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Weinbaugebiet Neusiedler See - Hügelland#


Das traditionsträchtige Weinbaugebiet, das sich vom Westufer des Neusiedler Sees bis zum Leithagebirge und dem Rosaliengebirge erstreckt, punktet sowohl mit trockenen Qualitätsweinen in Weiß und Rot als auch mit kraftvollen Prädikatsweinen, an deren Spitze wohl der „Rüster Ausbruch" steht. Mit einer jahrhundertelangen Weinbautradition versehen, stellt das Gebiet das historische Herzstück des pannonischen Weinlandes dar. Hier reiht sich ein berühmter Weinort an den anderen. Um die Freistadt Rust, die zugleich Sitz der international anerkannten Weinakademie Österreich ist, scharen sich Orte mit so klingenden Namen wie Purbach, Donnerskirchen, Oggau, Mörbisch, Klein- und Großhöflein (die beide die Landeshauptstadt Eisenstadt umschließen). Südlich von Eisenstadt ist Zagersdorf eine Wiege des österreichischen Weinbaus. Bei Freilegung eines Hügelgrabes aus der Hallstattzeit (700 vor Chr.) wurden hier Gefäße mit Traubenkernen aus dieser Zeit entdeckt.

In Sachen Bodengeologie zeichnet sich das Hügelland durch Vielfalt aus. Während die Hänge des Leithagebirges sowie die Rüster Hügelkette aus kristallinen Verwitterungsgesteinen mit kalkreichen Oberböden bestehen, weisen die tiefer gelegenen Riede um den See sandige Lehmböden mit Schwarzerde-Auflage auf. Im Raum Mattersburg (Pötteisdorf und Umgebung) schließlich herrschen schwerere Lehmböden vor. Obwohl der Rotweinanteil immer weiter steigt (43 Prozent), zählen die „Weißen" (57 Prozent) mit Grünem Veltliner, Welschriesling und Weißburgunder zu den wichtigsten Sorten. Die Palette wird durch Spezialsorten, wie Neuburger, Muskat Otonell und Traminer, ergänzt. In letzter Zeit bemüht man sich vermehrt um Sauvignon Blanc, Furmint und Gelben Muskateller. Bei den „Roten" stehen Blaufränkisch und Zweigelt an der Spitze, gefolgt von St. Laurent, Pinot Noir und Caber-net Sauvignon. 3.600 Weinbauern bewirtschaften im gesamten Gebiet eine Rebfläche von rund 4.000 Hektar.

Kulturinteressierte Besucher dieses Teiles der Weinstraße werden im Übrigen verwöhnt: Die Haydn-Stadt Eisenstadt, die Seebühne Mörbisch, mehrere gewaltige Burgen wie zum Beispiel Forchtenstein (-> Steirisch-burgenländische Schlösserstraße); alles ist in greifbarer Nähe.


Mörbisch am See#


Zählen inzwischen mehr als 220.000 Besucher jährlich und sind zu einem 'Mekka der Operette' herangreift: die Seefestspiele in Mörbisch
Zählen inzwischen mehr als 220.000 Besucher jährlich und sind zu einem "Mekka der Operette" herangreift: die Seefestspiele in Mörbisch

Beginnen wir unsere Reise im Südosten, in Mörbisch am See. Der früher zur Stadtherrschaft Ödenburg (Sopran) gehörende, überwiegend evangelische Weinort, ist durch seine „Hofgasseln" (architektonische Sonderform des fränkischen Langstreckenhofs) geprägt. Es sind die Stiegenvorbauten, die Flurlauben mit Säulchenschmuck und die zum Trocknen aufgehängten Maiskolben, welche die Szenerie so reizvoll machen.

Jenseits der „Hauergasse" ist eine geschlossene Scheunenreihe mit Giebeln erhalten geblieben. International bekannt geworden ist Mörbisch durch seine See-Festspiele, dem mittlerweile größten Operettenfestival der Welt. Erstaunlich gut passt sich die große Open-Air-Bühne in die kleine Bucht am Westufer des Neusiedler Sees ein; romantische Stegbauten runden hier das Landschaftsbild angenehm ab. Die Zuschauertribüne hat mittlerweile über 6.000 Sitzplätze. Dadurch wird mehr als 220.000 Besuchern jährlich ein akustisch und optisch wohl einmaliges Erlebnis geboten. 2006, im 49. Jahr der Seefestspiele Mörbisch, steht der „Graf von Luxemburg" von Franz Lehär auf dem Programm, der hier seine Premiere feiern wird.

 




Rust am See#


Wenige Kilometer nördlich liegt die Freistadt Rust am See, die „Stadt der Störche und des Weins". Infolge der Zugehörigkeit zur habsburgischen Grundherrschaft Ungarisch Altenburg avancierte der Rüster ein bald zum Hauptwein der kaiserlichen Tafel. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde Rust bereits 1681 zur Königlichen Freistadt erhoben. Einen besonderen Reiz verleihen der kleinen Stadt die vielen Störche, die alljährlich aus Afrika wiederkommen. Mehr als ein Dutzend belegter Nester geben dem Ort mit seinen gepflegten Renaissance- und Barockfassaden ein besonderes Flair.

