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Die Technik in Graz#

Von Josef W. Wohinz


Aus Tradition für Innovation#

Insignien
Traditionelle Insignien der akademischen Funktionäre an der Technik in Graz (Foto: H. Tezak)

Die Technische Universität Graz von heute geht in ihren Anfängen auf eine Stiftung von Erzherzog Johann von Österreich im Jahre 1811 zurück. Er übergab damals seine naturwissenschaftlichen Sammlungen den Ständen des Herzogtums Steiermark, und das danach benannte Joanneum wurde zur Keimzelle der späteren Universitätsentwicklung. Die Technik in Graz zählt damit zu den traditionsreichen Lehr- und Forschungseinrichtungen ihrer Art. Dieses Traditionsbewusstsein kann jedoch nicht unreflektiert gepflegt werden.


Es sind etwa 30 Jahre her, da hatte an den Universitäten - nicht nur unseres Sprachraumes - ein provokantes Motto hohe Aktualität: "Weg mit den Talaren, unter ihnen steckt der Muff von tausend Jahren!". Talar, Barett, Amtsketten der Rektoren und Dekane sowie das Szepter der Universität sind ja in der Tat deutlich sichtbare Zeichen eines Traditionsbewusstseins.

Wenn trotz aller Kritikpunkte diese Ausstattungsstücke auch heute bei allen akademischen Festakten noch Verwendung finden, so ist dies für die jeweiligen akademischen Funktionäre mehr oder weniger selbstverständlich. Auch die überwiegende Zahl der zu einer Promotion oder Sponsion geladenen Studierenden - und mehr noch ihre Angehörigen -

Gedenktafel
Gedenktafel für die gefallenen akademischen Mitbürger im Stiegenaufgang des Hauptgebäudes (Foto: H. Tezak)
schätzen die Gestaltung des Studienabschlusses in dieser festlichen Weise. Dennoch sollte diese Tradition am Ende des 20. Jahrhunderts durchaus hinterfragt werden.



Gerade an einer Technischen Universität, an der ja technischer Fortschritt das universitäre Wirken immer stark prägte und Veränderung im weitesten Sinn auch heute noch prägt, erscheint nun dieses Spannungsfeld zwischen Tradition einerseits und Innovation andererseits besonders herausfordernd und damit auch stimulierend.





Tradition als Überlieferung#

Tradition bedeutet (nach Duden) die Überlieferung, den Brauch, die Gewohnheit, die Gepflogenheit bzw. die Weitergabe (an spätere Generationen). Traditionalismus umschreibt jene geistige Haltung, die bewusst an der Tradition festhält, sich ihr verbunden fühlt und skeptisch allem Neuen gegenübersteht.


Erinnerungsblatt
Erinnerungsblatt aus dem Gedenkbuch des Verbandes ehemaliger Grazer Techniker (Universitätsarchiv TU Graz)

Nun scheint es durchaus angebracht, auch an der Technik in Graz Traditionsbewußtsein zu pflegen und damit Verbundenheit zu zeigen in mehrfacher Hinsicht:

  • Verbundenheit mit dem Gründer des Joanneums, Erzherzog Johann, der als "Habsburgs grüner Rebell" (nach H. Magenschab) die Keimzelle der heutigen "Alma mater Joannea" stiftete
  • Verbundenheit mit den jungen Menschen, die an dieser Universität studierten und zu denen beispielsweise in den Jahren 1876/77 und 1877/78 auch Nikola Tesla zählte. Der spätere Gegenspieler T.A. Edisons wird heute als einer der genialsten und phantasievollsten Erfinder (von manchen als der vermutlich größte Erfinder aller Zeiten und Völker) eingestuft (nach Josef Hermann Stiegler)
  • Verbundenheit mit den UniversitätsmitarbeiterInnen, die an dieser Stätte wirkten und damit den heutigen Ruf begründeten. Stellvertretend soll hier Richard Zsigmondy erwähnt werden, der als Assistent und Privatdozent in den Jahren 1893 bis 1898 Lehrveranstaltungen über Chemische Technologie abhielt und dem 1926 rückwirkend für 1925 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde


Aber was wäre eine Technische Universität heute und in Zukunft, wenn sie nur aus der Vergangenheit lebte? Oder noch krasser formuliert: Was wäre, wenn sie auf dem Stand der Technik von 1811 stehen geblieben wäre?


Offensichtlich ist gerade mit der Technik der Begriff des technischen Fortschritts untrennbar verbunden und macht damit auch einen Wesenszug einer Technischen Universität aus. Oder - um ein aktuelles Schlagwort unserer Zeit aufzugreifen - Technik kann - bei aller Tradition - nicht losgelöst von Innovation gesehen werden.




