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Walter Kirchschläger (Hg.): Rudolf Kirchschläger: Ins Heute gesprochen. #

Bild 'Kirchschläger'

Walter Kirchschläger (Hg.): Rudolf Kirchschläger: Ins Heute gesprochen. Mit einem Geleitwort von Heinz Fischer. Styria Verlag Wien 2015. 224 S., € 24.99

Das Buch erscheint zur 100. Wiederkehr des Geburtstages und zur 15. Wiederkehr des Todestages des Österreichischen Bundespräsidenten von 1974 bis 1986. Wie Dr. Rudolf Kirchschläger sein Amt in Kontakt mit der Bevölkerung ausübte, schrieb er auch seine rund 1700 Reden selbst. Darin vermittelte er authentisch seine Überzeugung von der Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders der Staaten und der Menschen in Österreich in gegenseitiger Achtung, Toleranz und Wertschätzung. Sein Sohn, der Theologe, em. Univ. Prof. Walter Kirchschläger, hat nun eine Auswahl nach thematischen Schwerpunkten zusammengestellt. Das Geleitwort verfasste der amtierende Budespräsident Dr. Heinz Fischer.

Der Oberösterreicher Rudolf Kirchschläger maturierte 1935 an der Aufbauschule Horn und begann danach das Jusstudium in Wien. Wie man aus anderen Quellen weiss, lebte er asketisch in einem Heim des Asylvereins der Wiener Universität und finanzierte sein Studium mit Gelegenheitsarbeiten wie Zeitungen austragen und Schnee schaufeln. Nach drei Jahren musste er die Ausbildung unterbrechen, um Militärdienst zu leisten. Dennoch konnte er 1940 promovieren und heiraten. 1945 Richteramtsanwärter in Horn, wirkte Rudolf Kirchschläger dann als Gerichtsvorsteher in Langenlois. 1953 übersiedelte die inzwischen vierköpfige Familie nach Wien, wo der Jurist der Völkerrechtsabteilung des Auswärtigen Amtes zugeteilt wurde. Ab 1962 war er Kabinettschef der Außenminister Bruno Kreisky und Lujo Tončić-Sorinj.

Über Kirchschlägers Zeit (1967-1970) als österreichischer Gesandter in Prag schreibt Heinz Fischer, dass "er den Prager Frühling des Jahres 1968, hautnah miterlebte. Rudolf Kirchschläger ist damals durch sein couragiertes, einfühlsames, menschenfreundliches und unbürokratisches Verhalten gegenüber Opfern der Repression, die sich zur Flucht aus der CSSR bzw. zur Einreise nach Österreich entschlossen hatten, oder in anderer Form Hilfe benötigten, in sehr positiver Weise aufgefallen." Bruno Kreisky äußerte sich anerkennend über den Diplomaten, der die Gepflogenheiten genau kannte, "aber letztlich Menschenrecht und Menschenwürde im Rahmen des Möglichen über Weisungen und Vorschriften gestellt hat." Als Kreisky 1970 seine Minderheitsregierung bildete, machte er Kirchschläger zum Außenminister.

Nach dem Tod von Franz Jonas schlug er ihn als Präsidentschaftskandidat vor, Kirchschläger gewann die Wahl. Bei der Wiederwahl 1980 erreichte er das Rekordergebnis von 79,9 % der abgegebenen gültigen Stimmen. 1986 trat er in den Ruhestand. "Sorgfältig vorbereitete Reden und sein gutes persönliches Bispiel waren seine wichtigsten Ausdrucksmittel," schreibt der amtierende Bundespräsident und verhehlt nicht, "den einen oder andere Gedanken" seines Vorgängers zu beherzigen. Damit trifft er genau die Erwartungshaltung des Autors.

Die vom Sohn herausgegebene Auswahl versteht sich nicht als historische Dokumentation. In signifikanten Ausschnitten und mit dem Redeanlass kommentiert, lässt sie "erkennen, welche Grundthemen dem Redner am Herzen lagen, damit das öffentliche und private Zusammenleben in Österreich in Eintracht und in ehrlicher gegenseitiger Achtung gelingen kann. " Walter Kirchschläger hat die Texte in 45 Themen geordnet und in elf Sachgebiete gegliedert: Verständnis des öffentlichen Amtes, Politisches Leben in Österreich, Gesellschaftliches Leben, Wirtschaft, Kunst und Kultur, Wissenschaft, Internationale Politik, Ethik, Zugang zum Menschsein, Weltverständnis und Religionsgemeinschaften. Die Zuhörerschaft war sehr unterschiedlich - Politiker, Diplomaten, Staatsbesuche, Festspielgäste, Schüler, Messebesucher, Heimbewohner, Weinbauern und viele andere. Für jede Zielgruppe fand der Präsident die richtigen Worte. So liegt nun ein Buch der Weisheit vor, dessen Inhalt "Ins Heute gesprochen" wird.