Wolfgangsee#

Wolfgangsee
Für die beiden Autoren ist er nicht nur der schönste und abwechslungsreichste, sondern durch sein kulturelles Umfeld auch der interessanteste der Salzkammergut-Seen. Die hohen Berge, die ihn einrahmen, halten von den Ufern gebührliche Distanz und so bleibt die Heiterkeit der Landschaft voll erhalten. Im Süden sind Zwölferhorn (Seilbahn von St.Gilgen) und Bleckwand die begrenzenden Berge, daran schließen die kühn geformten Zwillinge Sparber und Rettenkogel und im Norden stellt der Schafberg (Zahnradbahn) die Verbindung zu Attersee und Mondsee her. Nur an einem kleinen Stück des Nordostufers rücken die lotrechten Felswände des geheimnisvollen Falkensteins direkt an den See heran. Im Süden, direkt bei St.Wolfgang, ist der durchschnittlich 2 Kilometer breite See durch eine Landzunge bis auf 240 Meter eingeschnürt. Bei Strobl fließt der See in die Ischl ab. Es soll nicht verschwiegen werden, dass ein kleiner Teil des Sees – allerdings mit dem bedeutenden Ort St.Wolfgang – zum Bundesland Oberösterreich gehört. Der ursprünglich salzburgische Name „Abersee“ ist durch die Bezeichnung „Wolfgangsee“ abgelöst worden.

Nicht nur wegen der famosen Aussicht sollte sich der Besucher eine Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Schafberg (betrieben von den ÖBB) nicht entgehen lassen: Bereits 1892 wurde mit dem Bau der Zahnradbahn begonnen und noch heute ziehen und schieben qualmende Dampflokomotiven die bunten Waggons zum Gipfel des Schafbergs auf 1.782 Meter Seehöhe. Er ist ein unvergleichlicher Aussichtsberg von dem man vierzehn Seen überblicken kann. (Wie man den Schafberg am besten zu Fuß ersteigen kann, wird bei den Wandervorschlägen beschrieben).

1873 begann das Dampfschiffzeitalter mit dem Raddampfer „Kaiser Franz Josef I.“ 1883 kam ein Schraubendampfer, die „Kaiserin Elisabeth“ und zehn Jahre später die „Austria“ dazu. Heute halten die beiden Motorschiffe „Elisabeth“ und „Kaiser Franz Josef“ der Österreichischen Bundesbahnen einen Linienschiffsverkehr zwischen St.Gilgen, Strobl und St.Wolfgang in den Monaten Mai bis Oktober aufrecht.

In St. Wolfgang, das durch Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rössel“ international bekannt wurde, warten kulturelle Kostbarkeiten auf den Besucher:

Wolfgangsee - Ochsenkreuz

Da gilt es in der Pfarrkirche vor allem den prachtvollen, weltberühmten gotischen Flügelaltar – aus Zirbenholz geschnitzt – von Michael Pacher (vollendet 1481) zu bestaunen. Im Schrein die Figurengruppe Marias Krönung sowie Statuen des Hlg.Wolfgang und anderer; auf den Doppelflügeln Tafelgemälde mit verschiedensten Themen aus dem Evangelium. Bemerkenswert sind im Nordschiff auch der barocke Doppelaltar von Thomas Schwanthaler und verschiedene Werke Meinrad Guggenbichlers.

Am Vorplatz der Kirche steht der kulturhistorisch besonders wertvolle gotische Pilgerbrunnen von St.Wolfgang. Er wurde 1515 zur Versorgung der Pilgerscharen errichtet. Um 1500 gehörte St.Wolfgang nach Rom und Einsiedeln zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Europas und konnte sich des Ansturmes der Pilger kaum erwehren. Vom Brunnen wurde das heilbringende „Wolfgangi-Wasser“ mit nach Hause genommen.

An den Heiligen Wolfgang selbst erinnern am Falkenstein (siehe Wandervorschlag) mehrere geheimnisvolle Objekte: So der „Durchkriechstein“ in der Falkenstein-Kapelle, der „Wunschstein“, die „Bußstein-Mauer“, Abdrücke von Haupt und Händen des Heiligen sowie der „Wachsweiche Stein“, auf dem der Heilige wie auf „weichem Wachs“ eine Nacht lang ausruhte. – Vom Falkenstein aus hat Bischof Wolfgang, der aus politischen Gründen von Regensburg flüchten musste und hier einen Asylort fand, sein Beil nach unten geschleudert. Wo er es wieder entdeckte, wurde nach der Legende die Kirche errichtet.