Innovation als Erneuerung #

Josef Schumpeter
Joseph A. Schumpeter
(Foto: Bildarchiv, ÖNB Wien)

Innovation bedeutet (nach Duden) Erneuerung, Veränderung, heute insbesondere die Entwicklung neuer Ideen, Techniken, Produkte o.ä.. Noch in der Duden-Ausgabe des Jahres 1966 wurde unter dem Begriff der Innovation lediglich der Erneuerungsspross bei mehrjährigen Pflanzen erwähnt. Dabei hat der Begriff der Innovation auch im heutigen wirtschaftswissenschaftlichen Sinn bereits Tradition. Er geht auf Joseph A. Schumpeter (1883-1950) zurück. Dieser große österreichische Vertreter der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften lehrte in den Jahren 1911 bis 1918 als ordentlicher Professor der politischen Ökonomie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Er war - im Jahre 1911 - der jüngste ordentliche Professor der Monarchie überhaupt.



Joseph Alois(ius Julius) Schumpeter wurde am 8. Februar 1883 in der kleinen mährischen Stadt Triesch (heute Trest) geboren. Seine Eltern gehörten der dort lebenden, deutschsprechenden Minderheit an; sein Vater war Tuchfabrikant. Im Oktober 1888 zog seine Mutter, nach dem Tod ihres Mannes, mit ihrem Sohn nach Graz. Hier besuchte Joseph die Volksschule. 1893 übersiedelte man nach Wien. Schumpeter wurde in das Theresianum aufgenommen und schloss dort im Jahre 1901 mit Auszeichnung ab. Er begann danach an der Universität Wien das Studium der Rechtswissenschaften und der Politischen Wissenschaft, hatte aber offensichtlich immer schon die Nationalökonomie im Auge. Er nahm darüber hinaus an Seminaren in Statistik und Mathematik teil und legte 1905 im Alter von 22 Jahren dazu die ersten Publikationen vor. Nach fünf Jahren Studium wurde Schumpeter im Jahre 1906 zum Doktor der Rechte promoviert.

Doch sein großes Interesse galt insbesondere der ökonomischen Theorie - er wollte Nationalökonom werden. Nach einer ausgedehnten Reise nach Deutschland, Frankreich und England konnte er im Jahre 1909 seine Habilitation zum Privatdozenten in Politischer Ökonomie erfolgreich abschließen. Im selben Jahr wurde er als außerordentlicher Professor an die Universität von Czernowitz (in der heutigen Ukraine) berufen. Vermutlich hatte er einen Ruf an eine angesehenere Universität angestrebt; so nahm er bereits im Jahre 1911 einen Ruf als ordentlicher Universitätsprofessor der Politischen Ökonomie an die Universität Graz an.

Programm 1919

Programm 1919
Auszug aus dem Programm der Technischen Hochschule in Graz für das Studienjahr 1919/20 (Universitätsbibliothek TU Graz)

Schumpeter hatte in dieser Zeit in Graz umfangreiche Lehrverpflichtungen zu erfüllen. Auch an der Technik in Graz lehrte er in den Studienjahren 1912/13 bis 1919/20 die Fächer Volkswirtschaftslehre und Volkswirtschaftspolitik. So erledigte er ein beträchtliches Arbeitspensum. Da er zu dieser Zeit der einzige Professor für Volkswirtschaftslehre in Graz war, wurde er - trotz Musterung - nicht zum aktiven Militärdienst herangezogen. So ergab es sich auch, dass unter Schumpeter als damaligem Rektor am 20. Juli 1917 dem steirischen Dichter Peter Rosegger das Ehrendoktorat der Universität Graz verliehen wurde.


Bereits in den Jahren 1913/14 nahm er eine Gastprofessur in den Vereinigten Staaten an der Columbia University in New York an. Nach dem Ersten Weltkrieg verließ er die akademische Laufbahn und wurde 1919 zum Finanzminister in der neu begründeten Republik Österreich bestellt. Bereits sieben Monate nach seiner Ernennung wurde er allerdings wieder entlassen. Die folgenden Jahre waren für ihn eine Periode großer Schwierigkeiten.


Nach Beurlaubung bzw. Befreiung von seinen Lehrverpflichtungen in Graz wurde er Präsident einer kleinen Wiener Bank und begann, beträchtliche Investitionen in verschiedenen Unternehmungen vorzunehmen. Mit der Wirtschaftskrise im Jahre 1924 entstanden ernste Schwierigkeiten, die auch zur Entlassung Schumpeters als Vorstandsvorsitzender führten. So war es eine große Hilfe für ihn, als er 1925 einen Ruf an den Lehrstuhl für öffentliche Finanzwirtschaft an der Universität Bonn erhielt und im selben Jahr auch ernannt wurde.


