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Peter Meissner: Niederösterreichisch für Anfänger#

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Peter Meissner: Niederösterreichisch für Anfänger Ein heiteres Dialektlexikon mit urigen Anwendungsbeispielen. Kral-Verlag Berndorf 2016. 96 S., € 6,90

"Klein, aber fein !" Für das vorliegende Dialektlexikon gilt das gleich mehrfach. Klein ist es im Format, etwa postkartengroß, also ein Taschenwörterbuch im besten Sinne. Vielleicht will man ja wirklich mit dem Büchlein bei der Hand durch Niederösterreich reisen und sich damit "im Land der vier Vierteln bewegen wie ein Kosmopolit", wie der Verlag verspricht. Wahrscheinlich sind die "Vierteln" nicht nur geographisch gemeint … übrigens findet man eine ganze Reihe von Wörtern, die mit dem Wein zu tun haben, wie Bsuf (Trunkenbold), Butön (0,75 l-Flasche), Doppler (2 l-Flasche), Fetzen (Rausch), Fluchtachterl (das letzte Achterl Wein, das man noch schnell vor dem Aufbruch trinkt), Haua (Winzer), Heckenklescher (minderwertiger Wein), Schwüh (leichter Rausch), Tröpferl (guter Wein), Weichat (Weingarten) oder Weinba (Traube). Alkohlfreie Getränke sind durch Kracherl (kohlensäurehältiges Erfrischungsgetränk) und Tschapperlwossa (Limonade) vertreten.

Fein ist das heitere Dialektlexikon in der Auswahl der 250 Vokabeln. Während viele Herausgeber ähnlicher Bücher am Derben Gefallen finden, zeigt sich das feine Wesen des Autors in Leichtigkeit und Humor. Peter Meissner, TU-Absolvent, ORF-Redakteur, Komponist und Liedermacher, ist Träger des Kulturpreises seiner Heimatstadt Baden. Für den Österreichischen Radiopreis 2016 wurden zwei seiner Sendungen nominiert: "Niederösterreichisch für Anfänger" in der Kategorie "Beste Comedy" sowie "Da Capo - 60 Jahre Fernsehen" in der Kategorie "Beste Musiksendung". Für diese sprach ihm die Jury den Radiopreis zu. Ihre Argumente lassen sich auf dieses Buch übertragen, denn auch es ruft "… auf großartige Weise Erinnerungen und Emotionen … wach. Der Moderator … nimmt Hörerinnen und Hörer auf völlig unaufgeregte Art mit auf eine Reise in die Vergangenheit."

Regionale Dialekte sind oft eine Sache der Vergangenheit. Was den Alten in ihrer Lebenswelt selbstverständlich war, hat für junge Menschen keine Bedeutung mehr. Mit der Bassena (öffentliches Wasserbecken) ist der berüchtigte Bassena-Tratsch verschwunden. Dafür sind Speisen wie Beuschl (Lunge), Blunzen (Blutwurst), Schdosuppen (saure Rahmsuppe) oder Schmoan (Schmarren) vom Arme-Leute-Essen zur Spezialität im Nobel-Beisl avanciert, 'Bramburi zu Kartoffeln und Paradeiser zu Tomaten geworden. Über die Topfengolatschen sinniert Peter Meissner: "Dieses gefüllte Süßgebäck als Quarktasche zu bestellen, ist zwar sachlich richtig, es geht damit aber eindeutig der köstliche Teigduft verloren, den die aus Böhmen stammende Golatsche schon beim bloßen Gedanken daran verströmt." Apropos Teutonismen: Wie anders als rauf, runter, rein klingen doch auffe, obe, eine umme (hinüber), drent (drüben), oder herent (herüben). Anleihen beim Französischen, aus der Zeit als dieses als besonders nobel galt, machte man bei Fopaa (Fauxpas, Verstoß gegen die Umgangsformen), Fotö (Fauteuil, gepolsterter Lehnstuhl), Lawua (Lavoir, Waschschüssel) oder marod (maraud - Lump). Tschechisch, italienisch, jiddisch, ungarisch haben ebenfalls ihre Spuren im Niederösterreichischen hinterlassen.

"Niederösterreichisch als eigenen Dialekt des Bundeslandes gibt es natürlich nicht" , schreibt Peter Meissner im Vorwort. "Das lässt sich nicht trennen vom Wienerischen, und es gibt andererseits große Unterschiede zwischen den Mundarten in den vier Landesvierteln und manchmal schon von Ort zu Ort." Seine lustige Sprachschule enthält am Ende Übungen zur Artikulation der typischen Färbung von A zum O und Beispielsätze, "in denen alle Begriffe des Lexikons in einem mehr oder weniger sinnvollen, jedenfalls aber heiteren Zusammenhang stehen." Als rustikale Beispiele finden sich da etwa "Da Giaßaumpa steht im Heistodl nem an Heindl." (Die Gießkanne steht im Heustadel neben der Harke.), "Zlängst da Maua wochst da Ziguri und da Beia" (Entlang der Mauer wächst der Löwenzahn und die Quecke.) "Auf da Plaunkn sitzt a Kraufeidl und schaut auf a Adaxl." (Auf dem Bretterzaun sitzt eine Krähe und blickt auf eine Eidechse.)