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Gabriele Lukacs: Wien. Geheimnisse einer Stadt#

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Gabriele Lukacs: Wien. Geheimnisse einer Stadt. Rätselhafte Zeichen, Verschlüsselte Botschaften. Mit Fotos von Sven Posch Pichler Verlag 2014. 208 S., ill. € 18,-

Geheimnisvolles ist immer spannend. Mag. Gabriele Lukacs beschäftigt sich seit langem mit dem Geheimnisvollen in Wien und Umgebung. Als Fremdenführerin veranstaltet sie Mystery Tours durch die Stadt. In zahlreichen Büchern beschreibt sie das Rätselhafte, an dem der flüchtige Passant vorbeigeht.

"Wir müssen nun vom logischen zum magischen Denken wechseln," empfiehlt die Autorin im Zusammenhang mit dem Belvedere. Dieser Rat bewährt sich auch bei den anderen "verschlüsselten Botschaften" im vorliegenden Buch. 37 Schauplätze sind in sechs Kapitel gegliedert: "Magische Siegel", "Die Habsburger Geheimschriften", "Rätselhafte Zeichen", "Verschlüsselte Botschaften", "Zahlen- und Buchstabencodes" und "Bauhüttengeheimnisse am Stephansdom". Darunter "Das Geheimnis der Zahl 37. Der Schlüssel zum Dombau". Informationen über Schauplätze, Standorte, Öffnungszeiten etc. finden sich jeweils am Ende der Texte. Die außergewöhnlichen Fotos von Sven Posch bilden die kongeniale Ergänzung.

"Man sieht nur, was man weiß", formulierte Goethe vor fast 200 Jahren. Die Autorin weiß viel und sieht viel. Dabei spielt wohl auch selektive Wahrnehmung eine Rolle. Welcher unbefangene Beobachter würde schon am Tor des Bundeskanzleramtes die Odal Rune, "ein verbreitetes Symbol in der Neonaziszene" erkennen ? Relikte aus der NS-Zeit werden kritisch referiert, wie die "Nazibotschaft im Zeichen des Sonnenrades". Lange kursierte das Gerücht, dass sie Wilhelm Frass, der Bildhauer des "Unbekannten Soldaten", unter der Marmorplastik in der Krypta des Heldendenkmals versteckt hätte. 2012 bestätigte es sich. Die eigentliche Sensation war aber ein zweites Dokument, die bisher unbekannte Friedensbotschaft des Bildhauers Alfons Riedel in der selben Metallkapsel. "Wieso beide so gegensätzlichen Schreiben gemeinsam einbetoniert wurden, konnte bis dato noch nicht herausgefunden werden."

Ein geheimnisumwittertes, unheimliches Gebäude ist der Narrenturm im alten AKH. Kaiser Joseph II. ließ 1784 die weltweit erste Heilanstalt für Geisteskranke - mit kreisförmigem Grundriss - errichten. Die ungewöhnliche Architektur hat schon zu vielen Spekulationen Anlass gegeben, welche die Autorin eingehend referiert. Sie unterliegt einem verbreiteten Irrtum, wenn sie schreibt, dass "ein kühner Zeitgenosse den Spruch an die Mauer des Narrenturms kritzelte: 'Hier ist Joseph II. (der Zweite) der Erste', womit wohl Narr gemeint war." Die Inschrift "IOSEPHUS II. AUGUSTUS HIC PRIMUS" findet sich vielmehr bei der Marmorbüste des Kaisers in einem Lesesaal der von ihm gegründeten Medizinisch-chirurgischen Militärakademie (Josephinum).

Rätselhaftes gibt es auch in der Gegenwart, wie das Kapitel "Eine Parallelwelt auf dem Kahlenberg" zeigt. Diese wird auf einer Bronzetafel "mit einem völlig konfusen Text" beschrieben. Es handelt sich um das Werk eines amerikanischen Künstlers, der darauf seine Internetseite angegeben und ähnliches in zehn anderen Ländern platziert hat. Ganz in der Nähe hat auch die Autorin (als Konsulentin) ihre Spuren hinterlassen. Als 2005 das Hotel-Restaurant und die Aussichtsterrasse neu errichtet wurden, ließ der Bauherr nach einer geomantische Studie eine Platte mit geometrischen Mustern verlegen. "Es ist das Symbol für kosmische Ordnung und Harmonie … Diese Zeichen im Boden der Terrasse bündeln die Drachenkraft vom Kahlenberg und harmonisieren die Erdenergien," schreibt Gabriele Lukacs.

Ein Highlight ihrer Arbeit war es, als die "Gralsschale" in der Wiener Schatzkammer ihr Geheimnis preisgab. Die rätselhaften Buchstaben in der Maserung der Achatschale waren plötzlich vor laufender Fernsehkamera sichtbar. Nach der bisherigen Überlieferung wären sie nur alle hundert Jahre von einem "Sonntagskind reinen Herzens" zu erkennen gewesen…