Schumpeters Lehrtätigkeit in Bonn war überaus erfolgreich; dennoch entschloss er sich - nach Gastprofessuren in den Jahren 1927/28 - im Jahre 1932 dazu, Europa langfristig zu verlassen.


Er nahm ein Angebot der Harvard University in Cambridge/ Massachusetts an und gehörte ihr bis zu seinem Tode an. Schumpy, wie er von den Studenten vielfach genannt wurde, genoß große Popularität und war gleichzeitig wissenschaftlich höchst geachtet. So war er in den Jahren 1937 bis 1941 Präsident der Econometric Society, 1948 Präsident der American Economic Association und 1949 wurde er zum ersten Präsidenten der International Economic Association gewählt. Joseph A. Schumpeter starb am 8. Jänner 1950 in seinem Landhaus in Taconic/Connecticut.

Am Beginn seiner Zeit in Graz, nämlich im Jahre 1911, erschien sein wohl wichtigstes Werk "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" (/133/). In diesem ging er erstmals auf das Wesen der Innovation in der heutigen Deutung unter dem Begriff "Durchsetzung neuer Kombinationen" ein und beschrieb die folgenden fünf Fälle:

  1. Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreise noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes.
  2. Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht praktisch bekannten Produktionsmethode, die keineswegs auf einer wissenschaftlich neuen Entdeckung zu beruhen braucht und auch in einer neuartigen Weise bestehen kann, mit einer Ware kommerziell zu verfahren.
  3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes, d.h. eines Marktes, auf dem der betreffende Industriezweig des betreffenden Landes bisher noch nicht eingeführt war, mag dieser Markt schon vorher existiert haben oder nicht.
  4. Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten, wiederum: gleichgültig, ob diese Bezugsquelle schon vorher existierte - und nur vielleicht nicht beachtet wurde oder für unzulänglich galt - oder ob sie erst geschaffen werden muss.
  5. Durchführung einer Neuorganisation, wie Schaffung einer Monopolstellung (z.B. durch Vertrustung) oder Durchbrechen eines Monopols.


Joseph A. Schumpeter differenzierte in der weiteren Folge deutlich zwischen Invention, Innovation und Imitation, was in den folgenden Formulierungen (nach G.F. Ray) zum Ausdruck kommt:

  • Invention: obvious first step toward any new product or process
  • Innovation: process of finding economic application for the inventions
  • Imitation: process by which innovation is diffused throughout the industry or the economy.

Im Grunde wird in etwas abgewandelter Form auch heute dieser Begriffsinhalt verwendet, je nachdem, welcher Schwerpunkt im Rahmen eines betrieblichen Innovationsprozesses im Vordergrund steht, werden beispielsweise unter Beziehung auf K.E. Knight vier Formen unterschieden:

  • Produktinnovationen als Erneuerung im Sachziel von soziotechnischen Systemen (entspricht: product oder service innovations)
  • Verfahrensinnovationen als geplante Veränderungen im Prozeß der Faktorkombination (entspricht: production-process innovations, i.e. introduction of new elements in the organization's task, decision, and information systems or its physical production or service operations, the advances in the technology of the company)
  • Strukturinnovationen als geplante Veränderungen von Aufgabenzuordnungen, Autoritätsbeziehungen oder Kommunikationssytemen (entspricht: organizational-structure innovation, i.e. the introduction of altered work assignment, authority relations, communication systems, or formal rewards systems into the organization)
  • Sozialinnovationen als geplante Änderungen im Humanbereich von soziotechnischen Systemen (entspricht: people innovation, i.e. altering the personnel by dismissing and/or hiring and modifying the behavior or beliefs of the people in organization via techniques such as education or psychoanalysis).

Innovation (als "Aufbruch ins Neuland") kann durch die Merkmale

  • Neuigkeitsgrad
  • Komplexität
  • Unsicherheit/Risiko
  • Konfliktgehalt

gekennzeichnet werden und erfordert deshalb Innovationsbereitschaft (Wollen) und Innovationsfähigkeit (Können) zum erfolgreichen Erreichen eines angestrebten Zustandes. Im günstigen Fall spricht man von einem positiven Innovationsklima, im anderen Fall liegen Innovationsbarrieren vor, die für eine Veränderung erst überwunden werden müssen.



