Attersee #

Attersee
Wenn man vom teilweise zu Ungarn gehörenden Neusiedlersee absieht, ist er der größte der österreichischen Seen und der einzige „große“, der nie zufriert. Aus den Bergen kommend, erstreckt er sich „in köstlicher Bläue“ mit zwanzig Kilometern Länge weit in das nördliche Hügelland hinein. Diese Bläue, so sagen die Einheimischen, ist nicht vom Himmel und der Bewölkung abhängig, denn je dunkler es wird, desto kraftvoller wirkt der metallisch blaugrüne Wasserspiegel.

Schafberg und Höllengebirge geben dem Segelparadies Österreichs gegen Süden einen prächtigen alpinen Abschluss. Der von Nordwest kommende „Rosenwind“ wird von den Segelsportlern besonders geschätzt.

Am Nordende, wo die Ager den See verlässt, liegen bedeutende Orte wie Schörfling und Seewalchen, die schon den Ebenen des Attergaues zuzuzählen sind, während im felsgeschützten Unterach, im südwestlichen Winkel des Sees, sogar die Edelkastanie gedeiht – ja, die Römer sollen hier sogar Weinbau betrieben haben.. Hier, bei Unterach, erreicht übrigens die Seeach, der Abfluss des Mondsees, den Attersee. Rund um den gesamten See aber liegen beliebte Sommerfrischenorte in jeder Größe und Qualität.

In der Pfarrkirche von Nussdorf – wenn wir im Süden beginnend, den See im Uhrzeigersinn umrunden – findet sich als Kuriosum ein Marienbild, zu dem die Gattin Viktor Adlers, des seinerzeitigen Gründers der sozialdemokratischen Partei, heimlich Modell gesessen hatte. Die Geschichte des Bildes, das Blitzschlag und Feuersbrunst überstand und auch schon anlässlich einer Ausstellung im ehemaligen Gasometer II in Wien/Simmering gehangen hatte, liest sich wie ein Krimi.

Attersee

In Attersee, einst Hauptort des Attergaues, steht die historisch interessante evangelische „Martinskirche“ (mit einem spätgotischen Netzrippengewölbe). Im Jahre 1813 hatte die damals zuständige Königlich Bayerische Staatsregierung (ein Teil des Attergaues war 1809 im Frieden von Schönbrunn an Bayern gefallen) die Errichtung einer protestantischen Pfarre genehmigt. Die Katholiken verkauften damals die unbenützte Martinskirche um 480 Gulden an die Evangelischen der Umgebungsortschaften. Weithin sichtbar über See und Landschaft erhebt sich die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche mit ihrem spätbarocken Hochaltar. Zwischen Attersee und Seewalchen liegt das Inselschloss Litzelberg. Es ist durch einen Steg mit dem Festland verbunden.

In Seewalchen ist die 1476 errichtete spätgotische Pfarrkirche mit dem barockisierten Turm besuchenswert. Im Chor sind spätgotische Fresken freigelegt und den Hochaltar zieren ebensolche Figuren (Maria mit Kind, Hlg. Barbara und Hlg.Katharina).

Die spätgotische Pfarrkirche von Schörfling mit der angebauten gotischen „Sebastians-Kapelle“ ist nach außen hin durch ihren Turm barockisiert. Im Inneren weisen aber das Netzrippengewölbe und Plastiken, wie etwa eine schöne Nikolausfigur, in die Epoche der Spätgotik. Besonders sehenswert ist das Seeschloss Kammer aus dem 17. Jahrhundert.

Schließlich ist auch die aus dem Jahre 1516 stammende spätgotische Pfarrkirche „Zum heiligen Andreas“ von Steinbach mit ihrem interessanten Netzrippengewölbe einen Besuch wert.

1869 wurde das erste Dampfschiff, der Schraubendampfer „Ida“ (gebaut in der Linzer Werft), in Betrieb genommen. Da es damals entlang des Attersees keine Bahn gab, folgten bald die Raddampfer „Attersee“ und „Kammer“, die später in „Franz Ferdinand“ und „Alma“ umbenannt wurden. 1913 wurde die Schmalspurbahn „Attersee – Vöklamarkt“ durch die Firma Stern & Hafferl in Betrieb genommen, die 1921 auch die Schifffahrt am See übernahm und bis heute den Linienverkehr am Attersee mit fünf Motorschiffen aufrecht erhält.

