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Johannes Twaroch: Anekdotenschatz Kaiser Franz Joseph#

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Johannes Twaroch: Anekdotenschatz Kaiser Franz Joseph. Kurioses, Humorvolles und Bemerkenswertes über den alten Kaiser. Kral-Verlag Berndorf 2016. 176 S., ill., € 24,90

"Hundert Jahre sind es her, seit Franz Joseph tot ist. Und je länger er tot ist, desto lebendiger wird er. Ausstellungen, Bücher, Fernsehdokumentationen, Ballveranstalter, Fremdenverkehrsvereine schwelgen in Nostalgie." Was noch gefehlt hat, war ein Anekdotenbuch. Gegen Ende des Gedenkjahres hat PEN-Club-Mitglied Johannes Twaroch die Lücke souverän geschlossen. Es ist nicht sein erster "Anekdotenschatz". Humorvolle Geschichten über "Schriftsteller von A bis Z" und "Österreicher von Altenberg bis Zilk" sind in den letzten Jahren im Kral-Verlag erschienen.

Zu Lebzeiten durfte über den Kaiser nicht gelacht werden "Und doch sind über den populären Monarchen mehr Anekdoten in Umlauf als über irgendeine andere Persönlichkeit in Österreich-Ungarn" , schreibt der Autor, der 250 davon ausgewählt hat. Franz Joseph regierte fast 68 Jahre über 53 Millionen Menschen aus elf Nationen, die zwischen Böhmerwald und Adria, Galizien und dem Bodensee lebten. "Leiser Humor, Ironie gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen waren ihm nicht fremd. Manche seiner Aussprüche sind in den geflügelten Wortschatz eingegangen." So soll er geseufzt haben: "Wie glücklich könnte Österreich sein, wenn es nur keine Hofräte hätte". Johannes Twaroch fügt hinzu: "Und gerade diese hat die Republik behalten." Seine Kommentare zur Anekdotensammlung weisen ihn nicht nur als "Vielwisser" aus (so der Schriftsteller Alfred Warnes), sie zeugen auch von der subtilen Ironie des langjährigen ORF-Spartenleiters.

Die Beamtenschaft war, neben der Armee, eine tragende Säule der Monarchie. "Der k. u. k. Beamte war kompetent, korrekt und absolut unbestechlich." Der Kaiser kritisierte den geringen Zusammenhalt im Kabinett, doch Justizminister Josef Unger meinte: "Majestät, wie sollen wir füreinander einstehen, wenn wir einander nicht ausstehen können?" Zahlreiche Anekdoten der kurzweiligen Sammlung sind der Armee gewidmet. Dabei bleiben Nationalitätenstreitigkeiten ebenso wenig ausgespart wie der Erste Weltkrieg. "Und die Wiener jammerten: So ein schönes Militär hamma ghabt. Die bunten Uniformen, die Musik, die Helmbuschn, die Kavallerie. Eine Augenweide. Und war habens gmacht mit ihm? In Krieg habens es gschickt!"

Aus dem Privatleben wird so mancher Ausspruch überliefert, und wenn es nicht wahr ist, so ist es gut erfunden. Einen Journalisten soll der Monarch beneidet haben: "Ja, Sie habens gut. Sie können ins Kaffeehaus gehen." Zumindest in Ischl, wo auch seine Seelenfreundin Katharina Schratt residierte, konnte er etwas freier leben. Als er eines Nachts ihre Villa möglichst unauffällig verlassen wollte, stieß er eine Vase um. Der Lärm weckte die Köchin, die einen Dieb vermutete. Als ihr Franz Joseph seine Identität verriet, fiel sie vor ihm nieder und stimmte die Kaiserhymne an.

Wenn hier auch Anekdoten von Franz Joseph versprochen werden, ranken sich doch viele um seine Zeitgenossen und Familienmitglieder. Allen voran um die Gemahlin, deren Kosename "Sisi" auf ein falsch gelesenes, banales "Lisi" zurückzuführen ist. In Ungarn erhielt sie nach einer rauschenden Ballnacht die Todesnachricht eines entfernten Onkels. "Einen Augenblick war sie bestürzt, dann sagte sie: Ich bin einfach zu müde. Ich werde morgen weinen." Ihr sechsjähriger Sohn Rudolf nahm regen Anteil am Bau der Ringstraße. Der Kleine drängte sich vor und begann, mit einer Schaufel eine Scheibtruhe zu beladen. Als ihn der Polier nach seinem Namen fragte, antwortete der Thronfolger: "Der Papa sagt Rudi zu mir, die Mama sagt Bubi. Und die Leut sagen kaiserliche Hoheit." Erzherzog Franz Salvator besichtigte die Fabrik in Wiener Neustadt, in der Ferdinand Porsche einen Sechszylinder-Flugzeugmotor konstruierte: " 'Ist das ein Viertaktmotor?' 'Gewiss, kaiserliche Hoheit' 'Ja, aber warum hat er dann sechs Zylinder?' Ohne eine Miene zu verziehen, antwortete Porsche 'Zwei Zylinder sind zur Reserve da.' " Der Kaiser selbst war der modernen Kunst der Sezession ebenso abgeneigt wie technischen Neuerungen. Bei einem Landschaftsbild fragte er den Künstler: " 'Soll das vor dem Jagdhaus ein See sein?' 'Nein, Majestät, das ist eine Waldwiese.' 'Aber die ist ja blau.' "Ich sehe sie so, Majestät', sagte der Künstler. Darauf Franz Joseph im Abgehen: 'Dann hättens halt nicht Maler werden sollen.' " Nach einer Spazierfahrt mit dem Auto des englischen Königs Edward berichtete der Kaiser seinem Kammerdiener Ketterl: "Gstunken hats und gsehen hat ma nix. Meine Lippzaner sind mir lieber."