Altausseer See#

Altausseer See
Einige Kilometer nordwestlich von Bad Aussee liegt der Altausseer See. Seine ernste, die westliche Seite, ist umrahmt vom lotrechten Kletterfels der Trisselwand und der zackigen Krone des Losers, während im Osten Wälder und Wiesen seine Begrenzung bilden – allerdings überragt von der großartigen Kulisse der Dachsteingletscher.

Der Name „Altaussee“ taucht übrigens erst 1393 zum ersten Mal urkundlich auf. Vorher hieß der Ort „Inneraussee“ und der See wurde ganz allgemein als „Bauernsee“ bezeichnet.

Man sagt, die Landschaft um den Altausseer See sei keine gewöhnliche Urlaubslandschaft sondern ein Seelenzustand…Johannes Brahms, Friedrich Torberg, Richard Strauß, Hugo von Hofmannsthal und viele andere bedeutende Namen von treuen Urlaubsgästen könnte man hier aufzählen. Und ein ganzes Buch könnte man über die kulturellen Sonderheiten des Ausseerlandes füllen. Als Glanzlichter von Altaussee können aus Gründen der geforderten Knappheit aber nur zwei Besonderheiten herausgegriffen werden:

Da ist zum einen das Schaubergwerk im Salzberg (der noch immer aktiv betrieben wird und einen Großteil des in Österreich konsumierten Salzes erzeugt) mit seinem Salzsee tief im Inneren des Berges, zu nennen. Den Besuch einer der ganzjährig veranstalteten Führungen sollte man sich nicht entgehen lassen. Zum anderen muss die Gradieranlage mit ihren hübschen kleinen Gebäuden genannt werden. Gradieren bedeutet in der Bergmannssprache, eine Salzlösung zu verstärken, also „grädiger“ zu machen. Dazu wurden in alten Zeiten mit Reisig behängte Wände aufgestellt, über welche die Sole geleitet wurde. Beim langsamen Herabrieseln verdunstete Wasser und die Sole wurde konzentrierter. Heute setzt man modernere Methoden ein, aber für den Kurgast hat man eine solche Gradieranlage adaptiert: Verdunstende Sole ist eine Labsal für die Atemwege und bringt Linderung bei allen möglichen Erkrankungen der Atemwege.

Die Fischerei hat am Altausseersee schon immer eine gewisse Rolle gespielt, heißt doch ein Ortsteil an seinem Gestade „Fischerndorf“. Die Anteile der Fischrechte waren – und sind auch heute noch – mit dem örtlichen Grundbesitz verbunden. Aus einem Urbar von 1267 weiß man, dass damals vier am See gelegene Huben jährlich 3.200 Fische zinsen mussten.

Wald in 45 Meter Tiefe: In 45 Meter Tiefe, im Westteil des Sees, soll ein komplettes Waldstück am Seegrund existieren.

Taucher sammelten Holzproben. Untersuchungen ergaben ein Alter von 1.300 Jahren. War nun im 7. Jahrhundert der See völlig ausgetrocknet oder hat ein Erdrutsch ein ganzes Waldstück in den See befördert? Vorläufig sind beide Möglichkeiten Anlass für Spekulationen.

Aulausseer See - Baden

Sagen#

Der Wassermann als Knecht: Eines Tages fischte ein junger, aber armer Kleinbauer am Altausseersee und zog mit seinem Netz anstatt eines großen Fisches einen scheußlichen Wassermann ans Ufer. – Wahrscheinlich ein Verwandter jenes vom Gurndlsee. – Alles war grün an dem Kerl, nur zwischen den Zehen und Fingern hatte er gelbe Schwimmhäute und seine Augen waren rot. Weil der Wassermann immer wieder zurück in den See wollte, band er ihm Hände und Füsse und trug den gar nicht so schweren Burschen, über die Schulter geworfen, heim. Dort sperrte er ihn im Stall ein, gab ihm Fische zu essen und behandelte ihn freundlich. Der Wassermann wurde mit der Zeit zutraulich und zahm und war für leichtere Arbeiten gut zu gebrauchen. Wenn der Bauer gelegentlich in den Wald ging, musste er ihn aber an einer leichten Kette führen, weil er doch immer wieder zu entkommen suchte. Bei einem dieser Waldgänge zeigte der Wassermann aufgeregt auf eine Quelle bei einer Lichtung. Der Bauer, der schon durstig war, wollt in langen Zügen trinken, spuckte das Wasser aber sogleich wieder aus, denn es war stark salzhaltig – der Wasermann hatte ihn zu einer Salzquelle geführt. Der Bauer meldete seine Entdeckung der Herrschaft, die alsbald mit dem Abbau der Salzlager am Sandling begann. Der junge Mann wurde reich belohnt und konnte nun endlich auch ans Heiraten denken. Als der Hochzeitszug zur Kirche ging, war auch der Wassermann dabei. Ihm hatte man ein schönes buntes Kleid geschenkt. Als man zur Kirche kam, die unweit des Seeufers steht, lief der Wassermann aber plötzlich aus der Reihe und war mit einem Kopfsprung im See verschwunden. Die Prophezeiung des Wassermannes: Eines Sonntags hatte eine Gruppe von Kirchgängern einen nackten Mann im See schwimmen sehen. Als sie näher traten, sahen sie dass er einen Fischschwanz hatte. Die Leute gingen neugierig näher und kamen mit dem leutseligen Wassermann sogar ins Gespräch. Plötzlich sagte er: „Ich weiß drei Sachen, die für euch wichtig sind, aber ihr müsst mich danach fragen, sonst darf ich euch nichts sagen. Und ihr müsst mir bedingungslos glauben.“ „Also sag uns die erste Sache!“, verlangten die Leute. „Seht ihr den Berg dort oben?“, er wies auf den Sandling. „Darin sind rote Steine, und in diesen Steinen ist Salz. Wenn ihr diese Steine ins Wasser legt, dann bekommt ihr eine Sole. Und wenn ihr die Sole zum Sieden bringt, dann habt ihr das weiße Salz. Und wenn ihr tiefer grabt, dann werdet ihr auch auf Salzquellen stoßen.“ Da gerieten die Leute ganz aus dem Häuschen. „Salz“ riefen sie, „Wenn das nur wahr wäre! Ist es auch wirklich wahr?“ Da schüttelte der Wassermann den Kopf. „Ich habe euch doch gesagt, ihr müsst mir glauben und nicht fragen, ob es wahr ist. Nun kann ich euch weiter nichts verraten, als dass ich euch erklärt hätte wie man aus Käsewasser Gold kocht und warum in den Wacholderbeeren ein Kreuz ist…“

