Hallstättersee

Hallstätter See#

Hallstätter See
Er ist der ernsteste, mit dem von seiner Anlage her einmaligen Ort Hallstatt an seinem Westufer, aber wohl auch romantischste der großen Salzkammergutseen. Zu recht heißt es für den Fremden: „Wer Hallstatt nicht gesehen hat, dem ist ein wesentliches Stück Österreich entgangen“. Von steilen Felswänden eingeschlossen, erinnert der See an einen Fjord im hohen Norden. Der Klotz des Sarsteins, der mächtige Plassen und die Abstürze des Dachsteinstocks umgürten das zeitweilig smaragdgrüne, dann wieder tiefblaue, oft aber auch schwarze Gewässer von drei Seiten. Nicht selten dunkel und kalt, lädt es im Hochsommer bei Sonnenschein sogar zum Baden ein. Bilder von hervorragender Schönheit kann man am See etwa im Frühjahr erleben, wenn die auf ihm hin- und herwogenden Nebel endlich die sonnigen Felswände durchschimmern lassen und die noch schneebedeckte Spitze eines Gipfels freigeben. Prachtvoll ist es, im Hochsommer oben auf der Terrasse des Gasthofs am Rudolfsturm zu sitzen, den unzähligen Paragleitern zuzusehen und aus der Vogelschau den wunderbar blauen Seespiegel zu Füssen zu genießen. Alexander Humboldt nannte ihn den SCHÖNSTEN SEEORT DER WELT. Die Hallstätter hängen an ihrem sich hoch in die Felswände hinaufschmiegenden, entzückend gelegenen Ort mit seinen romantischen aus Holz gezimmerten Häusern, den mittendurch herabstäubenden Wasserfall und den beiden Kirchen – und sie nehmen es auf sich, vom 17. November bis 2. Februar (dem „Lichtmeßtag“, der hier besondere Bedeutung hat) auf die Sonne verzichten zu müssen, so hoch sind die umgebenden Berge.

Im Süden nimmt der See aus dem Koppental die Traun und aus dem Echerntal den Waldbach auf, sodann auch Leislingbach, Mühlbach und Gosaubach. Ferner wird der See durch eine Reihe ober- und unterirdischer Kartsquellen gespeist. Man hat gemessen, dass die Schmelzwässer der Dachsteingletscher nur fünf bis sechs Stunden benötigen, um auf unterirdischem Weg in den See zu gelangen Die bedeutendste Karstquelle ist der „Hirschbrunnen“. Wenn der „geht“, wie früher der Alarmruf bei schweren Regenfällen oder der Schneeschmelze hieß, dann konnte es Hochwasser geben. Das Nordostufer ist so steil, dass dort den See noch immer keine Straße umrundet, wohl aber die Eisenbahn mit mehreren Tunnels am See entlang führt. Das bedeutet seit anderthalb Jahrhunderten, dass die Hallstätter NUR MIT DEM SCHIFF die Eisenbahnstation, die völlig von der Umgebung abgeschnitten auf einer kleinen Halbinsel liegt, erreichen können. Die Linie „Hallstatt – Markt“ ist die einzige Schiffsverbindung auf einem österreichischen See, die auch während der Wintermonate aufrecht erhalten wird.

Hallstätter See - Boot
Das „Dampfzeitalter“ begann am See schon 1862 mit der holzbefeuerten „Hallstatt“ durch den Hotelier Karl Seeauer. 1882 und 1885 wurden die Schraubendampfer „Valerie“ und „Kronprinz Rudolf“ in Betrieb genommen und heute befährt eine moderne Flotte von zwei Linien-Motorschiffen und einem Rundfahrtschiff den See. Der Spiegel des Hallstättersees stieg nach der Eiszeit um etwa zehn Meter. In sehr kalten Wintern friert der See zu; nur an der Westseite bleibt er offen, da sich dort warme Quellen befinden. Im Jahre 1511 errichtete man in Steeg, beim See-Ausfluss, eine Klause (deren Reste noch heute sichtbar sind), die den Wasserspiegel des Sees um fünf Meter absenken und gleichzeitig jenen der Traun um vierzig Zentimeter anheben konnte, um genug Wasserstand für die Salzschifffahrt auf der Traun bis hinaus zum Traunsee zu haben. Die Klause wurde zu diesem Zweck vier Stunden vor der Abfahrt der Schiffe geöffnet, was ausreichte, um das Traunbett mit genügend Wasser zu füllen.

