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Badisches Landesmuseum (Hg.): Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus #

Bild 'Isis'

Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus. Kulte und Religionen im Römischen Reich Herausgegeben vom Badischen Landesmuseum, Karlsruhe. Theiss Verlag, Darmstadt 2013. 480 S., 580 Abb., € 39,95

Vor zwei Jahrtausenden machten sich die Römer die Welt untertan, so auch das heutige Österreich. Alle Gebiete südlich der Donau waren seit dem ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. Teil des Imperium Romanum und gehörten zu den Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien. Die politische und kulturelle Herrschaft sollte sechs Jahrhunderte dauern, von Augustus (ca. 15 v. Chr.) bis zur Völkerwandung, Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr.

In der großen Karlsruher Ausstellung und dem faszinierenen Begleitband kommt Österreich nur am Rande vor. Doch die doppelseitigen Karten zeigen, dass auch hierzulande orientalischen Gottheiten geopfert wurde. Funde in allen drei Provinzen weisen auf die Verehrung der Magna Mater hin. Die Vorstellung von dieser "Mutter der Götter" entstand um die Wende vom 7. zum 6. vorchristlichen Jahrhundert in den Bergen Anatoliens (Türkei), wo man ihr zu Ehren "Kapellen" in den Felsen schlug. Die wichtigste "Reiseroute" führte von Phrygien nach Griechenland, Italien und Frankreich. Die Ägypter verehrten das mythische Götterpaar Isis und Osiris besonders in der Spätzeit (664 - 332 v. Chr.) Mit dem Götterknaben Horus verkörperte es das ideelle Vorbild der Pharaonen. Zunehmend gewannen diese Gottheiten auch außerhalb Ägyptens Anhänger im Mittelmeerraum, wie in der griechischen und römischen Welt. In denen Texten wird Isis "die eine Göttin aller Völker", sogar der Barbaren, genannt. Von den Römern adaptiert, ließ sich der Kult auch in Rätien, Noricum und Pannonien nachweisen. Darstellungen von Mutter und Kind erinnern an Madonnenbilder. Der Mithraskult verdankte seine breite Streuung sozialen Netzwerken mobiler Männergruppen wie Soldaten oder freigelassenen Sklaven. Das Mithräum war ihr Kultraum und Vereinshaus, wo auch gemeinsame Mähler stattfanden. Der Mithraskult zeichnet sich durch besonderen Bilderreichtum aus. Die wichtigste Szene ist jene, bei der der Gott einen Stier tötet. Er kniet mit dem linken Bein auf dem zusammengesunkenen Tier, während das rechte nach hinten gestreckt ist und sich mit aller Kraft auf den Huf stemmt. Mit der linken Hand reißt Mithras den Kopf des Stieres nach oben, mit der rechten stößt er ihm den Dolch in den Hals. In Carnuntum wurden sechs Mithräen ausgegraben, das größte, 1894 gefundene, Mithraskultbild bildet nun den Mittelpunkt der Ausstellung im Museum Carnuntinum.

Eine weitere, verbreitete Art von Heiligtümern war dem Jupiter Dolichenus geweiht. Dieser wird auf einem Stier stehend, mit Doppelaxt und Blitzbündel abgebildet. Die Darstellung des ursprünglich syrischen Sturm- und Wettergottes in römischer Soldatentracht ermöglichte eine Adaptierung. Der Kult expandierte zu Beginn des 2. nachchristlichen Jahrhunderts und trat seinen Weg in die entlegensten Provinzen an. "Damit teilte er sich den 'religiösen Markt' im Imperium Romanum u.a. mit weiteren 'orientalischen' Kulten, von denen sich das Christentum letztlich durchzusetzen vermochte. Dem Dolichenus-Kult wandten sich in erster Linie Soldaten zu, die entscheidend zu seiner Verbreitung beitrugen." So war es auch in Carnuntum. Zu Jupiter Dolichenus konnte das Kunsthistorische Museum Wien eine Reihe von Leihgaben beitragen, wie eine Statuettengruppe aus Bronze, eine dreieckige Votivtafel aus Metall und 28 Silberplättchen, die von Männern und Frauen als Weihegaben gestiftet wurden, Bronzegeschirr und Eisengeräte. Die Objekte stammen vom bisher umfangreichsten römischen Fund in Österreich. Er kam 1937 in Mauer an der Url, in der Nähe des Militärlagers Amstetten zu Tage. Das Depot enthielt mehr als 100 Metallgegenstände und Keramiken, die wohl aus Furcht vor Germaneneinfällen in der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts vergraben wurden. Alle Gegenstände waren systematisch und in Gruppen sortiert in einer mit Steinplatten abgedeckten Grube versteckt.

Letzten Endes siegte das Christentum, das in der Folge das westliche Europa prägte. Ein großes Kapitel behandelt den Monotheismus und das Ende der paganen Kulte. Die römische Republik duldete unter ihren Bürgern eine begrenzte Anzahl "Andersgläubiger". Die Toleranz hatte dort ihre Grenzen, wo das Staatswohl bedroht schien. Bei den Juden war dies nicht der Fall, daher war ihre Religion im Römischen Reich nie verboten. Juden und Römer hatten einen modus vivendi gefunden, der durch die Christianisierung auf die Probe gestellt wurde, aber bis ins 5. Jahrhundert Bestand hatte. Das Verhältnis der christlichen Gemeinschaften zu ihrer Umwelt weist in dieser Zeit sowohl Abrenzungs- wie Integrationsbestrebungen auf. "Der Begriff Christiani kommt um die Jahrhundertmitte auf - die frühesten Belege stammen aus der syrischen Metropole Antiochien - und wird zunächst vornehmlich seitens der Römer genützt, bei denen es gängige Praxis ist, religiöse wie auch politische Gruppierungen nach ihrem Gründer zu titulieren." Bereits das Toleranzedikt des Kaisers Galerius im Jahre 311 erhob das Christentum in den Rang einer erlaubten Religion. Mit dem Gesetz vom 28. Februar 380 machte Kaiser Theodosius das nicäanische Christentum für alle verbindlich. Ketzerei und Paganismus sollten endgültig ausgelöscht werden.

Ausstellung und Begleitbuch bringen jüngste Forschungsergebnisse und aktuelle archäologische Erkenntnisse. Die Alternativen zum Christentum - "Wenn der Paganismus überlebt hätte …" - werden überlegt, das antike Christentum als Lebensform vorgestellt, Bauwerke und Katakomben rekonstruiert und im Katalogteil Exponate abgebildet. Unter diesen sticht ein Silberreliquiar (Christus mit den Aposteln) aus dem 5. Jahrhundert, das sich im Kunsthistorischen Museum Wien befindet, besonders hervor. Das kostbare Gefäß wurde 1860 in Pula (Kroatien) gefunden. Der Band schließt mit "Entdeckungen und Wirkungen", über die Rezeption "orientalischer" Kulte und Religionen bis ins 20. Jahrhundert.