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Anna Burghardt, Arnold Pöschl: Wiener Porzellan. Seit 1718#

Bild 'Porzellan'

Anna Burghardt, Arnold Pöschl: Wiener Porzellan. Seit 1718. Metroverlag Wien 2014. 160 S., ill. € 48,-

"Wiener Porzellan" ist ein kulinarisches Werk - mit der Kulinarik-Redakteurin und Restaurant-Kritikerin Anna Burghardt als Textautorin. Der Band besticht durch großformatige Fotos. Der Bildautor Arnold Pöschl ist international unterwegs, seine Schwerpunkte sind Food, Werbung und Reisereportagen. Es ist ein edles Buch, gewidmet Kunstwerken und Gegenständen aus edlem Material - mit Goldschnitt, kostbar und hochkarätig ausgeführt, wie das 24-karätige Poliergold, das die Augarten-Manufaktur verarbeitet. Alles spricht für einen repräsentativen Geschenkband, auch für fremdsprachige Empfänger. Eines ist das kostbare Werk jedoch nicht: eine historisch-fachliche Abhandlung über das "weiße Gold".

20 Zeilen genügen für "Drei Jahrhunderte Wiener Porzellan". Das selbe Format haben zehn weitere Kapitel im feuilletonistischen Stil. Einer Textseite - in deutsch, englisch und japanisch - folgen jeweils mehrere großformatige Meisterfotos, die sich nicht unbedingt auf diesen beziehen. In ihrer, den Motiven adäquaten Ästhetik sprechen sie für sich, total oder en detail, farbig oder schwarz-weiß. Apropos japanisch: "Japan liebt Jagdgrün," weiß Anna Burghardt über Liebligsdekore. "Die Familie des Tenno sammelt das Dekor 'Maria Theresia'." Die Kaiserin verwendete das schwarz-dunkelgrün-goldene Tafelservice bei Jagdgesellschaften. Das Augartenpalais, wo sich die Porzellanproduktion seit 1923 stattfindet, wird kurz vorgestellt, ebenso wie "Idee und Form" mit den kulinarischen Hauptstadt-Ikonen - Kaisersemmel und Krapfen als Porzellandose - und zeitgenössischer Kreativität. Dann darf man den Spezialisten über die Schulter blicken und die Vielfalt der Figuren bewundern. Dazu zählen die Umsetzung der barocken Kaufruf-Typen und Tierdarstellungenen aus der Zwischenkriegszeit ebenso, wie Porzellanportraits lebender Persönlichkeiten. Die Produktionsschritte Guss und Brand, Glasur und Vergoldung werden nachvollziehbar, etwa am Beispiel des berühmten Mokkaservices "Melone" von Josef Hoffmann. Der Mitbegründer der Secession und der Wiener Werkstätte meinte: "Das Fundament aller bildenden Kunst ist das Handwerk, das Kunsthandwerk."

Schließlich besucht man noch die Augarten-Stores und das in der Manufaktur eingerichtete Museum. Hier erfährt man vom Einkauf der japanischen Kaiserin und vom gigantischen Brennofen in der Fabrik. 1923 errichtet, dient er heute als eine Art Schatzkammer für wertvolle Exponate. Ein Besuch dieses Museums ist in jedem Fall lohnend. Wer es nicht schafft, erhält durch den Prachtband Einblick in die faszinierende Welt des weißen Goldes. Der Verlag nennt ihn "Sozusagen die Einstiegsdroge zum Kauf eines vielleicht noch so kleinen Stücks vom Glück aus Wiener Porzellan."