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Josef Bauer u. a.: Das alte Mistelbach#

Bild 'Mistelbach'

Josef Bauer, Günter Hollaus, Karl Kleibl, Hubert Loibl, Oskar Steiner: Das alte Mistelbach und seine Katastralgemeinden in früherer Zeit. Edition Winkler-Hermaden Schleinbach 2016. 96 S. ill., € 14,95

Ansichtspostkarten sind eine aussterbende Gattung. Um 1900 erlebten sie in vielerlei Variationen ihre Hochblüte. Auch das kleinste Dorf präsentierte sich stolz mit dem neuen Medium. Heute sind die nostalgischen Bilder wertvolle Quellen zur Ortsgeschichte. Dieses Buch versammelt fast 100 aus Mistelbach und Umgebung. Weil es naturgemäß in einer Bezirkshauptstadt mehr Motive gibt als im ländlichen Umland, nimmt diese mehr als die Hälfte des Umfangs ein, doch auch alle anderen Teile der (seit 1972 bestehenden) Großgemeinde sind mit mehreren Beispielen vertreten.

Bereits im 12. Jahrhundert befand sich an der Mündung der Mistel in die Zaya in Niederösterreich eine Burg, um die sich die Siedlung entwickelte. 1372 erhielt Mistelbach das Marktrecht, fast genau ein halbes Jahrtausend danach erfolgte die Stadterhebung. Die ältesten Darstellungen stehen am Beginn des Buches. Das jüngste Foto der Stadt stammt aus dem Jahr 1959. Damals fand auf dem Hauptplatz eine Feldmesse mit Segnung der Flugzeuge und Piloten statt, die in Ebendorf zum Großflugtag starteten.

Ebendorf ist ein langgestrecktes Straßendorf im Zayatal. Seit 1620 bildet das Schloss mit seinem Gutshof den kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Ortes. In Eibesthal wurden von 1898 bis zum Ersten Weltkrieg Passionsspiele aufgeführt. Die Grußkarte "von den geistlichen Volksspielen" zeigt die Szene "Der 12-jährige Jesus im Tempel". Vor einigen Jahren hat man, im Zusammenhang mit den internationalen Puppentheatertagen in Mistelbach, die Tradition wieder belebt und spielt nun mit meterhohen Holzfiguren. In Frättingsdorf befand sich in den 1870er Jahren das viertgrößte Ziegelwerk der Monarchie mit bis zu 450 Beschäftigten. Hörersdorf, 1080 erstmals urkundlich erwähnt, war im Mittelalter ein bedeutender Wallfahrtsort. Hüttendorf im Zayatal ist durch zwei Mehrbildkarten aus der Zwischenkriegszeit vertreten. Sie zeigen Kirche, Hauptstraße. Kellergasse und das damals neue Kriegerdenkmal. Ein "Gruß aus Kettlasbrunn" lässt den Mittelpunkt des Wallfahrtsortes erkennen: Gemeindeamt, Post, Kaufhaus und mehrere Gasthöfe. Das dem Pestpatron Sebastian geweihte Gotteshaus war ein beliebtes Ziel der Pilger aus dem Weinviertel. Lanzendorf ist ein typisches Straßendorf am rechten Zaya-Ufer. Die Mariahilfkapelle in der Ortsmitte hat 1981 im Museumsdorf Niedersulz einen neuen Aufstellungsort gefunden. Paasdorf besitzt ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Eine Karte aus der Zeit um 1910 zeigt die Gartenansicht des nicht öffentlich zugänglichen Gebäudes. Siebenhirten erstreckt sich als Bachuferdorf beiderseits der Mistel an der Straße nach Laa. Eine Farbpostkarte betont den ländlichen Charakter, mit üppig weiß und rosa blühenden Obstbäumen.

Josef Bauer, Günter Hollaus, Karl Kleibl, Hubert Loibl und Oskar Steiner sammeln Briefmarken und historische Ansichtskarten. Der überwiegende Teil der in diesem Buch reproduzierten Bilder stammt aus ihrem Privatbesitz. Als Mitarbeiter des Stadtmuseumsarchivs Mistelbach haben sie schon an zahlreichen heimatkundlichen Ausstellungen und Publikationen mitgewirkt.