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Verbreitung#

Die vorliegende Dokumentation zeigt Beispiele von Ziegelgittern aus dem steirischen Raum und einige aus den an die Steiermark angrenzenden Bezirken Kärntens. Die genauen Standorte der einzelnen Objekte sind der Karte II zu entnehmen. —Ist hier in diesem Randbereich der Alpen die Vielfalt und die Pracht solcher Gitter auch besonders ausgeprägt, so findet sich diese Art der Scheunenwandausbildung doch in einem wesentlich weiter gespannten Bereich.

Die Vorkommen von Ziegellüftungsgittern in den Ostalpen erstrecken sich nach eigener Anschauung wie auch nach Aussagen darüber befragter Personen über den östlichen Teil der Zentralalpen und den diesem unmittelbar vorgelagerten Landschaften sowie über den gesamten Bereich der Südalpen mit seinen Ausläufern bis hinunter in die Lombardei; — also über jene Gebiete der Ostalpen, die im großen und ganzen durch mildes Klima und geringe Niederschläge begünstigt sind. Das mag damit zusammenhängen, daß der freiliegende Ziegel wenig Beständigkeit gegenüber einem zu großen Maß an Feuchtigkeit in Verbindung mit Frost aufweist. Vielleicht spielt auch der Einfluß der südlichen Nachbarn, bei denen der Mauerwerksbau und besonders der Ziegelbau eine größere Tradition hat, eine Rolle. Regional ist sicher auch das Vorkommen geeigneten Lehms von Bedeutung gewesen für die Verwendung des Ziegels als Baustoff für landwirtschaftliche Gebäude.

Außer in dem oben skizzierten Bereich, der auch in der Karte I in etwa dargestellt ist, sind mir noch einige isoliert auftretende Vorkommen an Ziegellüftungsgittern bekannt und zwar in Siebenbürgen und in einem bestimmten Bereich nördlich von Wien. Es handelt sich dabei jedoch um sehr schlichte Gittertypen. Vielleicht sollte an dieser Stelle noch daran erinnert werden, daß sich einfache, aus Ziegeln konstruierte Gitter in fast allen Kontinenten in vielen Kulturen finden — nicht nur an landwirtschaftlichen Gebäuden, sondern in heißen Regionen auch im Wohnhausbau. — So belüfteten schon die Bewohner von Chanchan, einer präcolumbischen Stadtanlage in Peru, die ich aus eigener Anschauung kenne, ihre Wohnhäuser über z. T. sehr kunstvoll ausgeführte Gitter aus ungebrannten Lehmziegeln. Wegen der Lage der Stadt im wüstenartigen Küstenstreifen im Westen Südamerikas sind sie weitgehend bis heute erhalten geblieben. Auch in weiten Gebieten Mittel- und Nordafrikas, in Südarabien und in den Wüstengebieten des Iran findet man „Ziegelgitter". Wohl überall, wo Menschen mit dem ungebrannten oder gebrannten Ziegel arbeiten, sind, aus Notwendigkeit oder Spiel mit diesem, einander ähnliche Grundformen von Ziegelgittern entstanden, denn die Proportionen wie auch die Minimal- und die Maximalmaße des Grundelements sind, funktions- und materialbedingt, in vielen, teilweise zeitlich und räumlich voneinander völlig unabhängigen Kulturen, fast gleich. Und in dieser starken gestalterischen Beschränkung liegt wohl nicht zuletzt auch der besondere optische Reiz dieser Gebilde.


© Bild und Texte Hasso Hohmann