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Robert Bernardis - Österreichs Stauffenberg#

Vor hundert Jahren, am 7. August 1908, wurde Robert Bernardis, den der Herzogenburger Historiker Karl Glaubauf "Österreichs Stauffenberg" nennt, in Innsbruck geboren. Am 8. August 1944 wurde er nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Oberstleutnant des Generalstabs Robert Bernardis ist der einzige österreichische Offizier, der im Rahmen der Ereignisse des 20. Juli 1944 in einer Schlüsselstellung eine bedeutsame Rolle spielte und dessen Leben und Sterben in vieler Hinsicht für den Idealismus der kleinen Gruppe um Stauffenberg charakteristisch ist."[1]

So würdigt der renommierte österreichische Zeithistoriker Ludwig Jedlicka das Wirken des österreichischen Offiziers in Berlin und als Verantwortlicher für das "Walküre - Unternehmen" im Wiener Wehrkreis.

Das Bild (Abb. 1) zeigt Leutnant Robert Bernardis 1936 vor seiner Aufnahme in die Generalstabsausbildung des österreichischen Bundesheeres in der österreichischen Uniform der Zeit des Ständestaates, die der Uniform der Monarchie nachempfunden war. Abb. 1

1. Kindheit und Jugend#

Robert Bernardis entstammt einer typisch altösterreichischen Soldatenfamilie. Schon sein Großvater, Pietro Bernardis, arbeitete im Kriegshafen Pola/Pula als Schiffszimmermann, wo später auch sein in Rovigno/Rovignj (beide heute: Kroatien) geborener Vater, Nikolaus (Niccolo) Bernardis, sein Berufsleben begann und sich bis zum Bauingenieur beim Militär emporarbeitete. Neben den damals wichtigen Festungsbauten in Südtirol errichtete Nikolaus Bernardis auch die große Kadettenanstalt in der Hütteldorferstraße (Wien XIV).

Das militärische Milieu spiegelt sich in Robert Bernardis' Leben bereits in seiner Kindheit; ständige Veränderungen des Wohnorts gehörten dazu. Geboren wurde er in Innsbruck (Tirol), die Übersiedlung nach Linz (Oberösterreich) erfolgte durch eine Versetzung des Vaters bereits wenige Jahre später. Robert Bernardis fühlte sich deshalb zeitlebens als Linzer.

Innsbrucker Christuskirche
Innsbrucker Christuskirche (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1906)

Taufkapelle
Innsbrucker Christuskirche - Taufkapelle

Taufmatrikel.jpg
Taufmatrikel


In der Innsbrucker Christuskirche wurden Robert wie auch sein älterer Bruder Friedrich („Fritz") evangelisch A.B., d.h. lutherisch, getauft; wahrscheinlich in der damals noch existierenden Taufkapelle. Ihre Eltern waren - offenbar aus eherechtlichen Gründen - seinerzeit evangelisch geworden.

In der Taufmatrikel ist die gesamte Familie deshalb als evangelisch eingetragen.

Familie Bernardis
Familie Bernardis

Bei Kriegsausbruch meldete sich der Vater, obwohl schon 52 Jahre alt, zum Kriegsdienst.

Ein Foto aus dem Jahr 1918, in der Zeit des Zusammenbruchs der Monarchie aufgenommen, zeigt die Familie Bernardis ganz im Sinne dieses Milieus: der strenge Vater, beide Söhne - der linke ist Robert - in der Uniform der Zöglinge an Militärschulen.

1918 kehrte Nikolaus Bernardis als Hauptmann heim. In dieser Zeit sozialer und materieller Not schloss sich Nikolaus Bernardis der oberösterreichischen Heimwehrbewegung unter Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg an; durch sie glaubten viele altösterreichische Offiziere noch am ehesten ihre Interessen vertreten.

Nach der Volksschule besuchte Robert Bernardis bis Weihnachten 1918 die Militärunterrealschule in Enns (Abb. 1.5; hier eine Grußkarte aus dem Jahr 1909) und setzte die Ausbildung nach der Schließung der Schule in den Bundeserziehungsanstalten Traiskirchen und Wiener Neustadt (beide: Niederösterreich) - dem heutigen Militärrealgymnasium, das damals in der Burg, dem Gebäude der Militärakademie (Abb. 1.6), untergebracht war - fort. Hier erwartete ihn, wie er sich später erinnerte, „Internatsleben mit viel Hunger, Kälte, wenig Bekleidung und gottlob viel Sport ..."[2] Während seiner Zeit in Traiskirchen, im Mai 1923, wurde er auch konfirmiert, und zwar in Baden bei Wien (Niederösterreich).

Robert Bernardis
Robert Bernardis
Bernardis maturierte 1925 in Wiener Neustadt, wollte aber anschließend nicht, wie von seinen Eltern angeregt, die technische Hochschule besuchen, denn „dies dauerte mir zu lange, ich wollte unabhängig werden, meinen Beruf haben, daher zwei Jahre Gewerbeschule, Matura, dann Bautechniker"[3]

Er fand allerdings zunächst keine seiner Ausbildung adäquate Beschäftigung, sondern musste sich vorerst als Maurer und Vorarbeiter seinen Lebensunterhalt verdienen. Daher ging er, wie er später erklärte, schließlich „den Weg ins Militär, so wie viele andere es taten — weniger aus großer Begeisterung, als aus Not"[4]

Ein Foto der Zeit zeigt einen jungen, schaffensfrohen Mann, der aber auch schon die Schwierigkeiten des Lebens kennengelernt hatte. Mit dem Weg ins Militär fand Robert Bernardis seinen Platz im Leben. Dabei ist es sozialgeschichtlich schon mehr als bezeichend, dass es ihm als Bauingenieur und Schwiegersohn des grossen Linzer Baumeisters Feichtinger nicht gelang, in der Bauwirtschaft Fuss zu fassen. Er wählte bei seinem Eintritt in das Bundesheer die Pioniertruppe, weil sie seinem ursprünglichen Berufswunsch am nächsten kam.


[1] Jedlicka, Seite 37 ; die vorliegende Studie beruht wesentlich auf dem 1994 anläßlich des 50. Jahrestages des Attentats auf Hitler von Karl Glaubauf im Selbstverlag publizierten und reich illustrierten Buch : Robert Bernardis - Österreichs Stauffenberg. Auch das "epitheton ornans" : "Österreichs Stauffenberg" wurde 1994 durch den Verfasser dafür eigens generiert, ist also geistiges Eigentum von Karl Glaubauf und inzwischen erfreulicherweise "opinio communis" der Fachwelt.
[2] Robert Bernardis: Handschriftlicher Lebenslauf (ohne Überschrift). In: ÖStA-AdR, DB: Robert Bernardis, Seite 2
[3] Robert Bernardis: Handschriftlicher Lebenslauf (ohne Überschrift). In: ÖStA-AdR, DB: Robert Bernardis, Seite 2
[4] Robert Bernardis: Handschriftlicher Lebenslauf (ohne Überschrift). In: ÖStA-AdR, DB: Robert Bernardis, Seite 3
© Texte und Bilder von Dr. Glaubauf und Dr. Trauner