Versuchs- und Forschungsanstalt für Hochspannungstechnik#


Von


O.Univ.Prof. Dipl.-Ing.Dr.techn. Hans Michael Muhr


Leiter der Versuchsanstalt für Hochspannungstechnik

O.Univ.Prof. Dipl.-Ing.Dr.techn. Hans Michael Muhr
Hans Michael Muhr


© Forschungsjournal WS 2001/2002


Die Versuchs- und Forschungsanstalt für Hochspannungsechnik wird durch die Hochspannungslaboratorien der Abteilung Hochspannungstechnik der Technischen Universität Graz gebildet. Als akkreditiertes Prüflabor hat sie das Recht über das Ergebnis der von ihr vorgenommenen Untersuchungen auf dem gesamten Gebiet der Hochspannungstechnik mit Wechselspannung, Gleichspannung und Stoßspannung sowie über alle vorschriftsmäßigen technologischen Messungen und Prüfungen an Isolierstoffen und Hochspannungsmaterialien Zeugnisse auszustellen, die als öffentliche Urkunden anzusehen sind.


Diese Untersuchungen, Messungen und Prüfungen umfassen dabei folgende Bereiche: Dielektrische Festigkeit von Isoliersystemen, Langzeituntersuchungen von Kabeln und festen Isolierstoffen, Tests von Freileitungsisolatoren und Armaturen, Typenprüfungen von Hochspannungssystemen, Untersuchungen mit Höchstspannungen, Qualitätssicherung, Kalibrierung von Meßsystemen, Messung und Berechnung von Überspannungen, Stoßspannungs- und Stoßstromprüfungen, Vor-Ort-Prüfung, Entwicklung von Meß-und Prüfgeräten, Untersuchungen zu speziellen Problemen (Verschmutzung, Umwelt, Arbeiten unter Spannung usw.) sowie Beratungstätigkeit auf dem Gebiet der Elektrischen Energie- und Hochspannungstechnik.

Um diese verschiedenen Arbeiten besser zu verdeutlichen sollen hier einige kurze Beispiele angeführt werden, die die Aktivitäten der Versuchs- und Forschungsanstalt aufzeigen. Stoßspannungsprüfung an einem Transformatorwicklungsmodell: Bei der Entwicklung von neuen Bauteilen und Bauformen müssen immer grundlegende Untersuchungen an diesen Modellen durchgeführt werden. Eine dieser Arbeiten ist die Prüfung mit Stoßspannung einer vorgeschriebenen Spannungsform. Dabei wird das Modell in einem Ölprüfgefäß (ca. 1000 Liter Trafoöl) eingebaut. Nach Evakuierung des Prüfkessels auf 1 mbar und Füllung mit Isolieröl erfolgt die Spannungsprüfung bis zum Durchschlag (etwa 1000 kV), wobei der Scheitelwert der Spannung gemessen und der zeitliche Spannungsverlauf aufgezeichnet wird. Teilentladungsprüfung an einem 20 kV-Kabelendverschluß: Um die Versorgungssicherheit der elektrischen Energie zu gewährleisten, müssen die Kabel sowie deren Verbindungsteile geprüft werden. Diese Untersuchung erfolgt in einer geschirmten Meßzelle, um möglichst Störungen und Einstreuungen zu vermeiden. Der Prüfaufbau besteht dabei aus einem 100 kV-Transformator und zwei Meßkondensatoren (Prüfspannung, Teilentladungsimpulse).

Am Meßsystem werden dann die Teilentladungsimpulse über der Phasenlage zur Prüfwechselspannung erfaßt. Funkstörspannungsprüfung an einer 380 kV-Hängekette: Zur Vermeidung von Störungen durch Entladungen bei einer Freileitung müssen die Isolatoren und Armaturen einer Funkstörspannungsprüfung unterzogen werden. Die folgenden Bilder zeigen nun diesen Prüfaufbau zur Nachbildung der Hochspannungsleitung sowie die aufgenommene Funkstörcharakteristik (RIV).


Einbau des Prüfling und Spannungs-Zeit-Diagramm
Einbau des Prüfling und Spannungs-Zeit-Diagramm

Prüfaufbau und Funkstörcharakteristik
Prüfaufbau und Funkstörcharakteristik

Prüfaufbau und Teilentladungsdiagramm
Prüfaufbau und Teilentladungsdiagramm