Allgemeines#

EIN GEOGRAFISCHER STECKBRIEF DER ÖSTERREICHISCHEN SEEN#

Es gibt deren wohl an die eintausend. Allein Kärnten und Oberösterreich können sich rühmen, je mehr als zweihundert ihr Eigen nennen zu können, das Bundesland Salzburg erfreut sich an mehr als einhundert Seen, und in Tirol und Steiermark sind es nicht viel weniger.

Die meisten davon sind allerdings nur kleine und kleinste Bergseen – die übrigens nur das Auge des Wanderers, nicht aber auch die Haut des Badelustigen erfreuen.

Wirklich größere Seen mit einer Fläche von mehr als hunderttausend Quadratmetern (das ist die Größe von rund vierzehn Fußballfeldern) gibt es jedoch nur – oder immerhin – sechsundsechzig an der Zahl. Sie bedecken zusammen aber eine Fläche von rund vierhundert Quadratkilometern.

Zwanzig davon gehören zum Einzugsgebiet der Traun, sechzehn zum Inn, vierzehn zur Drau, vier zur Enns, Lech und Isar sind mit je drei vertreten, Ybbs und Rhein mit je zwei und der Neusiedlersee gehört zum Einzugsgebiet der Rabnitz.

DEN GLETSCHERN DER EISZEIT HABEN WIR DIE GROSSEN SEEN ZU VERDANKEN#

Im Norden waren es Salzach-, Traun- und Ennsgletscher, die in den letzten Eiszeiten in das Alpenvorland dreimal vorstießen und ihre Täler in einer schier unglaublichen Gewalt mit Eismassen auffüllten, die an 1.800 Meter (!) mächtig waren.

Im Süden war es der gewaltige Draugletscher, der bis Völkermarkt vorstieß.

Die Gletscher schürften tiefe Wannen aus, wälzten sich in das Flachland heraus und schoben Berge von Moränenschutt vor sich her. Als sich dann nach einer neuen kleinen Ewigkeit die Gletscher zurückzogen, füllten sich die Becken und Tröge mit Schmelzwasser. Durch die riesigen Stirnmoränen wurde der Abfluss der Wassermengen verhindert und es bildeten sich die Seen, die uns bis auf den heutigen Tag erhalten blieben.

Auch die meisten Moorseen sind Relikte dieser Eiszeit. Als sich die Gletscher zurückzogen, hinterließen sie in Mulden Eisreste, aus denen sich dann die Moorseen, diese für den Wasserhaushalt einer Gegend so besonders wichtigen Biotope entwickelten.

Alle Kalkgebirge – und viele unserer Seen liegen in deren Bereich – entwässern zusätzlich auch unterirdisch und speisen die Seen oberflächlich und von der Tiefe her. Diese Karstquellen sind häufig außerordentlich ergiebig. Hier finden sich aber auch Dolinenseen, deren Wasser sich durch Verdichtung des Untergrundes hält.

AUCH DIE STILLEN BERGSEEN SIND AUS GLETSCHERN GEBOREN#

Wie glitzernde Perlen liegen sie in der Sonne und spiegeln an ihrer Oberfläche die Berge und Wolken.

Die Bergseen sind im Durchschnitt zehn bis fünfzehn Meter tief. Ihre Färbung ist sehr unterschiedlich – von blau über grün reicht die Skala bis braun und schwarz. Sonnenstand, Tiefe, Untergrund und Lichteinfall bestimmen die Farbe. Es sind die feinen im Wasser schwebenden Teilchen welche Teile des Lichtes reflektieren, andere aber schlucken.

Anders als in den großen Seen des Alpenvorlandes herrschen in den Bergseen extreme Bedingungen. Von Mitte Oktober bis Ende Juni sind die höher gelegenen Seen von Eis bedeckt. Auch im Sommer erreichen diese Gewässer kaum Badetemperatur. Die Werte klettern nur selten über zwölf Grad.

Dennoch gibt es auch in den Bergseen vielfältiges Leben. Es sind die Widerstandsfähigsten, die in einer solchen Umgebung ihre Chancen wahrnehmen: Kleine Kieselalgen, Kleinkrebse und Rädertiere haben hier ihren Lebensraum. In größerer Tiefe ist der Schlamm mit kleinen Würmern und Zuckmücklarven besiedelt. Im Plankton können mikroskopisch kleine Urtiere, Kleinkrebse und Wasserflöhe überleben.

Fische waren in den meisten Hochgebirgsseen früher nicht beheimatet. Erst der Mensch hat sie ab dem Mittelalter in die nicht allzu hoch liegenden Seen eingesetzt, und so sind heute Saiblinge und Forellen ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Fauna mancher Bergseen.

Sobald ein See im Gebirge entsteht, beginnt auch schon seine Verlandung. Sand und Kies werden über den Zufluss eingeschwemmt und Schutt lagert sich im Wasser ab. An den seichten Ufern siedeln sich Wasser- und Sumpfpflanzen an. Nicht wenige Hochgebirgsseen, die nach der letzten Eiszeit entstanden sind, gibt es heute nicht mehr, durch ständige Einschwemmung von Sedimenten und organische Produktion bildeten sich aus ihnen Moore.


© Bild und Text Hilde und Willi Senft