Altausseer See - Trisselwand

Wandervorschlag#

Rund um den Altausseersee: Wenige Schritte von der erwähnten Gradieranlage entfernt, gelangt man zur Seeklause, und hier beginnt die vielleicht schönste Wanderung des Ausseerlandes – eine Umrundung des Sees. Siebeneinhalb Kilometer ist dieser gute zwei Stunden in Anspruch nehmende Spaziergang lang. Er weist kaum Steigungen auf. Das eine Mal haben wir die Trisselwand im Blickfeld, dann den Dachstein mit dem gleißenden Hallstättergletscher und schließlich die Felskrone des Losers. Immer wieder erfreuen uns der helle Kiesstrand und die Farbschattierungen des Wassers von Hellgrün bis Grünschwarz. Drei Raststationen laden unterwegs zu Labung und Rast ein; eine davon auf der romantischen „Seewiese“.

Auf den Trisselkogel: Ausgangspunkt ist der Tressensattel, zwischen Grundlsee und Altaussee gelegen. Zuerst geht es über eine Bergwiese, dann aber bald durch Hochwald steil aufwärts. Ewas später verflacht sich der bewaldete Kammrücken. Hier, an der Nordwestseite, wird das Gelände immer alpiner, das Terrain wird felsig aber durch Holzstaffeln werden einige Stellen angenehm begehbar gemacht. Nun geht es über einen mit Latschen bewachsenen Kammrücken weiter und wir genießen einen Blick direkt hinein in die Trisselwand. Nach einem kurzen Steilstück wird das Gelände flach. Wir folgen den Hinweisschildern zum großen Gipfelkreuz am Trisselkogel (1.755 m) und erleben den atemberaubenden Tiefblick auf den Altausseersee. Für den Auf- und Abstieg sind insgesmat 5 Std. zu veranschlagen.
Landkarte: F&B Nr. 281

Steckbrief#

Der Name Aussee leitet sich wohl vom Slawischen ab und scheint mit „osje“, dem „Schatten“ zu tun zu haben.
712 Meter Seehöhe, 53 Meter tief und 2,14 km² groß.
Im Juli und August meist angenehme Badetemperatur von mind. 20 Grad. Kleine Badeanstalt, jedoch 6 km freier, unverbauter Badestrand.
Tauchsport: Fast 80 % des Ufers unterliegen als Laichstätten einem strikten Tauchverbot. Die Tauchzonen liegen beim Ortsteil Fischerndorf mit üppigem Wasserpflanzenbewuchs und vielen Jungfischen und Krebsen sowie im Bereich der „Seewiese“, wo von den Tauchern der berühmte „Versunkende Wald“ aufgesucht werden kann, der auch zahllosen Fischen ein gutes Versteck bietet.

Information: Infobüro Altaussee, Fischerndorf 61, 8992 Altaussee, Telefon: (03622) 1643, E-Mail: info.altaussee@ausseerland.at
Schifffahrt: „Schifffahrt am Altausseersee“, Fischerndorf 2, 8992 Altausee, Tel. 0664/5252811, www.altausseeschifffahrt.at Linienschiffsverkehr bei Schönwetter durch MS Erzherzog Johann mit den Abfahrts-bzw.Haltesstellen „Seewirt“, „Seewiese“ und „Strandcafe“. Das Schiff kann auch für Ausflüge gemietet werden. Linienschiffsverkehr, Bootsvermietung, Tauchen, Sportfischen, Paragleiten und Drachenfliegen am benachbarten Loser, Eislaufen.


© Bild und Text Hilde und Willi Senft