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Johannes Sachslehner - Robert Bouchal: Angriff auf Wien#

Bild 'Sachslehner-Bouchal'

Johannes Sachslehner - Robert Bouchal: Angriff auf Wien. Das Kriegsende 1945. Verlag Styria Wien 2015. 208 S. ill., € 26,99

Johannes Sachslehner und Robert Bouchal ist es gelungen, in ihrem Buch einen "Sturm"-Angriff auf die Erinnerungslücken des Jahres 1945 zu unternehmen. Dem Titel entsprechend, können sie sich besonders auf russische Archive berufen. Ihr Buch gehört zur Spitze der gegenwärtigen Wien-Literatur. Anstelle mehr oder weniger fragwürdiger Berichte, die autobiografisch mit Selbstlob brillieren, ist dieses Buch objektiv verfasst und hinterfragt fragwürdige Berichte. In sechs übersichtlichen Kapiteln , eindrucksvoll illustriert, folgt es dieser schrecklichen Zeit entsprechend dem Verlauf der Schlacht. Das Buch entschlüsselt auf mehr als 200 Seiten manches tragische Ereignis, das mit dem Tod endete. Am 8. April 1945, einen Monat vor Ende des Zweiten Weltkriegs, kam die Filmschauspielerin Lizzi Waldmüller 41-jährig in ihrer Wohnung am Franziskanerplatz bei einem Bombenangriff auf Wien ums Leben. Der Maler Carl Moll beging Suizid.

Als langjähriger Kustos des Bezirksmuseums Alsergrund mit Geschichte befasst, erlaube ich mir einige Ergänzungen:

- Prof. Leopold Schönbauer ließ sich im Alten Allgemeinen Krankenhaus, in dem sich Tausende Flüchtlinge befanden, einen Operationsbunker errichten und vertrieb die SS.
- Hauptmann Schick leitete von der ehemaligen Polizeiwachstube bei der Friedensbrücke das Feuer der russischen Artillerie auf das gegenüber liegende Donaukanalufer.
- Gegenstoß des österreichischen Generals Marian Wessely mit Panzerunterstützung, in der Alser Straße.

Aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, fand ich meinen versteckten Fotoapparat. Nun als Angehöriger der Staatlichen Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt wollte ich die Kriegszerstörungen fotografisch dokumentieren. Einige Bilder davon zeigt auch das Buch.

Den Stephansdom konnte man als Ruine ohne Bewilligung betreten und so entstanden Fotos mit Motiven, die später auch noch Künstler inspirierten. Bei einer Straßenbahnfahrt befand sich außer mir im Beiwagen nur ein Betrunkener, der lautstark über alles räsonnierte. Ich fasste Mut und fragte ihn nach dem kriegszerstörten Dom. Siehe da, er hob seinen Kopf und lallte: " Ja, der Steffl, den brauch' ma aber schon !"

70 Jahre später ist der Stephansdom das Motiv eines Buches, das die Hitliste der Sachbücher zu diesem Thema anführen sollte.

Rezension: Alfred Wolf