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Der 20. Juli 1944#

Obwohl die nicht ausgeheilten Zwölffingerdarmgeschwüre Bernardis während der intensiven Vorbereitungsphase für das Attentat und während des Staatsstreiches schwer zu schaffen machten, erfüllte er am 20. Juli 1944 in Berlin seine Aufgaben voll. Er verfolgte das Ziel des Staatsstreichs auch weiter, als bereits klar war, dass Hitler das Attentat überlebt hatte. (Abb. 8.1)

Da die „Walküre"-Maßnahmen nur schleppend anliefen, schaltete sich Robert Bernardis persönlich ein und bemühte sich um deren Umsetzung v.a. auch im wichtigen Wehrkreis III (Berlin). Bei der Ersatzbrigade „Großdeutschland" in Cottbus löste Bernardis ebenfalls telefonisch „Walküre" aus und gab den Befehl, verschiedene Sendeanlagen sowie alle wichtigen Straßenkreuzungen und Brücken in der Umgebung von Cottbus zu besetzen.

Eine äussert gewagte Massnahme, da Bernardis nicht berechtigt war, "Walküre" auszulösen und noch dazu telefonisch. Dafür waren Fernschreiben der höchsten Geheimhaltungsstufe erforderlich. Noch dazu waren die Gegenmassnahmen des NS-Regimes unter dem Kommando von Major Remer und der SS schon voll angelaufen. Es handelte sich also um eine verzweifelte Massnahme, um zu retten, was nicht mehr zu retten war. "Walküre" war bereits so wie das Attentat auf Hitler gescheitert.

Nur in Paris und Wien konnten die „Walküre"-Maßnahmen erfolgreich durchgeführt werden, da in etwa Wien der Chef des Stabes, Ritterkreuzträger Oberst Heinrich Kodré und Hauptmann Karl Szokoll die Operation umsichtig vorbereitet hatten.

Selbst wenn sich die Tätigkeit von Oberstleutnant i.G. Robert Bernardis am 20. Juli im Oberkommando der Wehrmacht nicht mehr bis in alle Einzelheiten vollständig rekonstruieren lässt, so zeigen doch die Ereignisse, dass er zwar in der zweiten Reihe, aber doch im Zentrum des Geschehens stand. Abb. 8.2

Durch seine Einflussnahme in Berlin war Bernardis als Mitglied der Verschwörergruppe demaskiert. Selbst als die Gegenmaßnahmen des NS-Regimes zu greifen begannen, bemühte sich Bernardis um eine Fortführung des Staatstreiches.

Der Aufstand brach allerdings im gesamten Dritten Reich rasch zusammen, als allgemein bekannt wurde, dass Hitler überlebt und den Reichsführer-SS Heinrich Himmler zum Befehlshaber des Ersatzheeres ernannt hatte.

Die Bendlerstraße wurde von hitlertreuen Offizieren eingenommen, der engste Kreis der Verschwörer im Hof umgehend erschossen. Die Verhaftung Robert Bernardis' erfolgte knapp nach Mitternacht durch den Wiener Sturmbannführer Otto Skorzeny. (Abb. 8.2)


© Texte und Bilder von Dr. Glaubauf und Dr. Trauner