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Die Teich- und Seenlandschaft des Waldviertels#

Waldviertel Gewässer
Ausgedehnte Wälder und immer wieder stille Wasserflächen, dazwischen Granitblöcke – wie von Riesenhand aufeinander gestapelt – und geheimnisvolle Moore. Das erwartet den Besucher in der Nordwestecke Niederösterreich Zwischen Weitra, Gmünd, Zwettl, Waidhofen a.d.Thaya und Litschau im äußersten Norden, schon knapp an der tschechischen Grenze, erstreckt sich eine herb-reizvolle Teich- und Seenlandschaft die in Vielem an Skandinavien erinnert. – Der große Unterschied zum europäischen Norden sind aber die dazwischen liegenden typisch österreichischen Kleinstädte, Burgen und Schlösser – alle mittelalterlich geprägt. Wenigstens an die dreißig größere Teiche und Seen und ungezählte kleinere Wasserflächen sind die Herzstücke diese Landschaft. 

Die meisten Teiche wurden schon vor Jahrhunderten angelegt und sind längst natürliche Biotope geworden, die auch nicht mehr abgelassen werden, um sie jährlich oder im Zweijahresrhythmus abzufischen. Nicht wenige sind so zu Naturschutzgebieten geworden. Als solche sind besonders zu nennen der Gebharts-Teich bei Schrems, der WinkelauferTeich und der Brünauf-Teich bei Heidenreichstein. Aber auch die anderen, selbst wenn sie bewirtschaftet werden, sind ein echtes Stück „Natur“ geworden. 

Wackelsteine

Waldviertler Fischteiche – wertvolle Ökosysteme #

Die Waldviertler Teiche sind zwar „Lebensräume aus zweiter Hand“, aber mit einer unglaublichen Artenvielfalt und Individuendichte ausgestattet. Häufig sind sie heute Rückzugsgebiete für Arten, deren angestammte Lebensräume bereits verschwunden sind. 

So hat man Brutbeweise von über 90 Vogelarten erbracht und im Herbst wird diese Vielfalt durch zahlreiche Durchzügler aus dem Norden bereichert. Stock.-, Tafel- und Reiherente, Blässhuhn, Hauben- und Zwergtaucher, Höckerschwan und Graureiher können besonders häufig beobachtet werde. Aber auch Schwarzhalstaucher, Schnatter- und Krickente sowie das Teichhuhn sind nicht selten. Als besondere Rarität im Uferbereich sind Rohrsänger, Schwirle, Grasmücken, Pieper, Rohrweihe, Schwarzstorch, Schwarzmilan, Eisvogel, Wachtelkönig und Karmingimpel zu erwähnen. 

Die Hauptfischart der „bewirtschafteten“ Teiche ist der Karpfen, Nebenfischarten sind Hecht, Zander, Schleie und Maräne. Ein intensiver teichwirtschaftliche Betrieb verläuft folgend: Im ersten Zuchtjahr wächst die Fischbrut in kleinen Aufzuchtteichen zu einsömmerigen Karpfen heran (mit einem Gewicht von 25 bis 50 Gramm). Im zweiten Zuchtjahr kommen die einjährigen Karpfen in größere-, so genannte Streckteiche. Hier wachsen sie zu zweisömmerigen Karpfen mit einem Gewicht von 250 bis 800 Gramm heran, werden im Herbst abgefischt und sodann in noch größere, sog. Überwinterungsteiche ausgesetzt. Im Frühjahr des dritten Zuchtjahres kommen die Fische in sog. Abwachsteiche mit bis zu zwei Metern Tiefe und sind im Herbst mit einem Gewicht von etwa 2 kg verkaufsfertig. 

Naturparks rund um die Waldviertler Teich- und Seenplatte #

Blockheide: Mächtige Granitblöcke prägen das Landschaftsbild dieses 106 Hektar großen Naturparks bei Gmünd. Besondere Attraktionen sind die berühmten Wackelsteine, der Pilzstein, das Teufelsbett und die Koboldsteine.

Geras: Inmitten einer idyllischen Teichlandschaft kann man Auerochsen und Wildpferde in freier Wildbahn beobachten. Für Kinder gibt es einen Streichelzoo und für Pflanzenliebhaber einen großen Kräutergarten.

Heidenreichsteiner Moor: Über einen Rundwanderweg werden die Besucher durch das Ökosystem des Moores geführt und erfahren vieles über die Tier und Pflanzenwelt. Einen Besuch lohnt auch das Moor- und Torfmuseum in Heidenreichstein.

Hochmoor Schrems: Als wunderschöne, stille Moorlandschaft mit den verschiedenen Regenerationsstadien ehemaliger Torfstiche präsentiert sich der Naturpark. Besondere Einblicke in diese faszinierende Landschaft gewährt die 19 Meter hohe Aussichtsplattform der „Himmelsleiter“. 

Schloss Heidenreichstein

Mittelalterliche Städte im Teich- und Seengebiet #

Gmünd: Besonders sehenswert ist der alte Stadtkern mit seinen Sgraffiti-Häusern. Das Glas- und Steinmuseum dokumentiert die Geschichte der Glaserzeugung im niederösterreichisch-böhmischen Grenzraum. 

Heidenreichstein: Die Burg Heidenreichstein wird heute noch von der Familie Graf Kinsky bewohnt und ist die besterhaltene Wasserburg Österreichs (während der Sommermonate für Besucher zugänglich). Besuchenswert ist auch der „Erlebnispark Anderswelt“, der sich mit dem Waldviertel und seiner Bevölkerung auseinandersetzt. 

Litschau: Die nördlichste Stadt Österreichs liegt auf 534 Meter Seehöhe und wird von der mächtigen Burg überragt. Die gotische Pfarrkirche besitzt Fresken und Skulpturen aus dem 15. Jahrhundert. Litschau ist die Geburtsstadt von Kaspar Schrammel, dem Begründer der weltberühmten Schrammelmusik. 

Waidhofen a.d. Thaya: Die von mittelalterlichen Mauern umgebene Stadt birgt u.a. die sehenswerte Barockkirche Mariae Himmelfahrt, eine Spitalskirche, ein Renaissance-Rathaus mit gotischem Kern. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Textilmuseum. 

Weitra: Alte Kuenringerstadt mit gut erhaltener mittelalterlicher Befestigung, mehreren Sgraffito-Häusern und einem Renaissance-Schloss mit Schlosstheater. Unbedingt sollte man die 4 km entfernte romanisch-gotische Malteserkirche mit mittelalterlichen Wandmalereien besuchen. 

Zwettl: Schon im 12. Jahrhundert erhielt Zwettl das Stadtrecht. Stadtmauer und Stadttürme weisen noch heute auf die alte Bedeutung hin. Nahe der Stadt liegt das 1137 gegründete „Stift Zwettl“, eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler des Waldviertels (gotische Stiftskirche, romanisch-gotischer Kreuzgang, romanischer Kapitelsaal und Dormitorium). 

Rund um die Seenplatte gibt es hunderte Kilometer markierter Wanderwege – das Gebiet eignet sich aber ganz besonders für Radtouren. Entsprechende Vorschläge sind am besten den jeweiligen Ortsprospekten zu entnehmen.




© Bild und Text Hilde und Willi Senft