Übertrag auf die universitäre Situation#

Ausdrucksformen
Aktuelle Ausdrucksformen der corporate identiy an der Technik in Graz (Foto: H. Tezak)

Überträgt man diese Überlegungen auf die aktuelle universitäre Situation, so können durchaus bestimmende Merkmale herausgearbeitet werden.

In einer extern orientierten Betrachtung kann zunächst allgemein festgehalten werden, daß natürlich dieselbe starke Dynamik im Umfeld wirkt, wie sie auch sonst allerorten festzustellen ist. Dies betrifft die Kategorien

  • der gesellschaftlichen Entwicklung
  • der politischen Entwicklung
  • der wirtschaftlichen Entwicklung
  • der ökologischen Entwicklung
  • der technischen Entwicklung.

Aus der Dynamik in diesen Umfeldkategorien wird hier beispielhaft auf Veränderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen - als Ergebnis der gesellschaftlichen bzw. politischen Entwicklung - hingewiesen.


Mit der Veränderung gesetzlicher Rahmenbedingungen werden natürlich auch die internen Arbeitsbedingungen innerhalb der Universität wesentlich beeinflusst. Überlagert wird diese Entwicklung durch die allgemeine Forderung nach "schlanken Organisationen", wie sie in dem Management-Bestseller von Womack J.P., Jones D.T. und Roos D. (/172/) für die Autoindustrie so überzeugend beschrieben werden; "Lean University" kann durchaus zum Schlagwort zukünftiger universitärer Diskussionen werden!


Wie werden nun solche Entwicklungen innerhalb der Universität gesehen? Werden sie als Bedrohung interpretiert, weil dadurch bestehende Strukturen bewußt in Frage gestellt werden müssen? Oder werden sie auch als Chance angesehen, um vielleicht längst sinnvolle Anpassungsprozesse einleiten zu können? Es bleibt also die Frage offen, wie sehr es einer Organisation wie der Universität gelingt, vorhandene interne Stärken zu ver-stärken und Schwachstellen zu beseitigen, um damit entsprechende Voraussetzungen für überdurchschnittliche Ergebnisse auch in der Zukunft zu schaffen.


Im Untertitel dieses Buches wird darauf hingewiesen, dass an der Technik in Graz aus "Tradition für Innovation" gedacht und gearbeitet wird; drei Beispiele sollen hier stellvertretend für dieses innovative Engagement angeführt werden:

  • Das Engagement des Gründers, Erzherzog Johann von Österreich, der seine persönliche Einstellung im Gründungsstatut 1811 eindrucksvoll ausformulierte
  • Die Promotion des ersten Doctors der technischen Wissenschaften in der k.u.k. Monarchie, mit der 1901 eine neue Ära der organisationsrechtlichen Entwicklung für Technische Hochschulen in Österreich eingeleitet wurde
  • Die Implementierung des UOG 1993; wobei die Technik in Graz unter den ersten Universitäten in Österreich und als einzige mit einer ausgeprägten Fakultätengliederung Pilotfunktion übernahm


Zusammenfassung und Ausblick#

Als Resumee der Betrachtungen über das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation an der Technik in Graz kann abgeleitet werden:

  1. Tradition als Verbundenheit mit dem Überlieferten erscheint wichtig und zweckmäßig. Traditionalismus als Geisteshaltung wird aber dann gefährlich werden, wenn diese Verbundenheit mit dem Überlieferten dazu führt, daß man skeptisch allem Neuen gegenübersteht und dadurch erschwert oder sogar verhindert wird, dass neue, zeitgemäße Lösungen gesucht, gefunden und auch umgesetzt werden
  2. Die Tradition der "Alma mater Joannea" stellt einen Wert dar, der alle Universitätsangehörigen - Studierende, AbsolventInnen wie UniversitätsmitarbeiterInnen -, aber auch die Gesellschaft mit Stolz erfüllen kann und deshalb auch bewusst gepflegt werden sollte
  3. Gleichzeitig sollte aber das Bemühen um Bereitschaft und Fähigkeit zur Innovation ebenso bewußt gestärkt werden. In einem sich überaus dynamisch entwickelnden Umfeld wird eine Universität nur dann die von der Gesellschaft erwarteten Beiträge liefern können, wenn aktuelle und zukünftige Entwicklungen rechtzeitig erkannt werden und danach auch gehandelt wird
  4. Innovation als Aufbruch ins Neuland stellt immer ein ungewisses, risikobehaftetes, schwieriges Unterfangen dar. Eine Innovation wird aber dann um so erfolgreicher gelingen, wenn Bereitschaft und Fähigkeit dazu gegeben sind. Dabei kann es durchaus von Vorteil sein, wenn Einsichten und Erfahrungswerte aus bisherigen Aktivitäten verwendet und zumindest teilweise in die Zukunft übertragen werden können
  5. Die Gestaltung strategischer Erfolgspositionen als Grundlage für überdurchschnittliche Ergebnisse muß von der Universität bewusst vorangetrieben werden. Der Aufbau bzw. Ausbau interner Stärken sowie die Beseitigung interner Schwachstellen zur Wahrnehmung extern gegebener Chancen und die Abwehr extern vorhandener Bedrohungen werden damit zu einer Herausforderung für heute und die Zukunft
  6. Dazu erscheint es interessant, die Universität von heute auch unter Management-Aspekten zu sehen. Der Wertmanagement-Ansatz (nach Peter Gomez) sollte anregen, die verschiedenen Anspruchsgruppen mit ihren unterschiedlichen Interessen aufzuzeigen und bei universitären Entscheidungen entsprechend zu berücksichtigen
  7. In erster Linie kommt es offensichtlich auf den Geist an, in dem Tradition und Innovation gepflegt werden. Es liegt also an den Menschen als den handelnden Personen, und diese Einsicht hat etwas Beruhigendes, aber auch etwas Herausforderndes in sich: Der Mensch, die menschlichen Aspekte haben augenscheinlich entscheidende Bedeutung auch im Arbeitsfeld der Technik.


