Sagen aus dem Raum Hieflau Hieflau, Steiermark #



Der Lindwurm im Elferkogel [1]

Ansicht von Hieflau
Ansicht von Hieflau in der Steiermark. Österreich. Photographie von Anonym. Um 1890.
© IMAGNO/Austrian Archives


Drachen stehen oft in Beziehung zu Höhlen und unterirdischen Seen. So liegt auch in der Meinung der Einwohner in und um Hieflau Inneren des Elferkogels in der Nähe des Ortes ein gewaltiger und furchterregender Lindwurm. Wenn das Ungeheuer mit seinem beschuppten Schweif um sich schlägt, dröhnt der ganze Berg und der im Inneren des Gebirgsstockes liegende See schlägt Wellen, geht über und fließt teilweise durch unterirdische Ausgänge in den meist trockenen Schießstattgraben, der sich dann mit Wasser füllt. Sollte es der Drachen einmal zu toll treiben, dann fließt der ganze See aus, das Tal wird zum reißenden Strom, der mit seinem Wüten den kurz bevorstehenden Weltuntergang ankündigt.

Der Riese im Hieflauer Dürrnkogel

Im Inneren des Dürrnkogels bei Hieflau wohnt in einer mächtigen Höhle ein Riese, der so groß und stark ist, daß er mit einem einzigen Fußtritt gleich zehn Häuser zusammentreten kann. Sein Versteck verläßt er aber nur dann, wenn die alte Muttergottessäule am Dorfplatz zu Hieflau verunehrt oder entfernt wird. Dann steigt der Riese aus seiner Höhle und vernichtet zur Strafe für diesen Frevel mit seiner gewaltigen Keule die ganze Ortschaft, zerteilt Wälder und Wiesen und verheert die ganze Umgebung.

Die Teufelsmühle am Waggrabenbach

Am oberen Waggrabenbach gähnt ein großes Loch, aus dem man das Rauschen eines Baches und das Klappern einer Mühle hören soll. Man nennt die Stelle die "Teufelsmühle"

In ihrer Nähe stand eine Hütte. Darin lebte ein alter, scheuer Mann, der täglich stundenlang dem Spiel der Bachforellen zuschaute. Als er dies wieder einmal tat, wurde er plötzlich durch ein Geräusch im nahen Walde aufgeschreckt. Er schaute auf und sah zu seinem Erstaunen den leibhaftigen Teufel vor sich. Der Teufel fragte sogleich den Alten, ob er nicht gegen guten Lohn unter der Erde des Teufels Korn mahlen wolle. Der Alte willigte sofort ein und verschwand mit dem Teufel unter der Erde. Seit dieser Zeit mahlt der Arme das höllische Korn in der "Teufelsmühle".

Die unheimliche Todesbotschaft [3]

Ennsrechen
Ennsrechen
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Ein Kohlführer war mit seiner Ladung ennsabwärts im Gesäuse unterwegs, als es ihn auf einmal dünkte, daß er bei seinem Namen gerufen würde. Er hielt deshalb sein Fuhrwerk an und lauschte. Richtig! Abermals rief eine Stimme nach ihm, sie kam ganz hoch von der Felswand herab! "Was gibt es?" fragte er zurück. "Wenn du zum Scheibenbauernkar kommst, dann schrei hinauf: 'Das Spitzhütel läßt das Gupfhütel schön grüßen. Es soll zur Seelenteilung kommen, denn der Prälat ist gestorben!'" "Ich werde es schon ausrichten", rief er zurück und fuhr weiter. Und wirklich: Als er in der Nähe des Scheibenbauern, nicht mehr weit von Hieflau kam, hielt er an und rief so laut, wie er nur vermochte, hinauf: "Gupfhütel, Gupfhütel! Der Spitzhütel läßt dich schön grüßen! Der Prälat ist gestorben! Du sollst zu der Seelenteilung kommen!"

Ich dank' für die Nachricht", kam es von der Höhe zurück. "Bei der Brücke findest du deinen Lohn!" Darauf war es wieder still. Welcher Prälat soll denn gestorben sein, dachte er. Der von Admont wohl nicht, denn der ist heute auf der Jagd, wie ich gehört habe.