Der See kann auch heute noch für Segelboote und Plätten sehr gefährlich werden, denn die Düsenwirkung der umgebenden Felswände ist gewaltig. Die Einheimischen lassen es sich übrigens nicht nehmen, dass große Stürme von einem „Grundwind“ angekündigt werden, der bei vollkommener Stille der Luft starke Wellen aufwirft.

Ein kleines Wunder kann man jeden Herbst auf dem Hallstättersee beobachten. Der Herbstwind bläst die abfallenden Nadeln der Lärchen in den See, und die Wellen formen sie zu Bällen mit Durchmessern bis zu dreißig Zentimetern. Derartige „Lärchennadelbälle“ findet man sonst nur noch am Offensee.

Hallstatt und seine Umgebung ist die Urzelle des Salzkammergutes. War doch die einkommensträchtige Salzgewinnung Anlass, dieses Gebiet als Staatsdomäne direkt der Finanz-Hofkammer in Wien zu unterstellen. Dies geschah bereits 1260. Seit dieser Zeit hieß es – zuerst herzogliches, später kaiserlich-königliches – Kammergut. Der Salzbergbau aber reicht bis in die ausgehende Bronzezeit zurück. Bestimmte Kunde hat man aus dem 8. Jahrhundert vor Christi, die Kelten und Illyrer betrieben aber schon viele Jahrhunderte vorher den Abbau des „Weißen Goldes“.

Hallstätter See - Winter
Durch die reichen Gräberfunde am Salzberg oberhalb des Ortes, wurde Hallstatt sogar zum Taufpaten eines ganzen Abschnittes der Menschheitsgeschichte, nämlich der Hallstattzeit, 800 bis 400 vor Christi. Hallstatt bietet neben dem Salzberg aber auch andere kulturhistorische Schätze. Da ist besonders das Beinhaus mit der größten Schädelsammlung Europas zu nennen. Über sechshundert Totenschädel, alle kunstvoll bemalt und beschriftet, sind im Karner neben der katholischen Kirche aufgeschlichtet. Diese steht mitten unter den malerischen Häusern, schon ein beträchtliches Stück oberhalb des schmalen besiedelten Uferstreifens. Auffällig ist ihr romanischer Turm; das Langhaus aber ist gotisch. Die Kirche birgt einen der bedeutendsten Schnitzaltäre Oberösterreichs. Der zwischen 1505 und 1515 entstandene gotische Flügelaltar zeigt Szenen aus dem Leben Marias, die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige u.a. Bedeutend sind auch die bemalten äußeren Tafelbilder. Daneben gibt es noch einen kleineren, bemalten Flügelaltar aus 1460 mit besonders kräftigen Farben. Unbedingt besuchenswert ist in Hallsttatt das Museum mit wichtigen Funden aus der urgeschichtlichen- und römerzeitlichen Besiedelung des Ortes.