Ein Glanzpunkt ist die am Rande des Hauptplatzes gelegene, von einer Ringmauer umgebene mittelalterliche Fischerkirche. Bedeutende Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert wurden in der Kirche freigelegt. Echte Schätze sind in der Kirche weiterhin eine steinerne Pietà aus dem 14. Jahrhundert und eine gotische Madonna aus dem Jahre 1446. Eine Stichstraße fuhrt vom Ort zur Rüster Bucht mit seiner Marina. Nicht zu vergessen ist schließlich die 1991 gegründete Weinakademie Österreich, die allen Interessierten offen steht. In der Vinothek der Weinakademie sind über 100 Topwinzer mit Salonweinen aus ganz Österreich vertreten.

 

Weitere Informationen unter:

www.tiscover.at/rust
www.weinakademie.at



Donnerskirchen#


Der sich am Rande des Leithagebirges erstreckende Ort Donnerskirchen war in seiner Gründerzeit ein befestigtes Breitangerdorf mit verbautem Anger. Die katholische Pfarrkirche hl. Martin steht in beherrschender Höhenlage auf einer bewehrten Terrasse. Der einheitliche Barockbau wurde 1676 geweiht; wuchtig ist der viergeschossige Westturm mit seinem Zwiebelhelm.

In der Ortsmitte steht die Filialkirche hl. Nepomuk, erbaut am Ende des 18. Jahrhunderts. Der Winzerhof (Haus der Winzergenossenschaft St. Martinus) an der Hauptstraße war ehemals ein Esterházysches Schloss, später ein Meierhof. 1526 wurde in Donnerskirchen die erste Trockenbeerenauslese, nämlich der „Lutherwein" gekeltert. Die Bezeichnung „Lutherwein" erklärt sich dadurch, dass sich die Donnerskirchner zum Luthertum bekannten und erst unter der Androhung des Verlustes von Haus und Hof wieder zum katholischen Glauben gebracht werden konnten.

 

Weitere Informationen unter:

www.tiscover.at/donnerskirchen



Purbach#


Die romantische Kellergasse in Purbach: Insgesamt zählt man hier heute ca. 80 Weinkeller, die meisten entstanden in der Zeit zwischen 1873 und 1900. Einige Keller wurden zu Vinotheken oder Buschenschänken umgebaut.
Die romantische Kellergasse in Purbach: Insgesamt zählt man hier heute ca. 80 Weinkeller, die meisten entstanden in der Zeit zwischen 1873 und 1900. Einige Keller wurden zu Vinotheken oder Buschenschänken umgebaut.

Auf halbem Weg zwischen Neusiedl und Eisenstadt gelegen, ist die kleine Weinbaugemeinde Purbach eines der wichtigsten Weinbauzentren der Region. 500 Hektar Rebflächen und die größte Kellergasse der Gegend mit rund 50 Objekten sprechen für sich. Mitten im Ort bildet sie einen der schönsten Plätze von Purbach.

Neben den hervorragenden Weinen bieten die Purbacher Winzer seit kurzem auch ein Erlebnis besonderer Art: Ambitionierte Weinfreunde können sich Rebstöcke mieten und am Werden ihres eigenen Weines mitwirken. Für den Gegenwert von 800 Euro mietet der Weinfreund 100 Rebstöcke, und er wird ein Jahr lang mit Rat und Tat betreut. An sechs Samstagen während des Jahres kommen die Mieter nach Purbach und werden über die einzelnen Arbeitsschritte im Weingarten bis hin zur Kellerwirtschaft unterrichtet. Jeder dieser Hobby-Winzer bearbeitet seine eigenen Stöcke und bekommt dann nach einem Jahr - oder beim Rotwein nach zwei Jahren - etwa 100 Flaschen eigenen Weines mit persönlichem Etikett.

 

Weitere Informationen unter:

www.tiscover.at/purbach







Breitenbrunn#


In den Räumen dieser alten Erdkeller im Kellerviertel lagert der Wein der Breitenbrunner Weinbauern.
In den Räumen dieser alten Erdkeller im Kellerviertel lagert der Wein der Breitenbrunner Weinbauern.

Weiter geht die Reise: Zwischen dem Leithagebirge und dem Nordende des Neusiedler Sees liegt Breitenbrunn. Das Breitangerdorf ist nach dem klassischen Kolonialschema der Vortürkenzeit angelegt.

Interessant ist der Barockbau der katholischen Pfarrkirche hl. Kunigunde, der innerhalb eines Wehrkirchenhofs aus dem 17. Jahrhundert steht. Der Alte Friedhof ist mit Wehrmauern und Bastionen umgeben und war ein Bollwerk der alten Stadtbefestigung.

