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Peter Keller, Johannes Neuhardt (Hg.): Edelsteine, Himmelsschnüre#

Bild 'Edelsteine'

Peter Keller, Johannes Neuhardt (Hg.): Edelsteine, Himmelsschnüre. Rosenkränze & Gebetsketten. Redaktion: Reinhard Gratz, Peter Keller, Heidi Pinezits. Katalog zur 33. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. 2. Aufl. Salzburg 2010. 344 S., durchgehend farbig ill., € 39,90.

Ausstellungen vergehen, Kataloge bestehen. Noch nach Jahren bilden Begleitpublikationen wertvolle Hinweise auf die Thematik und einzelne Exponate. Die vorliegenden Kataloge des Dommuseums zu Salzburg ("Edelsteine, Himmelsschnüre" und "Glaube & Aberglaube") bieten noch viel mehr. Einleitenden Grundsatzartikeln anerkannter Experten folgt eine genaue Darstellung aller Objekte. Dies ist um so bemerkenswerter, als es sich bei den meist kleinformatigen Ausstellungsstücken um "Massenware" handelt, die in großer Anzahl gezeigt wurde.

"Edelsteine, Himmelsschnüre", Band 1 des Katalogs des Bestandes der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung im Dommuseum, erreicht bereits seine 2. Auflage. Die Ausstellung von Rosenkränzen und Gebetsketten, die aus einer Schweizer Privatsammlung und dem im Dommuseum bewahrten Bestand der gemeinnützigen Stiftung stammen, war 2008 zu sehen. Sie zeigte mehr als 600 solcher Gebetszählgeräte und ergänzende Objekte, wie Medaillen und Anhänger, Bruderschaftsbücher und wertvolle Kunstgegenstände, etwa Altarbilder und Madonnen, den Kelch des Erzbischofs Max Gandolph (um 1680) und eine reich verzierte vergoldete Rosenkranz-Monstranz aus der selben Zeit. Die perfekten Farbfotos und die detaillierte Beschreibung aller Stücke machen den Katalog zu einem einzigartigen Nachschlagewerk.

Die einleitenden Aufsätze beginnen mit einer Betrachtung des Innsbrucker Alterzbischofs Reinhold Stecher über das Rosenkranzgebet. In seiner sympathischen und feinsinnigen Art geht er auf Vorbehalte ein und verrät persönliche Erfahrungen mit dieser "Gebetsform, die nicht jedermann behagen muss." Der Salzburger Dogmatik-Professor Hans-Joachim Sander referiert die Geschichte des Gebets seit dem 13. Jahrhundert. Der Trierer Liturgie-Professor Andreas Heinz schreibt über Entstehung und Entwicklung der Rosenkranz-Bruderschaften, die sich - heute unvorstellbarer - Popularität erfreuten. Sie entstanden seit 1474 allenthalben nach Kölner Vorbild. Speziell mit der Salzburger Bruderschaft im 17. und 18. Jahrhundert beschäftigt sich der Wiener Professor für Kirchengeschichte Rupert Klieber. Die Gebetsverbrüderungen verdankten ihre Attraktivität dem Fegefeuer-Glauben. Sie sollten den Armen Seelen die Qualen in der "Hölle auf Zeit" erleichtern. Der Gründer des Dommuseums, Johannes Neuhardt, beschreibt den Einfluss der Rosenkranzbruderschaft der Dominikaner auf die Bürger von Kitzbühel. In der Gegenreformation beeindruckte sie diese nicht zuletzt durch Prozessionen und Schauspiele. Christine M. Gigler vom Salzburger Diözesanarchiv verfolgt die Tätigkeiten der Salzburger Rosenkranzbruderschaft. Der Kustos des Graphischen Kabinetts von Stift Göttweig, Gregor M. Lechner OSB, begibt sich auf Suche nach Denkmälern der Rosenkranzbruderschaften, wie Altarbilder und Fresken. Nach der Kunstgeschichte kommt die Musikwissenschaft zu Wort: Der deutsche Mozartexperte Manfred Hermann Schmid stellt die Rosenkranzsonate des Hofmusikers Heinrich I. F. Biber aus dem Jahr 1678 vor. Der Europäischen Ethnologie, glänzend vertreten durch die Leiterin des Landesinstituts für Volkskunde, Ulrike Kammerhofer, fällt die Aufgabe des Überblicks und der Zusammenschau zu. Kammerhofer beschreibt den Rosenkranz u. a. als Attribut und Symbol, Bekenntnis des Glaubens und der Konfession, als Kunstgegenstand und "Objekt im Gebrauch des Menschen". Der deutsche Kunsthistoriker Peter B. Steiner vergleicht "Gebetsschnüre weltweit".

Der 200-seitige Katalogteil gliedert sich in vier Kapitel, denen jeweils eine kurze Einführung vorangestellt ist: "Rosenkranz und Reihengebet" (Peter Keller) mit 50 Exponaten, "Rosenkränze & Gebetsketten" (Fredy Bühler, Johannes Neuhardt, Reinhard Gratz, Heidi Pinezits) mit 603 Objeken, "Fraisenketten und Amulette" (Johannes Neuhardt) mit 19 Katalognummern, und "Gebetsketten anderer Kirchen und Religionen (Johannes Gratz) mit 20 Ausstellungsstücken. An dem Buch ist nicht nur der erwähnte Detailreichtum lobenswert, sondern auch die grafische Gestaltung mit großformatigen, ganzseitigen Bildern.