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Wien mit der U-Bahn entdecken#

Bild 'Metro1'

Wien mit der U-Bahn entdecken. Der schnelle Stadtführer zu Kultur, Natur und Genuss. Metro Verlag Wien 2014. 128 S., ill., € 16,90

Täglich benutzen 2,4 Mio. Passagiere die Wiener U-Bahn. Auf rund 80 km durchziehen fünf Linien mit 104 Stationen das Stadtgebiet. Der "schnelle Stadtführer" weiß zu jeder der 104 Haltestellen etwas Interessantes. Eigentlich verwunderlich, dass es so ein Buch bisher noch nicht gegeben hat, denn hier kann man vieles "erfahren". Die Kapitel sind extrem knapp gehalten und bieten trotzdem (oder deshalb) konzentrierte Information, dazu jeweils mindestens zwei aktuelle Farbfotos. Außer der topographischen Gliederung gibt es noch ein Stationenregister - von Aderklaaer Straße (U1) bis Zippererstraße (U3).

Die Rundfahrten beginnen mit der "roten" U1. Die erste der seit den 1970er Jahren eröffneten Linien verbindet Favoriten und Floridsdorf (Leopoldau) in 26 Minuten. Die 14,7 km lange Strecke hat 19 Stationen. Darunter befinden sich "die Sightseeing-Hotspots schlechthin": Karlsplatz, Stephansplatz, Prater, Donauinsel. Doch auch in der Aderklaaer Straße - "irgendwo im Nirgendwo" und bei den riesigen Gemeindesiedlungen Rennbahnweg und Großfeldsiedlung wird Halt gemacht - und sogar dort haben die (leider anonym gebliebenen) Autoren Berichtenswertes gefunden.

Die lilafarbene U2 verbindet den ersten, mit der Donaustadt, dem größten Bezirk. 1966 eröffnet, befuhr sie "milde belächelt" die 1,8 km lange Strecke der "Unterpflasterstraßenbahn" (Ustraba) zwischen Secession und Rathaus. 2008 wurde sie bis zum Stadion verlängert und danach zum größten Stadtentwicklungsgebiet Wiens, der Seestadt Aspern geführt. Das letzte Stück verkehrt sie an der Oberfläche und quert die Donau. Sie umfasst 20 Stationen auf 16,7 km. Die Fahrzeit beträgt 31 Minuten. Von den älteren Stationen sind Stadion, Messe-Prater, Schottentor, Rathaus und Museumsquartier bekannt.

Die orangefarbene U3 ist die bisher jüngste Linie. Sie entstand 1983 bis 2000 und führt via Westbahnhof von Ottakring nach Simmering. Für die 13,5 km braucht sie 25 Minuten. 21 Stationen sind vorhanden, darunter die am schwächsten frequentierte Wiens (Kendlerstraße), Neubaugasse, Herrengasse und Gasometer.

Die grüne U4 geht auf das Stadtbahnnetz des Jugendstilarchitekten Otto Wagner zurück. 1894 war Baubeginn, 1898 Eröffnung der Stadtbahn (deren Netz aus sechs Linien bestand). 1918 eingestellt, wurde die ursprünglich mit Dampfloks betriebene Bahn 1925 elektrifiziert. Der schrittweise Umbau zur U-Bahn ging 1976 bis 1981 vor sich. Die U4 mit den charakteristischen, grünen Sonnenblumengittern und meist erhaltenen weißen Stationsbauten Otto Wagners führt von Hütteldorf über Schönbrunn, den Naschmarkt, Landstraße und Friedensbrücke nach Heiligenstadt.

Die neuerliche Diskussion um eine U5 entbrannte kurz vor der Fertigstellung des Buches. Daher schließt in diesem die braunen U6 an. Auch die längste U-Bahn-Linie Wiens verläuft zum Großteil auf der alten Stadtbahntrasse. Einige Stationen stehen unter Denkmalschutz. Die Strecke wurde 1925 elektrifiziert und gewann mit der Zeit an Länge, bis sie 1989 als U6 offiziell den Betrieb aufnahm. Mit 17,4 km Länge verbindet sie entlang von 24 Stationen Siebenhirten mit Floridsdorf und braucht dazu 34 Minuten Fahrzeit. Raimundtheater, Stadthalle und Volksoper sind mit der U6 zu erreichen, aber auch das AKH und die Neue Donau.

Mit diesem Citybook in der Hand sollte man wirklich den Autoren folgen: "Steigen Sie in die nächste U-Bahn und lassen Sie sich überraschen. Sie werden kreuz und quer durch Wien 104 und mehr Entdeckungen machen … und Sie schaffen es außerdem, zwischen zwei Stationen die kurzen Texte zu lesen. … Steigen Sie ein - und steigen Sie wieder aus, wie es Ihnen gefällt. Wir wünschen Ihnen Gute Fahrt."