Legende#

Bischof Wolfgang war also in die Wilndis gezogen und bis an einen See gelangt, den die Leute „Abersee“ nannten. Dort entdeckte er am Nordufer im Falkenstein-Berg eine Höhle, in die er sich fünf Jahre lang als Einsiedler zurückzog. Er sprach öfters mit dem Herrgott und man erzählte sich, dass selbst die Tiere im Wald ganz still wurden, wenn er mit Gott sprach, um ihn nicht zu stören. – Stören aber wollte ihn nur einer, nämlich der Teufel. Er wäre am liebsten vor Zorn aus der Haut gefahren, wenn er sah, wie viele Leute von weit her pilgerten, um beim Einsiedler Trost zu finden. So schleuderte er eines Tages in blinder Wut einen Felsen auf den Heiligen, aber der schüttelte den Stein nur lächelnd ab.

Wolfgangsee - Schafbergbahn

Da fand Wolfgang, dass es nun Ziet wäre, eine Kirche zu bauen. Eine kleine Kirche sollte es werden, ein Ort der Zuflucht vor dem Bösen. Wolfgang nahm seine Axt und warf sie weit ins Land hinaus. Wo sie niederfiel, dort sollte die Kirche gebaut werden. Nach langem Suchen entdeckte er sie auf einer kleinen Halbinsel und begann sofort Steine heran zu schleppen und Bäume für den Dachstuhl zu fällen. Mühsam genug war die Arbeit. Da erschien der Teufel und bot dem frommen Mann seine Hilfe an: „Ich erbaue dir eine prächtige Kirche, wenn du mir die erste Kreatur schenkst, welche die fertige Kirche betritt!“ Der Heilige lächelte und ging erstaunlicherweise auf den Handel ein. Da fuhr der Teufel über Berg und Tal und schaftte an Baumaterial alles herbei, was nötig war und in kaum einer Nacht war das Bauwerk vollendet. Wolfgang war sehr zufrieden, der Teufel aber legte sich auf die Lauer. Schon am übernächsten Tag kam ein junger Bursche daher, der sich nicht genug über den prachtvollen Bau wundern konnte, aber so scheu war, dass er es nicht wagte, einzutreten. Der Teufel war wütend und in seinem Zorn unaufmerksam. – Inzwischen war aber ein Wolf in die Kirche geschlüpft und schnüffelte am frischen Holz der neuen Bänke. „Da ist dein Opfer!“, rief Wolfgang und der Teufel musste abziehen. – St.Wolfgang und seine Kirche wurden aber zum Segen für das ganze Land.

Der nächste Ort im Südosten des Sees ist Strobl; das als Badeort bekannt ist. Aber auch seine Barock-Pfarrkirche ist sehenswert. Besonderes Interesse verdienen die prachtvollen Bauerngehöfte in seiner Umgebung; es sind mächtige Einhöfe mit Glockentürmchen, die zum Teil mehrere Jahrhunderte alt sind.

Am nördlichen See-Ende liegt schließlich St.Gilgen, bekannt als Geburtsort der Mutter Mozarts. Aber auch die Pfarrkirche des Heiligen Ägydius, der übrigens (Gilgen = Gilg = Ägyd) dem Ort seinen Namen gegeben hat, ist sehenswert. Die ursprünglich gotische Kirche wurde 1776 neu erbaut und beinhaltet wertvolle Holzfiguren aus der Werkstatt Meinrad Guggenbichlers. Interessant ist auch die Friedhofskapelle mit ihren alten Fresken. Zwischen Mai und Ende Oktober verkehrt eine Kabinenseilbahn von St.Gilgen auf das Zwölferhorn. Von der Bergstation sind es nur wenige Minuten auf den Gipfel (1.521 m). Die besonders guten Windverhältnisse, der „Brunnwind“ sowie der „Rosenwind“, sorgen dafür, dass der Segelsport am Wolfgangsee eifrig gepflegt wird.