Attersee - Fischer

Sagen#

Der Schwarze Tod am Attersee: Auch die Orte am Attersee wurden vom Schwarzen Tod, der Pest, nicht verschont. Ja, die furchtbare Seuche wütete hier ganz besonders. Es heisst, dass damals alle Menschen rund um den Attersee gestorben sind. Alle bis auf zwei. Bis auf ein Mädchen in Weyregg und einen Mann genau am gegenüberliegenden Ufer. Allerdings wussten sie nicht von einander. Es war für beide entsetzlich. Die Toten waren notdürftig begraben und so gab es keine Menschneseele, mit der sie hätten sprechen können. Die Einsamkeit wurde fast unerträglich. Beide ließen sich gehen und vergaßen sich zu waschen .Selbst zum essen hatten sie keine Lust. Da kam auch noch eine längere Regenperiode, welche sich ganz besonders aufs Gemüt legte – beide wollten schon sterben. Als es aber nach einer Woche wieder aufklarte und strahlender Sonnenschein den See wieder hell und freundlcih machte, da fasste der Mann neuen Lebensmut, machte ein Feuer um endlich wieder einmal einen Waschtag zu haben. Dem Mädchen erging es nicht anders. Der Mann setzte sich nach vielen Wochen erstmasl wieder in sein Ruderboot, um ein paar Fische zu fangen und auch das Mädchen ruderte voller neuer Lbeensfreude auf den See hinaus. – Beide traueten ihren Augen nicht, als sie jeweils auf der anderen Uferseite Rauch aus einem Kamin aufsteigen sahen. Und dann entdeckten sie sich auch schon am Wasser und fielen sich überglücklich in die Arme. – Die Sage erzählt weiter, dass sie ein glückliches Paar wurden und ihre Kindeskinder sollen im Laufe der Zeit die Ufer des Attersees wieder bevölkert haben.

Wandervorschläge#

Auf die Hochleitenspitze: Besonders der gebirgige südliche Teil des Atersees lädt zu Bergwanderungen ein. An der Umfahrungsstraße von Unterach nimmt der markierte Weg seinen Anfang, und es geht im Wald in zahlreichen Serpentinen aufwärts, bis nach einer halben Stunde der so genannte Jubiläumsbaum mit seiner schönen Aussicht auf den Attersee erreicht wird. Nach einer weit ausholenden Kehre gelangt man auf das Plateau zwischen Hochgupf und Hollerberg und nach Überwindung eines letzten Aufschwungs stehen wir nach eineinhalbstündigem Aufstieg am Gipfel (1.134 m) mit einem Panoramarundblick vom Dachstein bis zum Schafberg.

Auf den Rossmoos: Eine zweistündige Rundwanderung soll uns von Nußdorf hinauf auf den Rossmoos und weiter zum Gasthof „Dachsteinblick“ führen. (Bis zum Gasthof kann man aber auch bequem mit dem Auto über Limberg anfahren). Vorerst wandern wir aber hinauf zum Reither Gupf (881 m). In westlicher Richtung geht es von hier am Kamm weiter. Bereits nach einer halben Stunde stehen wir auf der Kuppe des 1.015 Meter hohen Rossmoos mit herrlichem Ausblick über den Attersee. Nun geht es vierhundert Höhenmeter abwärts und durch schönen Mischwald spazieren wir fast eben zurück zum „Dachsteinblick“.

Landkarte: Freytag & Berndt Nr. 282

Steckbrief#

472 Meter Seehöhe; 46 km² Seefläche; 20 km lang; 2,3 km breit; 171 m tief.
Sportfischen (Forellen, Hechte, Schleien, Aale, Aaalrutten, Barsche, Eiteln, Saiblinge).
Verschiedenste Bademöglichkeiten. Motorboote im Juli und August nicht zugelassen. Segeln, Wasserschilauf, Bootsvermietung, Surfen, Tauchen (Tauchschulen), Ballonfahrten Regelmäßige Schifffahrtslinien.

Tauchsport: Das besonders reine Wasser begünstigt die Unterwasserfauna. Die Sichtweite beträgt 3 bis 20 Meter je nach Einstiegstelle, Tiefe und Jahreszeit. Die Tageslichtgrenze liegt in bis zu 60 Meter Tiefe. Die beste Jahreszeit ist November bis Juni; von Juli bis Oktober „blüht“ der See. Die Unterwasserflora ist hingegen dürftig, da der See streckenweise metertief verschlammt ist. Stärkeren Pflanzenbewuchs findet man nur bei der Einstiegstelle „Burgau“. Einen echten Unterwasserberg findet man in der Seemitte im Raum Unterach; er reicht aus 140 Meter Tiefe bis 9 Meter unter die Oberfläche. Es gibt mehrere Steilwände, alles mögliche versenkte Material vom Autowrak und versunkenen Boot bis zu alten Bäumen in 25 bis 30 Meter Tiefe. Einstiegsstellen gibt es rund um den See. Strenges Tauchverbot herrscht nicht nur in der Laichzeit sondern vor allem auch dort, wo Reste von Unterwasser-Pfahlbauten existieren.

Information: Gemeinde Attersee, Nußdorferstraße 15, 4864 Attersee, Telefon: (07666) 77550, E-Mail: info@attersee.at, Internet: www.oberoesterreich.at/attersee. Schiffahrt (Mai bis Oktober): Fa. Stern und Hafferl, Bahnhof, A-4864 Attersee, Telefon: (07666) 7806, Internet: www.stern-verkehr.at Die drei größeren Schiffe MS Vöcklabruck, MS Weyregg und MS Unterach bieten je Platz für 300 bis 200 Passagieren.




© Bild und Text Hilde und Willi Senft