Sagen aus dem Raum Gams Gams, Steiermark #


Der Gamser Halterbub und das Bergmännchen

Gams
Gams
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Im Tal der Gams, in der Nähe, wo die Salza der Enns zuströmt, weidete einst ein Hirtenknabe die Herde seines Dienstherrn. In tiefe Träumereien versunken, gewahrte er nicht, daß das Vieh sich auf die Gebirge verstiegen habe. Erst der Untergang der Sonne mahnte ihn zum Heimtrieb der Herde. Da er nun die Tiere nicht fand, stieg er auf die Berge und suchte überall nach den Rindern und Schafen.

Da mit einem Male gewahrte er, an einer Felswand vorübereilend, in derselben eine Tür, die er früher nie bemerkt hatte. Vor derselben stand ein kleines Männchen in lichtgelbem, herrlich glänzenden Kleide. Über die Brust wallte ein langer Silberbart, der dem Kleinen ein gar ehrwürdiges Aussehen verlieh. Er rief den Knaben zu sich mit dem Bedeuten, er wolle ihm die verlorenen Tiere zeigen. Aber der Hirtenknabe getraute sich nicht, näherzutreten und lief eiligst davon. Ermüdet vom langen vergeblichen Suchen langte er bei einer Köhlerhütte an, wo er ein Nachtlager erhielt. Des andern Tages erzählte er den Köhlerleuten, was ihm begegnet, und diese rieten ihm, nur ohne Furcht dem Männchen nahe zu kommen.

Der Knabe eilte nun, nachdem er sich fein artig für das Nachtquartier bedankt hatte, um die Felsenwand wieder aufzusuchen. Er fand sie richtig. Auch das Männchen stand wieder davor und winkte ihm freundlich. Er faßte sich ein Herz und folgte dem Männchen, welches in die offene Felsenhalle hineinging. Eine Weile durchschritten beide schweigend die Felsengänge und kamen endlich in einen großen Saal und der Junge glaubte, seiner Sinne nicht mächtig zu sein, als er die vielen Herrlichkeiten sah. Vom Boden bis zur Decke war alles eitel Gold. Edelsteine funkelten in allen Farben und wohin das Auge sich wandte, gewahrte es unermeßliche Schätze, ungeheure Reichtümer. So ging es fort. Der Alte führte den Knaben durch viele Säle und einer war herrlicher, war prachtvoller als der andere. Endlich schlug der seltsame Führer den Rückweg ein. Am Ausgange lag jetzt ein Haufen verrosteter Schuhnägel, welche der Knabe früher nicht bemerkt hatte. Das Männchen hieß ihn, sich die Taschen damit vollzufüllen und der Knabe tat es, um den Alten nicht zu beleidigen, obgleich ihm pure Goldzapfen und glänzende Edelsteine lieber gewesen wären. Sich wieder im Freien befindend, fiel ihm das veränderte Aussehen der Gegend auf. Er wollte das Männchen fragen, wo er sich befinde, um sich bei ihm zu bedanken, aber der Alte war verschwunden und von der Felsentür war auch keine Spur mehr zu sehen. Endlich merkte er in der Entfernung einige rauchende Schlote, auf die er zuschritt.

Bald begegneten ihm einige Menschen, welche er um den Namen der Gegend fragte. Diese sagten ihm, der nächste Ort heiße Eisenerz. Dabei blickten sie ihn ganz erstaunt an. Nachdem ihm einer den Weg nach Gams gezeigt, schritt er wacker fort. Unterwegs gesellte sich zu ihm ein Handelsjude, der durchaus das Röckchen des Kleinen kaufen wollte. Da sah dieser sein Gewand an und bemerkte, daß auf seinem Rocke ein seltsamer Schimmer lag. Der Rock war ganz mit Goldstaub bedeckt. Nun erst erklärte er sich des Juden Drängen und freudig eilte er vorwärts, sodaß er bald den Blicken des langsam nachhumpelnden Hausierers entschwand. Unterwegs griff er in die Tasche und sein Staunen war umso größer, als er statt Schuhnägeln blanke Goldstücke fand, in welche jene durch die Güte des Alten vom Berge verwandelt worden waren.

Zu Hause angekommen, wo man wegen seiner in vielen Ängsten war, stellte der Bauer ihn seiner sechswöchigen Abwesenheit wegen zur Rede. Der Knabe erzählte alles, was ihm begegnet und war selbst nicht wenig erstaunt, daß er so lange sollte ausgeblieben sein. oft noch, selbst als reicher Mann, suchte er den Felsen auf, konnte aber weder die Tür noch das gütige Männlein jemals sehen, der er gar so gerne seinen Dank abgestattet hätte.

Neugierde wird bestraft

Gams
Gams früher
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Brot war schon immer der Inbegriff der Nahrung und dementsprechend ehrfürchtig ging man damit um. In Gams erschien einmal einem Bauern ein Zwerg, gab ihm einen Laib Brot mit dem Hinweis, daß dieses niemals weniger würde, so viel man auch davon äße. Er solle das letzte Stück nach dem Abschneiden immer in die Tischlade legen. Tatsächlich! Am nächsten Tag lag ein prächtiger, frischgebackener ganzer Brotlaib darin. Als der alte Bauer eines Tages starb, übernahm sein Sohn den Hof. Wie sein Vater ihm geheißen hatte, pflegte auch er die Sache mit dem sich erneuernden Brot zu halten. Doch einmal plagte ihn doch die Neugierde, wie denn dieses Wunder zustandekäme. Zur Probe aß er einmal den ganzen Laib auf, sodaß nichts mehr in die Lade zu legen war. Von da an war es mit der wunderbaren Brotvermehrung zu Ende.

Drei übermütige Schneider werden versteinert

In der Christnacht gingen einmal drei Schneider aus Gams über die Goß nach Mariazell. Unterwegs wurden sie übermütig, setzten sich auf der Höhe der Goß nieder und fingen in ausgelassener Weise an, Karten zu spielen. Da gesellte sich ein Fremder zu ihnen und fragte, ob sie nicht auch mit in die Christmette gehen wollten. Sie gaben aber zur Antwort: "Wir gehen nicht eher von hier weg und spielen weiter, bis der letzte Wallfahrer von Mariazell zurückkommt." Kaum hatten sie dies ausgesprochen, wurden die drei Schneider zu Steinen, die man heute noch auf der Goß sieht. Sie waren zur Strafe für die frevelhafte Entheiligung der Christnacht in Stein verwandelt worden und müssen nun warten, bis der letzte Pilger von Mariazell kommt.


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