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Nachhaltiges Bauen an der TU Graz#

Von


Peter Maydl

Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie


Peter Maydl
Peter Maydl


Peter Maydl leitet das Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie. Maydls Forschungsinteressen liegen im Bereich Nachhaltiges Bauen (u.a. ökologische Bewertung von Bauprodukten, Life Cycle Design, Lebensdauer von Bauprodukten, Dauerhaftigkeit von Mineralischen Baustoffen).

© Forschungsjournal 2009/01



Nachhaltiges Bauen entwickelt sich zunehmend zu dem Megatrend für die Bauwirtschaft. Ein Paradigmenwechsel für den gesamten Bausektor: die ganzheitliche Betrachtung ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Aspekte über den gesamten Lebenszyklus eine Bauwerks. Integrale Planung sowie die interdisziplinäre Erarbeitung von langfristig wirksamen und verträglichen Lösungen von Bauaufgaben stellen nicht nur neue Herausforderung für Forschung und Entwicklung, sondern auch für die Ausbildung künftiger Architekten und Bauingenieure dar.


Die TU Graz hat frühzeitig auf diese Entwicklung reagiert: So ist das Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie (IMBT) an der seit zwei Jahren jährlich an unterschiedlichen Standorten stattfindenden Sommerakademie "Nachhaltiges Bauen" (in Kooperation mit der Universität Stuttgart, der ETH Zürich und der TU Delft) beteiligt.

Ein postgradualer Lehrgang zu diesem Thema ist – neuerdings in Zusammenarbeit mit der TU Wien – in Vorbereitung. Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Nachhaltiges Bauen" wurden im Auftrag der Stein- und keramischen Industrie die Potentiale des Massivbaus in einer Machbarkeitsstudie untersucht, ebenso die Stärken und Schwächen der Stahlbauweise im Hochbau. Weiters wurden im Auftrag des Landes Steiermark Vorschläge für eine Ökologisierung der Wohnbauförderung erarbeitet.


Unsere Welt
Abb. 1: Unsere Welt. Wir haben nur eine!
© Forschungsjournal 2009/01 / © TU Graz/IMBT

Die Europäische Kommission setzt seit einigen Jahren starke Akzente, um nachhaltiges Wirtschaften auch im Bausektor zu forcieren. Neben einer Thematischen Strategie für städtische Umwelt wurde auch ein Mandat an das europäische Normungsinstitut CEN erteilt, ein europäisches Regelwerk zum Thema "Sustainability of Construction Works" zu erarbeiten, das 2010/2011 fertiggestellt sein soll. Mit verschiedenen Begleitmaßnahmen wie z.B. der Lead-Market-Initiative "Sustainable Construction" soll der Wettbewerb nicht nur in Planung und Errichtung von nachhaltigen Gebäuden, sondern auch unter den Erzeugern von Bauprodukten stimuliert werden.


Dieser Entwicklung kann sich auch die österreichische Baustoffindustrie nicht entziehen, weshalb unter aktiver Mitwirkung der TU Graz das Forschungsprogramm "Nachhaltigkeit – massiv" gestartet wurde, das ca. 15 Einzelprojekte umfasst.Das IMBT untersucht unter anderem die ökologischen Transportrucksäcke von Bauprodukten und entwickelt ein Modell zur Abschätzung der Lebensdauer von Bauprodukten im Rahmen von lebenszyklusorientierten Nachhaltigkeitsbewertungen von Bauprodukten und Gebäuden.


Unsere Welt
Abb.2: Schema der künftigen europäischen Gebäudebewertung
© Forschungsjournal 2009/01 / © TU Graz/IMBT
Auch die Steiermärkische Landesregierung hat die Bedeutung dieses Themas frühzeitig erkannt und im Jahr 2006 das Strategieprogramm NBS, "Nachhaltig Bauen und Sanieren Steiermark 2015", beschlossen.

Mit Förderung durch den Zunkunftsfonds des Landes Steiermark wurden vom IMBT Planungsleitlinien für die Phase der Projektentwicklung zur Anwendung auf geförderte Wohnbauvorhaben sowie auf den kommunalen Hochbau erarbeitet. Nachhaltiges Bauen hat aber nicht nur eine ökologische und ökonomische Dimension, für die entsprechend Technologien zu entwickeln sind. Es darf auch die soziokulturelle Dimension nicht zu kurz kommen, die nicht nur im Rahmen der Erhaltung des Gebäudebestandes Fragen zur Denkmalpflege und zur Altstadterhaltung berücksichtigen soll, sondern auch zeitgemäßer Architekturqualität einen angemessenen Stellenwert geben muss.

Daher kommt einer kreativen Zusammenarbeit von Architekten und Bauingenieuren künftig eine noch viel stärkere Bedeutung zu. Diesem Trend wird durch die Landesbaudirektion Rechnung getragen: Die Aktivitäten des Baukultur-Reports und die genannte Strategie NBS sollen bis Jahresende zusammengeführt und umfassende Planungsleitlinien für den vom Land mitfinanzierten Hochbau geschaffen werden.

Entwicklungsstufen nachhaltiges Bauen
Abb. 3: Stufen der Entwicklung zum nachhaltigen Bauen
© Forschungsjournal 2009/01 / © TU Graz/IMBT

Lebenszyklus eines Gebäudes
Abb.4: Phasen im Lebenszyklus eines Gebäudes
© Forschungsjournal 2009/01 / © TU Graz/IMBT

Daher kommt dem Field of Expertise "Design and Construction Science", dem gemeinsamen Forschungsschwerpunkt der Fakultäten für Architektur und Bauingenieurwissenschaften, eine strategische Bedeutung zu. Zum Auftakt dieser neuen gemeinsamen Aktivitäten fand am 20. Mai 2009 ein gemeinsamer, international besetzter Workshop namens "Stadt statt Energie" statt, in dem künftige Trends und der damit zusammenhängende Forschungsbedarf diskutiert wurden.


Neue Akzente in der interdisziplinären Forschung wurden dadurch gesetzt. Dies stellt auch eine richtungsweisende Ergänzung für das von der TU Graz initiierte EIT-Energy-KIC im Rahmen des European Institute of Innovation and Technology dar. In dem vor über einem Jahr gestarteten Kompetenzzentrum "Multifunktionale Plug & Play Fassade" (wissenschaftliche Leitung: Institut für Wärmetechnik) ist das IMBT für den Bereich "Nachhaltigkeit" zuständig.

Mit diesem k-Projekt wird ein weiterer Meilenstein gesetzt, die TU Graz auch im Baubereich zur "Graz University of Sustainable Technologies" weiterzuentwickeln und sich im Bereich Forschung und Lehre im internationalen Wettbewerb an vorderster Stelle zu positionieren.