Wandervorschlag#

Auf den Falkenstein: Am raschesten erreicht man den Falkenstein von St.Gilgen aus, von wo wir nach einigen Kilometern schmaler Autostraße nach Winkl gelangen und dann nochmals zwei Kilometer durch Wald an den schmalen Ufersaum des Wolfgangsees heranfahren. Fürberg heißt dieser Bereich und dort leitet ein markierter Wanderweg in einer halben Stunde direkt zum Falkenstein-Kirchlein mit dem „Sünden befreienden Schliefstein“ und in weiteren fünfzehn Minuten auf den Kammrücken des Falkensteins mit seiner hervorragenden Aussicht über den See. Nicht viel weiter ist es, wenn man von der anderen Seite, vom Ortsteil Rein bei St.Wolfgang (öffentl. Parkplatz) losgeht. Wir folgen hier der Markierung, gelangen im Hochwald zum „Wachsweichen Stein“, später zum „Wunschstein“ und den anderen Kultobjekten.

Wolfgangsee - Winter

Dreiseen-Wanderung auf den Schafberg: Der geübte Bergwanderer sollte die Aufstiegsstrapazen auf sich nehmen, um die „Rückseite“ des Schafbergs mit seinen drei Bergseen kennen zu lernen – die „Knie schonende“ Rückfahrt mit der Zahnradbahn lässt die Tour angenehm ausklingen. Ausgangspunkt ist der Parkplatz der Schafbergbahn, wo ein Schild schon in Richtung „Mönichsee“ weist. Vorerst geht es auf einem Forstweg über Wiesen und durch Wald und nach mehr als einer Stunde leitet uns ein Waldpfad in Serpentinen nach oben. Nach 2 ½ Std. haben wir unser erstes Ziel, den Wald umschlossenen Mönichsee erreicht (1.300 m). Weiter geht es auf gut angelegtem Steig unterhalb der Felswände des Törlspitzes. Überraschend tut sich bald nachher der Blick auf den kleinen Mittersee auf, zu dem wir in wenigen Minuten hinuntersteigen. Gleichzeitig sind wir auf die Nordseite hinübergequert und haben plötzlich einen weiten Ausblick auf den Attergau. In reizvollem Alm- und Waldgelände geht es weiter und nun folgt der dritte landschaftliche Höhepunkt, der in einem Felsenzirkus eingebettete Suissensee (1.432 m). Hier beginnt auch der „Felsensteig“ auf den Schafberggipfel, der aber dem Geübten keine großen Schwierigkeiten bereitet, sind doch abschüssige Stellen mittels Drahtseil versichert. Über das kleine Felstor der „Himmelspforte“ betreten wir schließlich – nach 4 ½ Std. Aufstiegszeit den Gipfel.
Lanadkarte: Freytag & Berndt Nr. 392

Steckbrief#

539 Meter Seehöhe, 11 Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit, nahe der Falkensteinwand 114 Meter tief.
Fischkarten (Forellen, Schleie, Hechte, Aalrutten, Saiblinge, Reinanke, Zander, Brachse, Aiteln, Barsche, Rotaugen, Weißfische).
Baden in allen Seeorten (Badetemperaturen bis 26 Grad), Bootsverleih, Segeln, Surfen, Wasserschilauf, Para-Sailing.
Tauchsport: Im Salzburger Teil haben nur Mitglieder eines Tauchclubs die Erlaubnis, im oberösterreichischen Bereich ist das Tauchen nur für Logiergäste erlaubt. Vom 15. März bis 10. Mai generelles Tauchverbot. Das kristallklare und relativ warme Wasser wird von den Tauchern mit Sichtweiten von 5 bis 10 m sehr geschätzt. Im Winter Eistauchen möglich. Der Pflanzenbewuchs ist eher mittelmäßig (im Sommer „blühen“ die Algen). Die schönsten Tauchgebiete liegen bei der Fakensteinwand und gegenüber bei der Franzosenschanze. Im Bereich der Falkensteinwand und der Nordseite liegen die interessantesten Plätze mit vielseitiger Fauna und Flora.

Information: Wolfgangsee Tourismus Ges., Au 140, A-5360 St. Wolfgang, Telefon: (06138) 80030, Fax (06138) 800381, Email: info@wolfgangsee.at, Internet: www.wolfgangsee.at. Schiffahrt: ÖBB Wolfgangseeschifffahrt, Markt 35, 5360 St.Wolfgang, Tel. 06138/2232-0 www.wolfangseeschiffahrt.at


© Bild und Text Hilde und Willi Senft