So bleibt als Ausblick eine andauernde Herausforderung zur Innovationsbereitschaft und Innovationsfähigkeit. Diese Herausforderung gilt zunächst und in erster Linie für die Universitätsangehörigen, d.h. diejenigen Personen bzw. Personengruppen, die innerhalb der Universität arbeiten bzw. das Leben und Arbeiten beeinflussen: Studierende, UniversitätsassistentInnen und UniversitätsprofessorInnen, MitarbeiterInnen im Bereich der Lehre, Forschung und Verwaltung.

Diese Herausforderung gilt aber auch für alle, die das universitäre Umfeld bilden: AbsolventInnen, EntscheidungsträgerInnen in Politik und Verwaltung, aber auch AuftraggeberInnen, Kooperations- und Geschäftspart-nerInnen.


Alle sind aufgerufen, nach Maßgabe der Möglichkeiten ihre Beiträge einzubringen, um der großen Tradition der Technik in Graz - der Erzherzog-Johann-Universität - zu entsprechen. Mit innovativem Engagement soll damit unser aller Zukunft gestaltet werden.


Literaturhinweise:#

  • DUDEN: Das Fremdwörterbuch, Bd. 5, 2. Aufl., Mannheim-Wien-Zürich 1966
  • DUDEN: Das Fremdwörterbuch, Bd. 5, 3. Aufl., Mannheim-Wien-Zürich 1974
  • GOMEZ; Peter: Wertmanagement. Vernetzte Strategien für Unternehmen im Wandel, Düsseldorf-Wien-New York-Moskau 1993
  • KNIGHT, K.E.: A Descriptive Model of the Intra-Firm Innovation Process, in: JoB, 40(1967), S. 478-496
  • MAGENSCHAB, Hans: Erzherzog Johann - Habsburgs grüner Rebell, Graz-Wien-Köln 1981
  • OBERHOFER, A.F.; WOHINZ, J.W.; KROPIUNIG, J.: Innovatives UNI-Management, Eine Orientierung, Wien 1997
  • RAY, G.F.: The diffusion of new technology - A study of ten processes in nine industries, in: National Institute Economic Review, Heft 48, May 1969, S. 40
  • SCHUMPETER, J.A.: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 7. Aufl., Berlin 1987
  • SEIDL, Christian: Joseph Alois Schumpeter - Ein großer Sozialökonom, in: Tradition und Herausforderung, 400 Jahre Universität Graz, hrsg. von Kurt Freisitzer, Walter Höflechner, Hans-Ludwig Holzer und Wolfgang Mantl, Graz 1985, Seite 227-246
  • STIEGLER, J.H.: Vor 50 Jahren starb der Erfinder Nikola Tesla, in: Die Presse, 30. April 1993
  • SWEDBERG, Richard:, Joseph A. Schumpeter - Eine Biographie, Stuttgart 1994
  • WOHINZ, Josef W.: Tradition und Innovation, in: Akademische Reden an der Technischen Universität Graz, Bd. 1, Graz 1996
  • WOHINZ, Josef W.: Innovation als Gründungsauftrag, in: Technische Universität Graz (Hg.): Bericht 1993-1996, Graz 1996



© Text und Bilder: Josef W. Wohinz