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Sepp Forcher: Das Glück liegt so nah#

Bild 'Forcher'

Sepp Forcher: Das Glück liegt so nah. Warum wir auf Österreich stolz sein können. Christian Brandstätter Verlag Wien - München 2014. 160 S., € 19,90

"Der bärtige Wurzelsepp Forcher", wie er sich in diesem Buch einmal selbst nennt, ist zum Symbol des alpinen "Klingenden Österreich" geworden. Seit fast drei Jahrzehnten präsentiert der ehemalige (Hütten-)wirt die populäre Fernsehserie. "Klingendes Österreich" hat viel zum touristischen Image beigetragen und tut es immer noch, wenn deutsche Sender eifrig alte Folgen wiederholen. Das Konzept der viermal jährlich gedrehten Stundensendung ist schlicht, aber erfolgreich: naturbelassene Landschaften, wunderschöne Kulturschätze, Sängerinnen im Trachtenkleid, Blasmusikkapellen. Alles wirkt "einfach und echt".

Die Sendung ist dem Publikumsliebling auf den Leib geschrieben. Sie vermittelt, "warum wir auf Österreich stolz sein können". Denn davon ist Sepp Forcher überzeugt, und sein "nüchterner Patriotismus" tut gut. "Nicht nur die Ruhmesblätter gehören in das Buch der Geschichte Österreichs, auch die Leidensblätter müssen ihren Platz darin haben…," schreibt er.

Der Autor wurde 1930 in Rom als Sohn eines Südtiroler Bergführers geboren. Als (damals) Giuseppe zehn Jahre alt war, entschieden sich seine Eltern für die Auswanderung nach Salzburg. Wieder ein Jahrzehnt später verdingte sich Forcher als Hilfsarbeiter und Lastenträger, ehe er 1955 Hüttenwirt und später Stadtwirt in Salzburg wurde. In den 1970er Jahren fand seine ungewöhnliche Karriere Fortsetzung als Verfasser von wöchentlichen Kolumnen in Tageszeitungen, Radiosendungen, bisher vier Büchern und, 1986 bis dato, Fernsehpräsentator. Daneben bestieg er Gipfel wie das Matterhorn und den Mont Blanc. Nächstes Jahr wird Sepp Forcher 85 Jahre alt. Sein Verlag nennt ihn "Großvater der Nation, von dem alle lernen können."

In diesem Sinn lässt sich auch das vorliegende Buch lesen. Mehr als 60 kurze Kapitel über Berge und Begegnungen sind erfüllt von Erfahrung und Lebensweisheit. Für den Alpinisten spielt die Liebe zur Natur und den Tieren eine wesentliche Rolle, wenn Quellen, Bergseen und Höhlen besucht oder, Erinnerungen an den "Wunderbaum" oder den "Latschenbock" geweckt werden. Selten fehlt die Moral von der Geschicht' - wie beim einsamen, alten Gamsbock, der in Hüttennähe Schutz sucht: "Alt und schwach werden, ausgestoßen sein, muss noch lange nicht bedeuten, sich aufzugeben. Erfahrung, Unerschrockenheit und Mut sind Kräfte, mit deren Hilfe man immer noch bestehen kann."

Seine Berufe kamen Forchers Kommunikationstalent entgegen. Er erzählt von Begegnungen mit Menschen aus allen Schichten: Bergsteiger, Kommunist, Gendarm, Dichter, ein Unbekannter oder Opernballgräfin Lotte Tobisch. Auch historische Persönlichkeiten werden ausführlich gewürdigt: Der edle Ritter Prinz Eugen, der zornige Pater Joachim Haspinger, der Schreibmaschinenerfinder Peter Mitterhofer, der Elfenbeinschnitzer Simon Troger, der Nordpolexpeditionsleiter Julius Payer, der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall und viele andere. Eine weitere Gruppe an Beiträgen widmet sich den Sehenswürdigkeiten, die der Moderator oft am Rande der Dreharbeiten entdecken konnte, wie Stift Ardagger oder "der große Mugl" in Niederösterreich, unter dem sich das Grab eines Keltenfürsten verbirgt.

Von besonderer Bedeutung sind die Schicksalsorte an den Grenzen Österreichs mit Italien, hier spielt auch die Familiengeschichte hinein, Slowenien, Tschechien, der Slowakei. Die Erinnerungen gipfeln in einem Festakt bei der "Friedensglocke", wo sich ein türkischer Zuwanderer im breitesten Tirolerisch vom Land begeistert zeigte. Ähnliche Identifikation mit seiner neuen Heimat äußerte ein junger Serbe, dem Forcher in Vorarlberg begegnete.

Vieles stimmt nachdenklich in diesem Buch, doch lässt seine kluge Dramaturgie den Genuss nicht zu kurz kommen. Man riecht förmlich das frische, ofenwarme Brot, verkostet in Gedanken die mit brauner, zerlassener Butter übergossenen Kärntner Kasnudeln, die böhmischen Knödel oder die besten Erdäpfelpuffer des Waldviertels. Schnaps und Wein sind nicht zu verachten. Beim zweiten Glas G'mischter Satz kommt der Autor ins Philosophieren, "… welch glückliche Mischung wir Österreicher sind. Süß und sauer, lieblich und kratzig, früh gereift und spät gelesen, noch nicht ganz ausgegoren, aber trotzdem genießbar."