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Hallstatt: Gestalt - Denkmal - Attraktion#

Die absolute Vorherrschaft büßte das Salinenwesen ein, als Salz im beginnenden 19. Jahrhundert aus den mythischen Höhen des "Weißen Goldes" in den Rang einer Industrieware herabstieg. Gleichzeitig setzte jedoch eine Entwicklung ein, die andere Themen in den Interessensmittelpunkt rückte und das Salzkammergut rund um Hallstatt als ästhetisches Phänomen, als Künstlerlandschaft und Reiseziel eroberte. Die moderne Entdeckung des Salzkammergutes - zuallererst als "Reiselandschaft" - ist das Ergebnis wachsender Mobilität. Mobilität schärfte das Bewusstsein für Distanz und Nähe, für Heimat und Fremde, für das Schöne und das Erhabene. Erst die Möglichkeit des Reisens und damit des Vergleichens lässt Eigenarten als solche bewusst werden. Die beobachtenden Reisebeschreibungen von J. A. Schultes (1809) und Franz Sartori (1813) sind beredte Zeugnisse dieser neuen "Erfahrungen" und haben auch die ästhetischen Dimensionen erschlossen. Der reisende Künstler erhebt das Salzkammergut zum Kult. Die Landschaft wird in einer Galerie von Bildern - malerischen, graphischen und literarischen - gerahmt, die bis heute spürbar nachwirken. Die schönsten Aussichtspunkte auf den pittoresken Ortskern von Hallstatt oder die Ehrfurcht einflößenden Ansichten des Dachsteingletschers sind längst von Künstlern entdeckt, um heute als touristische Schnappschüsse reproduziert zu werden. Es war der künstlerische Blick, der auch der gesellschaftlichen Prominenz die Augen öffnete und zur Initialzündung einer vielversprechenden Entwicklung wurde: der Geburt von Sommerfrische und Salzkammergut-Tourismus. Zur ästhetischen Aufwertung kommt die wissenschaftliche Erforschung der Region. Die Leistungen eines F. Simony verorteten den Dachstein innerhalb europäischer Wissenschaftsgeschichte, und der erste "Archäologe" J. G. Ramsauer hob die vergessene und in der Tat "verschüttete" Kulturgeschichte der Hallstattzeit ins Bewusstsein einer Weltöffentlichkeit.


© Bild und Texte Anselm Wunderer & Riki Wunderer