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Museum #

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Museum. Herausgegeben vom Jüdischen Museum Wien. Mit Textbeiträgen von Domagoj Akrap, Sabine Frank-Moser, Werner Hanak-Lettner, Gabriele Kohlbauer-Fritz, Hannah Landsmann, Katharina Lischka, Christa Prokisch, Danielle Spera, Maren Waffenschmid, Andrea Winklbauer. 131 Seiten, Farbabbildungen. Wien 2012. Erhältlich im Jüdischen Museum Wien (info@jmw.at) € 13,-

Der neue Katalog des JMW ist ein anregender Begleiter durch die Sammlungen, und doch weit mehr als das. Schon das Layout, die Prägnanz der deutsch- und englischsprachigen Texte und die Fotoauswahl begeistern. Das weltweit erste jüdische Museum bestand von 1895 bis 1938 in Wien. Seit 1993 hat es in der Dorotheergassse 11 einen neuen Standort gefunden.

10 Kapitel im Katalog laden zur Entdeckung eines offenen Hauses und einer bedeutenden Kultur ein. "Sammeln & Erinnern" führt in das Schaudepot. Diese Abteilung enthält 3585 Objekte - Tora-Schmuck, Textilien, Ritualobjekte und Alltagsgegenstände. Ein Großteil gehört der israelitischen Kultusgemeinde, weitere Sammlungen stifteten Max Berger, Eli Stern und Martin Schlaff. Hier lernt man die einstigen Wiener Synagogen kennen, wobei die Relikte in größeren Zusammenhängen präsentiert werden. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bestanden vor 1938 zahlreiche Gemeinden, deren Geschichte sich anhand der hier gezeigten Objekte zumindest ansatzweise nachvollziehen lässt. Die Architektur der zerstörten Synagogen haben Bob Martens und Herbert Peter digital rekonstruiert, eine wichtige Station auf dem Museumsrundgang.

"Veranstalten & Feiern" stellt das Auditorium vor, das für Festlichkeiten zur Verfügung steht und sich als Ort des gemeinsamen Erlebens profiliert. In dem prächtigen Raum haben nach der Umgestaltung des Museums bereits interessante Begegnungen mit Künstlern und Schauspielern stattgefunden.

"Erfahren & Gestalten" führt in das Atelier. Hier erhalten Besucher Informationen über verschiedene Lebensstationen, den religiösen Alltag und das koschere Leben. Die Exponate sind sowohl historisch als auch ganz modern. Ihrer Zusammenstellung liegt das assoziative Prinzip zu Grunde.

"Ausstellen & Schauen" ist das Motto der Beletage im 1. Stock des historischen Palais Eskeles. Hier ist der Raum für Sonderausstellungen, deren Thematik breit gefächert ist.

Zum "Sitzen & Lesen" lädt das Extrazimmer ein. Das Rund-Sofa aus der Wohnung von Max und Trude Berger ist in mehrfacher Hinsicht sein Mittelpunkt. Das Möbel wurde mit Tablet-PCs ausgestattet. So kann man mit High tec die Highlights der 19.000 Objekte aus der Ausstellung und den Archivbeständen betrachten und Dokumentation ansehen. Das Extrazimmer wird für kleine Wechselausstellungen genutzt und dient zur Präsentation von Teilen der Gemäldesammlung.

"Fragen & Antworten" lautet die Devise im Atrium. Sieben Fragen und markante Objekte stehen auf dem Weg zur neuen Dauerausstellung. Im ersten Jahr verwandelt sich das Atrium in einen Space in progress und ein partizipatives Museum. Danach wird feststehen, wie ein jüdisches Museum im 21. Jahrhundert optimal gestaltet werden kann. Außerdem befinden sich hier eine künstlerische "Installation der Erinnerung" von Nancy Spero und ausgewählte Gegenstände zum Festjahr. Der Katalog stellt die Jahresfeste und den Schabbat in informativen Kurzstatements vor.

"Sammeln & Recherchieren" charakterisiert das Archiv, das seit 1998 öffentlich zugänglich ist und die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Österreich dokumentiert.

"Sammeln & Lernen" stellt die Bibliothek vor, die sich im Gebäude des Stadttempels befindet. Ihre ältesten Werke stammen aus dem 16. Jahrhundert.

"Gedenken & Begegnen" führt in das zweite Haus des JMW, auf den Judenplatz. Die 2010 neu konzipierte Dauerausstellung erzählt die Geschichte der ersten jüdischen Gemeinde Wiens. Bis zu ihrer Zerstörung 1420 galt sie als Zentrum rabbinischer Gelehrsamkeit in Europa. 1995 entdeckte man die Reste der mittelalterlichen Synagoge, die nun freigelegt, einen Teil des Museums Judenplatz bilden.

Seit 2010 leitet die frühere ORF-Redakteurin Danielle Spera die beiden Häuser. Sie versteht das JMW als "eine dynamische Institution, die jüdische Geschichte und Gegenwart nachvollziehbar macht." Gedankensplitter ihrer MitarbeiterInnen ("Das Jüdische Museum Wien ist …" ) schließen auf originelle Weise das Buch ab.

Roter Faden der sympathischen Publikation sind Besamin-Behälter aus dem 19. bis 21. Jahrhundert. Sie dienen zum Aufbewahren duftender Gewürze, wie z.B. Myrthenblätter. Am Ende des Schabbats riecht man daran, um etwas vom besonderen Geschmack des Festtages, in den Alltag mitzunehmen. Die meisten Behälter sind aus Edelmetall, doch können sie auch aus Holz und sogar aus Wolle handgestrickt sein. Am Ende des Buches sind die zehn Objekte nochmals abgebildet. Wer die Dosen im Museum findet und ihm ein e-mail schreibt, kann eine exklusive Führung gewinnen.