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Rückblick des Rektors#

(Amtsperiode 2007-2011)#


von
Rektor Hans Sünkel



Die TU Graz feiert heuer ihr 200-jähriges Bestehen: als moderne, zukunftsorientierte Universität mit Weitblick und Visionen, verwurzelt mit ihrer Tradition und auf dem Weg zur internationalen Spitze.

Als eine der traditionsreichsten Universitäten in Österreich entwickelte sich die TU Graz im Laufe der Zeit zu einer weithin geschätzten Technischen Universität, die konsequent ihre Ziele verfolgt und nicht nur am Puls der Zeit lebt, sondern diesen vielmehr mitbestimmt. Die kontinuierliche Entwicklung und eine kluge Vorausschau auf zukünftige Anforderungen haben dazu beigetragen, dass die TU Graz in hellem Glanz erstrahlt. Diesen erfolgreichen Weg ein Stück weit mitzugestalten war die Mission des Rektorates der TU Graz in den letzten vier Jahren.

Meilensteine gab es viele – detailliert beschrieben sind sie in den Beiträgen der Vizerektoren. Einige Höhepunkte mit universitätsweiter Bedeutung möchte ich im Folgenden besonders hervorheben.


Forschung als Basis

In den letzten Jahren wurden fünf thematische Stärkefelder definiert. Diese disziplinenübergreifenden Bereiche repräsentieren heute das Leistungsspektrum und prägen damit den unverwechselbaren wissenschaftlichen Fingerabdruck der TU Graz: "Advanced Materials Science", "Human- & Biotechnology", "Information, Computing, and Communication Technologies", "Mobility Research and Production Sciences" und "Sustainability in Design, Construction and Energy Systems".


Die TU Graz prägt die Forschungslandkarte Österreichs in unverwechselbarer Weise. Durch die überproportionale Beteiligung an zahlreichen Kompetenzzentren des Förderprogramms COMET der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft gelang es im Jahr 2010, die Spitzenposition im größten österreichischen Forschungsprogramm noch weiter auszubauen. Die TU Graz ist österreichweit an drei von fünf K2-Zentren und dreizehn von sechzehn K1-Zentren sowie an neun K-Projekten als wissenschaftliche Partnerin beteiligt. Ferner hält die TU Graz gesellschaftsrechtliche Anteile an den Trägerfirmen von neun Kompetenzzentren und einem K-Projekt. Diese hohe Beteiligung der TU Graz macht deutlich sichtbar, von welchem Engagement die letzten Jahre geprägt waren: Der Weg zur Exzellenz mit einer deutlich internationalen Ausrichtung ist geebnet und verhilft der Steiermark zum Innovationsstandort Nummer eins in Österreich und Nummer zwei unter allen Regionen Europas!


Die Forschung ist seit jeher ein besonderes Stärkefeld der TU Graz. Neben der erkenntnis- und anwendungsorientierten Forschung wird oft vom "third task" der Universitäten gesprochen, dem Wissens- und Technologietransfer, primär im Wege von Kooperationsprojekten samt administrativer Begleitung sowie der Verwertung von geistigem Eigentum durch Lizenzierung, Patentverkauf und Spin-off-Gründung. Besonders erfreulich sind daher die Aktivitäten in der Technologieverwertung. Im Ranking des österreichischen Patentamtes 2009 rangierte die TU Graz bereits zum zweiten Mal in Serie als einzige Universität unter den zehn innovativsten „Unternehmen“ in Österreich. Erstmalig wurde im Jahr 2009 vom Österreichischen Patentamt ein heimisches Uni-Erfindungsranking erstellt. Hier lag die TU Graz an erster Stelle und beweist mit dieser Spitzenstellung die Vorreiterrolle sowohl im Vergleich mit Hochschulen als auch mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft.


Lehre und Studien

Die Qualität in Forschung und Lehre konsequent zu steigern, ist erklärtes Ziel der TU Graz. Dem Aufwärtstrend der vergangenen Jahre wurde die TU Graz auch im Bereich der Studien 2010 gerecht: Die Attraktivität der TU Graz bildet sich in den stetig steigenden Studierendenzahlen ab (derzeit nahezu 12.000 Studierende). Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass für Absolventinnen und Absolventen die Berufsaussichten im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich weiter sehr gut sind. Die TU Graz hat mit 2008 bereits vorzeitig alle ihre Studien gemäß den Bologna-Vorgaben auf das Bachelor-/Mastersystem umgestellt und erfüllt damit die erforderlichen Voraussetzungen zur Teilnahme am gemeinsamen europäischen Hochschulraum. Neue Kooperationsabkommen mit ausländischen Universitäten und der Ausbau des Angebotes im Bereich der Sprachen und Schlüsselkompetenzen ermöglichen den Studierenden, ihren Horizont über das vermittelte Fachwissen hinaus zu erweitern. Die Umsetzung in der Lehre wird an unserer Alma Mater schon seit Jahren durch E-Learning unterstützt. Dabei werden durch intelligente Vernetzung der vorhandenen Wissensressourcen sowohl Qualität als auch Effizienz in der Lehre gesteigert. Auch im Bereich der Sprachen und Schlüsselkompetenzen bietet die TU Graz ihren Studierenden ein sehr breites Spektrum, um das Fachwissen mit immer stärker geforderten Soft Skills zu ergänzen.


