Skocek, Günther Steinbach, Gerhard Stourzh, Wolfgang Straub, Christoph Wagner, Adam Wandruszka, Othmar Wessely. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2010. 592 S., 718 Abb. € 49,90

Bevor Hannes Androsch das politische System Österreichs um ein durchaus originelles Element bereichert hat, nämlich durch den Plan für ein Volksbegehren, das die Regierung daran erinnern soll zu regieren, trat er als Herausgeber eines umfassenden Buches über Österreich hervor.

Als 590-seitiges Großformat mit einem Gewicht von über 3 kg liegt der Band „Österreich – Geschichte, Gegenwart, Zukunft“ dem Leser nicht eben leicht in der Hand. Im Zeitalter des E-Books könnte man das Werk als Gutenberg-Dinosaurier bezeichnen – wahrscheinlich ist das mit 718 Abbildungen ausgestattete Opus Magnum des „Elder Statesman“ wirklich so etwas wie das letzte Aufbäumen einer auf Papier verwirklichten Publizistik.

Wie kam es zu diesem Monsterwerk? Als Kommissar Österreichs für die Weltausstellung „EXPO 2010“ in Shanghai suchte Androsch ein passendes Geschenk für seine Ehrengäste. Der bei Coffee-Table-Books konkurrenzlose Verlag Christian Brandstätter griff ins Volle und versammelte zwei Dutzend bekannter Autoren zu einem Dutzend Themen über Österreich.

Während die eindrucksvollen Farbbilder kein Klischee auslassen, sind die Texte zum Teil erfrischend kritisch, jedenfalls durchwegs interessant und lehrreich. Ob Adam Wandruszka die gesamte Geschichte Österreichs bis 1918 auf 20 Seiten abhandelt oder Günther Steinbach daran anschließend die Erste Republik wieder erstehen lässt, man ist besonders durch die Text-Bild-Kombination beeindruckt.

Hermann Fillitz und Martina Pippal begleiten Leser und Leserinnen auf der „Suche nach Schönheit“ durch die Kunstgeschichte Österreichs – von der Venus von Willendorf bis zu Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. Das „Reich der Töne“ kommt ebenso wenig zu kurz wie die Literatur Österreichs – ein Beitrag noch aus der Feder des bereits verewigten Wendelin Schmidt-Dengler. Erfreulich auch ein unaufgeregter Artikel von Trautl Brandstaller über die politische Rolle der Frauen in Österreich seit 1848. Gut ausgewählt und instruktiv dargestellt von Peter Kampits finden sich 50 Denker, Wissenschaftler und Erfinder, darunter die Damen Bertha von Suttner und Rosa Mayreder. Kapitel über Küche, Mode und Sport runden das umfassende Österreich-Bild ab.

In seinen Schlussbetrachtungen “Quo vadis, Austria?“ spricht Androsch ein großes Wort gelassen aus, wenn er fordert, den „Terror des Status quo angeblich wohlerworbener Rechte“ zu überwinden, um erstarrte Strukturen aufzubrechen, neue Perspektiven zu entwickeln und neue Ziele mit Entschlossenheit umzusetzen. Wird dieser Ruf gehört werden?

Rezension: Peter Diem