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Historische Gärten und Parks in Österreich#

Bild 'Berger'

Historische Gärten und Parks in Österreich (Hg. Christian Hlavac, Astrid Göttche und Eva Berger) Band 1. Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar 2012. 394 S., 337 farb. Abb., € 55.00

"Als einzige aller Gattungen der bildenden Kunst ist die Gartenkunst in der Lage, sich in den Dimensionen von Raum und Zeit der organischen und anorganischen Bestandteile der Natur zu bedienen, die sonstigen Kunstgattungen einzusetzen und mit diesen aus Natur und Kunst stammenden Gestaltungselementen die fünf Sinne des Menschen anzusprechen," stellen die Herausgeber dieses faszinierenden Bandes fest. In Österreich ist das Interesse an historischen Gärten recht jung: 1986 richtete das Bundesdenkmalamt ein Referat für historische Gartenanlagen ein. Seit 2000 besteht eine Gesetzesliste, die 56 Parks aufzählt, die unter Denkmalschutz gestellt werden könnten. 1991 konstituierte sich die Österreichische Gesellschaft für historische Gärten, nachdem seit 1976 im Rahmen der Vereinigung "Pro Austria Nostra" ein Arbeitskreis zum Thema bestanden hatte. 1993 erschien das Buch "Historische Gärten in Österreich. Vergessene Gesamtkunstwerke", von Géza Hajós. 1994-2002 erfolgte im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Wien die Inventarisierung von 1.780 erhaltenen Gärten von der Renaissance bis zur Zwischenkriegszeit, die Eva Berger im dreibändigen Standardwerk "Historische Gärten Österreichs" (2002-2004) dokumentierte.

Zehn bzw. 20 Jahre nach Erscheinen dieser Publikationen war die Zeit reif für einen neuen Bild-Text-Band. Vieles hat sich in der Zwischenzeit geändert, gartendenkmalpflegerische Aktivitäten haben eingesetzt. Die öffentliche Wahrnehmung ist gestiegen, Reisen zu historischen Gärten und einschlägige Literatur stoßen auf große Nachfrage. Die Herausgeber haben für das vorliegende Werk 54 repräsentative Beispiele aus allen Bundesländern ausgewählt. Die einzelnen Autoren kennen die Objekte seit Längerem aus Forschung und Praxis. Dabei gehen sie auf historische Aspekte ebenso ein, wie auf botanische und gestalterische. Zu den beschriebenen Anlagen zählen prominente, wie Schönbrunn oder der Wiener Volksgarten, aber auch weniger bekannte Schlossparks und private Villengärten. Alte Pläne und Ansichten, als Vergleich zu aussagekräftigen aktuellen Fotos, bereichern jedes Kapitel.
Gärten sind aus baulichen und pflanzlichen Elementen bestehende, vom Menschen künstlich und künstlerisch gestaltete Teile der Landschaft. Vegetation und Kleinarchitekturen bilden Elemente einer großen Gesamtkomposition. Bis ins 18./19. Jahrhundert waren "Garten" und "Park" unterschiedliche Begriffe, seither werden sie synonym verwendet. "Garten" war die unmittelbare und künstlerisch gestaltete Umgebung eines Bauwerks. Der Park stellte einen davon entfernteren Grünraum dar. Auf einem größeren Areal angelegt, sollte er Unbegrenztheit vermitteln. Die im Buch vorgestellten Beispiele folgen zwei Grundtypen gartenkünstlerischer Gestaltungsweisen, dem formal-architektonischen und dem landschaftlichen Typ. Die Philosophen des 18. Jahrhunderts sahen in der geometrisch gezähmten Natur des Barockgartens ein Symbol der absolutistischen Herrschaft. Der Landschaftsgarten wurde ihnen zum Symbol der Freiheit, das scheinbar Spontane und Zufällige im Englischen Park imitierte die Natur. "Im Landschaftsgarten verwischten die Gestalter die Trennung vom künstlich angelegten Garten und der umgebenden Natur so weit als möglich. 'Der Garten wurde zur Landschaft und die Landschaft zum Park', brachte es schon Géza Hajós auf den Punkt." Nach eineinhalb Jahrhunderten fand der "Pleasureground" durch die Reformbewegung um 1900 Kritik, "Wohngarten" hieß nun die Devise. Nach dem Ersten, mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das "soziale Grün" Bedeutung. Als Zeugen der Gartengestaltung im 20. Jahrhundert gelten die Wiener Internationalen Gartenschauen WIG 64 und WIG 74.

Bis 1999 war es gesetzlich nicht möglich, historische Grün- und Freiräume unter Denkmalschutz zu stellen. Von den dann 56 taxativ aufgeführten Anlagen wurde für nur 34 ein Denkmalschutzbescheid ausgestellt. Dazu zählen u. a. der Augarten, Schönbrunn, das Belvedere, der Pötzleinsdorfer Schlosspark und der Stadtpark in Wien, die Gärten von Laxenburg, Schlosshof und Obersiebenbrunn in Niederösterreich, die Schlossparks in Kittsee und Eisenstadt im Burgenland, Damtschach in Kärnten, der Villengarten Toscana in Oberösterreich, der Villengarten Thurn und Taxis in Vorarlberg, Hofgarten Innsbruck und Ambras in Tirol, Mirabellgarten und Hellbrunn in Salzburg, Stadtpark Graz und Schloss Eggenberg in der Steiermark. Für etliche Objekte wurden Parkpflegewerke ("Gartendenkmalpflegerische Entwicklungskonzepte") ausgearbeitet.

Alle anderen historischen Gartenanlagen fallen unter dem Titel "Naturschutz" in die Zuständigkeit der Bundesländer. "Heute werden alte Gärten und Parks in ihrer Vielschichtigkeit wahrgenommen. Ein Gegeneinander von Naturschutz und (Garten-) Denkmalpflege ist in vielen konkreten Fällen einem Aufeinanderzugehen und Miteinander der beiden Disziplinen gewichen" , stellen Eva Berger und Christian Hlavac fest.

Angesichts der Fülle vorhandener Anlagen (1.780 in der TU-Dokumentation !) und kritikwürdigen Neuerungen scheinen dies kleine Schritte zu sein. Alte Gärten und Parks sind immer noch bedroht. Daher erfüllt dieses großartige Buch auch eine weiterreichende Aufgabe: "Nur wenn die latent gefährdeten Zeugnisse der Gartenkunst bekannt gemacht und damit aufgewertet werden, können entsprechende Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen in großem Maßstab erfolgen: Was man nicht kennt, wird man nicht schätzen. Was einem vertraut ist, schätzt und schützt man" , schreiben die Herausgeber. Der Zusatz "1. Band" weckt die Hoffnung auf Forsetzung. Man darf sich also auf die Vorstellung weiterer grüner Paradiese vor der Haustür freuen.