Maßgebliche Impulse kommen aber auch von den Studierenden selbst, die ihre studentischen Leistungen in internationalen Wettbewerben herausragend unter Beweis stellen. Insbesondere sollen hier die Erfolge des TU Graz Racing Teams und der RoboCup-Teams ausdrücklich erwähnt werden. Mittlerweile behaupten sich drei Racing Teams international erfolgreich in den verschiedenen Bewerben, davon fahren zwei mit alternativen Antriebskonzepten umweltfreundlich Richtung Erfolg. Der RoboCup ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, um Ausbildung, Forschung und Entwicklung in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik zu fördern und zu stärken. 2009 holte die TU Graz mit dem RoboCup die weltweit größte Robotikveranstaltung nach Austragungsorten wie Atlanta und Shanghai in die steirische Landeshauptstadt.


Infrastruktur in neuem Glanz

Zu ihrem großen Jubiläum erstrahlt die TU Graz auch optisch in neuem Glanz. Zahlreiche Bauvorhaben schafften neue Infrastruktur als Basis für Spitzenleistungen in Lehre und Forschung. Besonderes Highlight: das neue Chemiegebäude, durch das die Universitätsgebäude der Neuen Technik zu einem sehr attraktiven Campus verschmolzen sind. Rund um das neue Chemiegebäude gestaltet die TU Graz gemeinsam mit der Stadt Graz eine verkehrsberuhigte Zone mit Grünflächen. Das moderne Gebäude mit attraktivem Vorplatz wertet den Bezirk Jakomini wesentlich auf und ist städtebaulich von großer Bedeutung. Ein weiteres Großprojekt der TU Graz, das sich derzeit in Realisierung befindet, sind das Produktionstechnikzentrum und das Haus des Kindes am Campus Inffeldgasse. Nach erfolgreichen Vorarbeiten und zähen Verhandlungen erfolgt im Juli 2010 der Spatenstich zu diesen Gebäuden, die mehr Platz für Lehre und Forschung sowie die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Kompetenzzentren, aber auch ein eigenes Reich für den Technik-Nachwuchs bringen.


Kooperation als Erfolgsfaktor

Aber nicht nur durch zahlreiche bauliche Projekte präsentiert sich die TU Graz als fortschrittliche und attraktive Forschungs- und Lehranstalt. Kooperation bleibt Erfolgsrezept der TU Graz am Übergang in das dritte Jahrhundert ihres Bestehens: Die Nähe zur Wirtschaft und die Vernetzung mit der Industrie, die sich eindrucksvoll in einer Vielzahl von Kooperationen mit Unternehmen und der Beteiligung an Kompetenzzentren und Kom¬petenznetzwerken widerspiegelt, stellt eine der herausragenden Stärken der TU Graz dar. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre profitieren Wissenschafterinnen und Wissenschafter davon genauso wie Studierende. Ausgezeichnete Kontakte spiegeln sich auch in zahlreichen Beteiligungen an Forschungsnetzwerken, Christian Doppler Laboratorien sowie den Fields of Expertise wider - mit einer beachtlichen Zahl an Forschungsprojekten gelang so selbst in weltwirtschaftlich schwierigen Zeiten eine kontinuierliche Steigerung der eingeworbenen Drittmittel: Diese steigenden Einnahmen und Erlöse in den Drittmittelaktivitäten bedingen gleichzeitig einen höheren Bedarf an Drittmittelpersonal und schaffen somit zusätzliche wissenschaftliche Arbeitsplätze in beachtlicher Anzahl.


Conclusio

Mit dem Einsatz vieler renommierter Persönlichkeiten aus Forschung und Lehre ist unsere TU Graz in den letzten zwei Jahrhunderten von einer kleinen Lehranstalt zu einer bedeutenden Universität herangewachsen. Den Vergleich mit so manchen Institutionen von Weltruf brauchen wir in vielen Bereichen nicht mehr zu scheuen. In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre unermüdliche Arbeit, die unsere Universität nicht nur zu einem Ort hervorragender Leistungen, sondern auch zu einem Ort des Wohlfühlens und Miteinanders machen. Ich bedanke mich für das stets konstruktive Klima der Zusammenarbeit in und zwischen den drei Leitungsgremien: Universitätsrat, Senat und Rektorat. Gleichzeitig gilt mein Dank allen Partnern, die unsere TU Graz unterstützen und beständig auf ihrem Erfolgsweg begleiten.




Hans Sünkel
Rektor der TU Graz