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Robert Sedlaczek: Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs #

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Robert Sedlaczek: Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs. In Zusammenarbeit mit Melita Sedlaczek. Wissenschaftliche Betreuung: Univ.Prof. Heinz-Dieter Pohl. Haymonverlag Innsbruck - Wien 2011. 336 S. € 12,95

Was ist österreichisches Deutsch ? Das Wienerische, Steirische, Vorarlbergische ? Und was unterscheidet den österreichischen Sprachgebrauch vom bairischen ? Antwort auf viele Fragen gibt das "Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs". Robert und Melita Sedlaczek haben ihre Einleitung als Frage- und Antwort-Spiel formuliert. Sie sollte auf jener Sprachebene angesiedelt sein, um die es in dem Taschenbuch hauptsächlich geht: die mündliche Alltagskommunikation. Für ihr "Wörterbuch der neuen Art" haben die Autoren "bewusst auch das Ausgefallene gesucht" und in der Standardsprache, Umgangssprache und Mundart gefunden, wobei die Grenzen fließend sind.

Rund 2500 ausführlich zitierte Beispiele fanden sie in Kabarettprogrammen, Fernsehfilmen, Schlagertexten und Tageszeitungen. So ist nicht nur ein Buch entstanden, das erzählt "woher die Wörter kommen" und wie sie aktuell verwendet werden, sondern auch eines, das zum Schmökern einlädt. Es ist nicht wie ein klassisches Wörterbuch aufgebaut, sondern orientiert sich an den Wortstämmen. So findet man "aufgemascherlt" unter M bei "Mascherl". Wobei die in Österreich beliebte Endung "-erl" außer der Verkleinerung eine emotionale Beziehung ausdrückt. "Das Glaserl Wein ist genauso groß wie ein Glas Wein, aber wer Glaserl sagt, der bringt damit zum Ausdruck, dass ihm der Wein gut schmeckt oder viel bedeutet", lernt man in der Einleitung. Hier gehen die Autoren auf weitere österreichische Sprach-Spezialitäten ein, wie "verdunkelte a-Laute", deren Verwendung man deutschen Showmastern, die sich gern über Österreich lustig machen, erklären müsste. Auch grammatikalische Eigenheiten werden erwähnt, wie der substantivierte Infinitiv mit vorangestelltem "zum": "Der Hund is ned zum Umbringen" - statt: "umzubringen".

Aus der Fülle des Vorhandenen haben die Autoren eine subjektive Auswahl getroffen und "nicht davor zurückgeschreckt, auch sogenannte unanständige Wörter aufzunehmen. Die Wörter können ja nichts dafür …" Besonders wichtig war es ihnen, auf die "ganz armen Wörter" nicht zu vergessen. Das sind jene, bei denen man nicht recht weiß, wie man sie schreiben soll, "zum Beispiel 'geschalnt' oder 'gschalnt' oder 'gschoind'", für "fein gekleidet". Sedlaczek & Sedlaczek haben beobachtet, das die Mundart, die variantenreicher und ausdrucksstärker als die Standardsprache ist, sich bei jungen Leuten großer Beliebtheit erfreut: Wenn sie (z.B. in einem SMS) "einen standardsprachlichen Text verfassen, dann schwindeln sie da und dort einen Mundartausdruck hinein, um dem Geschriebenen eine zusätzliche Würze zu verleihen." Mundart ist, so S & S, kein Unterschichtphänomen. Auch Gebildete wechseln nach Bedarf zwischen verschiedenen Sprachcodes und interessieren sich für den Würstelstandjargon oder für Gaunersprachliches.

Dem fiktiven Interview zur Einleitung folgt auf 300 Seiten das eigentliche Wörterbuch mit alltagssprachlichen Wörtern und Wendungen, von "abakletzeln" bis "Zwutschkerl". Daran schließt (nicht ganz einsichtig, warum extra) ein kurzes Kapitel mit amtsdeutschen und fachsprachlichen Ausdrücken, ehe ein Nachwort "Tipps für Hobbysprachforscher" gibt, Abkürzungen erklärt und Quellen aufgelistet werden. So erklärt sich die letzte Frage fast von selbst. "Für wen ist dieses Buch ?" Robert Sedlaczek meint: "Für Einheimische und 'Zuagroaste' - schlichtweg für jeden, der die lebendige, authentische Sprache Österreichs kennenlernen will."