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Christoph Fackelmann, Wynfrid Kriegleder (Hg.): Literatur - Geschichte - Österreich#

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Christoph Fackelmann, Wynfrid Kriegleder (Hg.): Literatur - Geschichte - Österreich. Probleme, Perspektiven und Bausteine einer österreichischen Literaturgeschichte. Thematische Festschrift zur Feier des 70. Geburtstages von Herbert Zeman. (Reihe: Austria: Forschung und Wissenschaft - Literatur- und Sprachwissenschaft Bd. 18), LIT-Verlag. Wien - Berlin 2011. 656 S., € 59.90

In dem umfangreichen Band setzen sich Weggefährten, Kollegen und Schüler Herbert Zemans mit der Österreichischen Literaturforschung auseinander. Em. o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Zeman (* 1940) lehrte an den bedeutendsten Universitäten aller Kontinente und war Ordinarius für neuere Deutsche und Österreichische Literatur an der Universität Wien (emeritiert 2008). Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Deutsche Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts, die Österreichische Literatur in ihrer Gesamtentwicklung und das Zusammenwirken von Dichtung und Musik. Der Jubilar (für den das Werk als Geschenk zum 70. Geburtstag gedacht war) ist u. a. Präsident der Österreichischen Goethe-Gesellschaft und hat wesentlichen Anteil am kulturellen Leben des Landes.

Der Themenband versammelt Studien und Skizzen der Literatur aus theoretischer und deskriptiver Perspektive. Den wissenschaftlichen Wert ahnt man schon fast 80-seitigen Einleitung des Herausgebers. Christoph Fackelmann geht auf die im Titel angesprochenen Stichworte ein, wobei manche Trends nicht auf die Literaturgeschichte beschränkt sind. Nicht nur an dem, was dieses Fach "traditionellerweise ausmacht, nagt inzwischen der Zweifel, tief und grundsätzlich: 'Geschichte' ist selbst als 'große Erzählung' entlarvt; das macht ihr Bild beliebig und angreifbar, das überlieferte Vertrauen in die überlieferten Zusammenhänge wich einem kritischen Misstrauen in alles scheinbar Selbstverständliche. … Alle Faktoren des Kulturellen … stehen heute in dem Ruf, bloße 'Konstrukte' zu sein … und (sind) mittlerweile der Stoff ganzer Legionen von Entlarvungs- und Entzauberungsliteratur." Die Literaturgeschichtsschreibung sieht sich zwischen den Polen "patriotische, identitätsstiftende Leistung" und "kritische Dekonstruktion von nationaler Identität und von Herrschaftsdiskursen." So stehen auch der "Österreich-Begriff", der Kulturbegriff und der "österreichische Mensch" - erst 2009 stimmte der amerikanische Geschichts-Professor William M. Johnston in die historisch gewordene Debatte darüber ein - auf dem Prüfstand. "Die Literaturgeschichte Österreichs entsteht und entfaltet sich in Verbindung mit dem Territorium und dessen Landschaften und Regionen, ihr kultureller Raum verhält sich aber zu dem politischen Gebilde weder reibungslos noch gleichgestaltig noch durchwegs gleichlaufend", schreibt Fackelmann und würdigt Herbert Zeman, dessen "Auslotung der österreichischen literarischen Traditionen … das vielschichtige Bild einer eigenständigen, aber weder einsinnigen noch aus dem größeren Gefüge zu lösenden 'Heimat im Wort' (zeichnet). "

Autoren des ersten Kapitels "Problemgeschichte, Begriffe, Konzepte - didaktische Perspektiven" sind Ferdinand van Ingen und Wynfrid Kriegleder. Der folgende Abschnitt enthält Aufsätze des Jubilars über die Gelehrten Wilhelm Scherer (1841-1886) und August Sauer (1855-1926) sowie von Elisabeth Buxbaum über A. Sauer und von Herbert Schrittesser über Anton Bettelheim (1851-1930). Der dritte Teil widmet sich Sonderfragen wie "Regionale Literaturgeschichte" (von Tomas Kubelik und Norbert Oellers), "Historische Literaturlandschaft - supranationaler Kulturraum" (von Ingeborg Fiala-Fürst und Sorin Gadeanu), "Kinder-und Jugendliteratur" (von Ernst Seibert) und "Spezifische Diskurse" (von Wolfgang Neuber, Christoph Fackelmann und Günter Schnitzler). Das vierte Kapitel "Formen, Gattungen, Motive - kulturelle Praxis der literarischen Identität" gliedert sich in die Themen "Reformkulturen" (von Manfred Knedlik und Robert Hinterndorfer), "Konfessionslandschaften" (von Dieter Breuer, P. Benno Wintersteller OSB, Hartmut Laufhütte und Dietz-Rüdiger Moser), "Performative Kulturen" (von Karl Heinz Huber und Orsolya Hanusz) sowie "Rezeptionslandschaften" (von Claudia Schweizer und Helmut Steinecke). Ein Anhang mit Bibliographie und einem Verzeichnis der neuesten Schriften von Herbert Zeman schließt diese bemerkenswerte Festschrift ab.