Miterleben sollte man auch einmal die Fronleichnamsprozession am See, die seit mehr als dreihundert Jahren (seit dem Jahre 1628 besteht sie als „immerwährende Stiftung“) in prächtig geschmückten Booten abgehalten wird. Es ist ein bewegendes Schauspiel, wenn die mit frischem Frühjahrslaub dekorierten Boote über das stille Wasser gleiten und die Salven der Prangerschützen von einer Felswand zur anderen hallen…

Wandervorschlag#

Rund um den Hallstättersee: Wir beginnen die Wanderung beim Rudolfsturm (erreichbar über eine Standseilbahn), 350 Meter oberhalb von Hallstatt und folgen dem „Soleleitungsweg“ mit der Nr. 601. Über viele Holzstaffeln leitet uns der Weg vorerst zum Mühlbach hinunter, wir überqueren die Höllschlucht und haben einen Blick auf die Dächer des Ortes. Wir durchqueren den Bannwald, dessen Erhalt für Hallstatt lebenswichtig ist. Der breite Pfad ist nun reizvoll in das Gestein gehauen, bald wird das umgebende Gelände aber sanfter und wir überschreiten auf einer soliden Brücke, dem so genannten Gosauzwang, den Gosaubach. Nun geht es nach Steeg hinunter. Hier zeigt sich der See nicht mehr fjordartig, sondern das Landschaftsbild wird heiter und freundlich. Gute 2 Std. haben wir bis hierher benötigt und nehmen uns nun noch den „Ostuferweg“ vor: Durch Schilfwiesen führt der Weg nahe an das Ufer heran. Am seichten Uferrand tummeln sich viele Wasservögel. Bald reicht aber steiler Bergwald und später auch lotrechter Fels bis zum Ufer. Ein solider Steig wurde vor einigen Jahren über das Wasser hinausgebaut und eine Stahlseilbrücke überwindet eine schluchtähnliche Passage. Nun ist es auch nicht mehr weit zur Eisenbahnhalte- und Schiffsanlegestelle (stündlicher Schiffsverkehr). Da wir von Steeg bereits 2 Std. unterwegs waren, werden wir wohl am besten von hier nach Hallstatt zurückkehren und den restlichen Wegabschnitt über Obertraun, der am wenigsten interessant ist, ein andermal versuchen.

Landkarte: Freytag & Berndt Nr. 281

Steckbrief#

508 Meter Seehöhe; 8,5 km² groß, 8 km lang, 2 km breit, 125 m tief.

Sportfischerei: Forellen, Hechte (hier werden die größten Hechte des gesamten Salzkammergutes gefangen; bis zu 1 ½ m lang und 15 – 20 kg schwer). Tauchen, Kanufahren, Raften an der Traun. Mehrere Bademöglichkeiten, Strandbad in Obertraun Paragleiten vom Krippenstein (Seilbahn von Obertraun)

Tauchsport: Aus der Sicht des Tauchers ist der See wohl einer der interessantesten. Er hat klares und sauberes Wasser, das sich nur an der Oberfläche im Sommer auf max. 23 Grad erwärmt. Der See ist besonders fischreich: Rotauge, Seesaibling, Aitel, Grope, Reinanke (im Freiwasser) Äsche, Aalrutte, Flussbarsch, Hecht (große Exemplare nur im tiefen Freiwasser) und die versch. Forellenarten. Der Bewuchs mit Unterwasserpflanzen ist teilweise sehr üppig; es gibt Algenwiesen und versunkene Bäume. Mit Ausnahme der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen beträgt die Sichtweite bis zu 20 Metern; die Tiefensicht durchschnittlich 8 Meter. Mit dem Seebesitzer (Bundesforste) wurden sechs Tauchzonen festgelegt, die (mit Ausanhme einer längeren Strecke am Ostufer) gleichmäßig über den See verteilt sind.

Information: Tourismusverband Hallstatt, Seestraße 169, A-4830 Hallstatt, Telefon: (06134) 8208, Fax: (06134) 8352, Email: hallstatt@inneres-salzkammergut.at, Internet: www.oberoesterreich.at/hallstatt.

Schifffahrt: „Hallstättersee-Schifffahrt“, Lahn 62, 4830 Hallstatt, Tel. 06134/8228 e-mail: hallstatt-info@eunet.at, www.hallstatt.net. Zwei Linienschiffe (in Zusammenarbeit mit ÖBB – auch im Winter!).


© Bild und Text Hilde und Willi Senft