 

Weitere Informationen unter:

www.breitenbrunn.at





St. Margarethen#


Weiter in Richtung Süden gelangen wir nach St. Margarethen. Auf einem Hügel mitten im Dorf steht die im Kern mittelalterliche katholische Pfarrkirche hl. Johannes der Täufer und daneben der aus dem 14. Jahrhundert stammende sechseckige Karner.

Berühmt ist in St. Margarethen der Römersteinbruch. Hier werden in einem der ältesten und größten Steinbrüche Europas feinkörnige Kalke und Kalksandsteine abgebaut. Aus diesem Stein wurde unter anderem der Stephansdom in Wien errichtet. Seit mehr als 40 Jahren finden hier alljährlich Symposien moderner Bildhauer aus aller Welt statt, und seit 1961 werden vor der wuchtigen Stein-Kulisse die St. Margarethener Opernfestspiele aufgeführt. 1995 wurde die Idee geboren, neben Passionsspielen auch Opernfestspiele im Römersteinbruch von St. Margarethen aufzuführen, die schnell zu einem festen Begriff für viele Opernfans wurden. 2004 kamen 154.000 Besucher in den Römersteinbruch. 2005, zu Georges Bizets „Carmen", konnte mit 222.785 Besuchern ein neuer Rekord gemeldet werden. 59 Spieltage standen auf dem Programm. 2007 (2006 werden wieder Passionsspiele stattfinden) ist die Inszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Na-bucco" geplant.

 

Weitere Informationen unter:

www.st-margarethen.at
www.ofs.at (Operfestspiele)



Pöttelsdorf#


Ein wenig abseits der Route liegt Pöttelsdorf. Weitum bekannt ist die hier beheimatete Domaine Pötteisdorf mit ihren mehrfach ausgezeichneten Rotweinen (Zweigelt, Blaufränkisch und andere). Die Domaine zählt seit langem international zu den renommierten Weingütern.

Eine sehenswert gestaltete „Weinerlebniswelt" eröffnet dem Besucher überdies den „Weg der Traube".

 

Weitere Informationen unter:

www.tiscover.at/poettelsdorf



Eisenstadt#


Schließlich gelangen wir bei unserer Wein-Rundreise nach Eisenstadt, das von Weingärten umgeben ist. Es würde den Rahmen des Buches sprengen, auf alle kulturhistorischen Schätze der burgenländischen Landeshauptstadt einzugehen. - Daher an dieser Stelle nur ein paar Stichworte: Schloss Esferházy (wohl das bedeutendste Kulturdenkmal des Burgenlandes), allenthalben Reste der Stadtbefestigung, Domkirche hl. Martin, Franziskanerkirche und -kloster hl. Michael, der berühmte steinerne Kalvarienberg, verschiedene Kapellen, bedeutender Schlosspark mit Orangerie, Judenfriedhof, Haydn -Museum, Jüdisches Museum, Landesmuseum Burgenland und Burgenländische Landesgalerie (Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst).

Erwähnt sei hier überdies die reizvoll gestaltete Fußgängerzone. Wer an der Geschichte und den Eigenarten des Burgenlandes interessiert ist, sollte einen längeren Besuch im Landesmuseum Burgenland einplanen: Ausstellungsstücke aus den Bereichen Archäologie, Biologie, Geologie, Kunstgeschichte und Volkskunde geben einen umfassenden Einblick in die Besonderheiten dieses Bundeslandes.

 

Weitere Informationen unter:

www.eisenstadt.at



Kleinhöflein#


Eingemeindet ist der ehemals reine Weinbauort Kleinhöflein, der mit Eisenstadt durch eine Allee von Mandelbäumchen verbunden ist. Links und rechts der Hauptstraße des Angerdorfes stehen reizvolle Streck- und Hakenhöfe, viele mitbarockisierenden Rundgiebeln sowie Hoflauben mit Rundbogenarkaden. Hervorragender Zweigelt und Blaufränkischer (letzterer in Barriques) sowie Welschriesling und neuerdings vermehrt Chardonnay werden hier produziert. Auf einem Hügel hoch über dem Ort, umgeben von einer Wehrmauer, steht die weithin sichtbare gotische Pfarrkirche hl. Veit.

 

Weitere Informationen unter:

www.eisenstadt.at



Großhöflein#


Nur wenige Kilometer entfernt liegt Großhöflein, wo ebenfalls hervorragende Weine gekeltert werden, die vom duftigen Sauvignon Blanc bis zu roten Top-Cuvees reichen. Die Weinbaugemeinde weist neben der sehenswerten spätgotischen Pfarrkirche hl. Johannes aus dem Jahre 1529 mehrere hübsche Gruppen von Streck- und Hakenhöfen mit Giebelfassaden nebst klassischen Hofeinfahrten auf.

 

Weitere Informationen unter:

www.grosshoeflein.at




© "Die schönsten Erlebnisstraßen Österreichs" Hilde und Willi Senft