Unterdessen kam er zur Brücke und wirklich stand dort mitten auf der Straße ein eiserner Hafen. Wie er ihn aber aufhob, fand er darin nur halbverrostete Nägel. Enttäuscht nahm er bloß einige Fäuste voll und steckte sie in seine Rocktasche.

Als er weiterfuhr, merkte er, daß seine Tasche immer schwerer wurde, und griff deshalb hinein. Er hatte jetzt aber keine Nägel, sondern Münzen in der Hand und im hellen Mondenschein merkte er, daß es Silbertaler waren. Rasch band er sein Roß an einen Baum an und lief, so schnell er nur konnte, zur Brücke zurück, aber vergeblich. Der Hafen war indes verschwunden und auch nirgends in der Nähe zu finden. Nachträglich erfuhr er, daß der Prälat auf der Jagd verunglückt sei und sie ihn nur noch tot ins Stift zurückbringen konnten.

Ein Totenkopf als teuflisches Geschenk

Ein Bauer aus der Jassingau, der zugleich das Wirtsgeschäft betrieb, wettete einst mit einem andern Bauern, daß er den Teufel kaufen könne. Als er nun einmal nach Landl kam, traf er einen ihm unbekannten Viehhändler, von dem er ein Paar Ochsen kaufte. Nachdem Kauf abgeschlossen war, gab der fremde Viehhändler, der ein gar seltsames Aussehen und eine schnofelige[3] Stimme hatte, dem Bauern ein kleines Schachterl, das dieser jedoch nicht früher öffnen sollte, als bis sein erstgebornes Kind gestorben sei. Wenn er dies befolge, werde er die Wette gewinnen.

Zu Hause angekommen, konnte der Bauer seiner Neugierde nicht mehr widerstehen. Er wollte und mußte durchaus wissen, was denn im Schachterln enthalten sei, ob der Teufel darinnen stecke und wie dieser aussähe. Er machte also den Deckel auf und sah zu seinem Erstaunen nichts darinnen als etwas Staub, der aber alsogleich ausflog, als wenn der Wind ihn ausgeblasen hätte. Als dann der Bauer mit seinem Hausgesinde zum Abendessen sich an den Tisch setzte, fühlte er mit den Füßen am Boden einen rundlichen harten Gegenstand. Er leuchtete mit der brennenden Kerze unter den Tisch und erschrak gewaltig, als er da einen braunen Toternkopf liegen sah. Kein Mensch wußte, wie dieser Totenkopf ins Haus und unter den Tisch gekommen war.

Man versuchte es oft, den rätselhaften Kopf wegzutun, aber immer wieder lag er unter dem Tische. Selbst ein Eingraben desselben in geweihter Erde war vergebens. Da ließ nun der Bauer um den Tisch einen Verschlag aus Holz anbringen, damit man den Totenkopf nicht sehen könnte, denn sonst wäre kein Dienstbote im Hause geblieben.

"Irrwurzen" und "Braschen"

Hieflau
Hieflau um die Jahrhundertwende
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Im Glauben des Volkes gibt es Pflanzen, sogenannte Irrwurzen, die dem Auge des Wanderers unsichtbar unter der Erde wachsen. Tritt man unwissentlich auf sie, so kommt man vom richtigen Wege ab und verirrt sich. Einst waren ein paar Kinder aus Hieflau auf der Wag unterhalb des Scheuchecks Schwarzbeeren brocken. Die Beute war gut und bald hatten sie ihre Körbchen vollgepflückt. Auf dem Heimweg müssen sie jedoch auf eine solche Irrwurzen getreten sein. Jedenfalls verloren sie den Weg und irrten durch den Wald. Die unheimliche Pflanze hatte es aber doch anscheinend gut mit ihnen gemeint, denn sie gelangten zu einer kleinen Waldlichtung und fanden dort ein Häufchen Braschen, wie man in der Mundart der Gegend Holzkohlenabfälle nennt. Gedankenlos steckten sie einige davon ein. Bald hatten sie auch wieder auf den richtigen Weg zurückgefunden. Zu Hause wurden sie schon wegen ihres längeren Ausbleibens voller Sorge von ihren Eltern erwartet. Und als sie ihre Taschen leerten, kamen statt der Holzkohlenstücke lauter Silbertaler zum Vorschein.


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[1] Krause, Admont S.71 "Der Riese von Hieflau"
[2] Haiding, Volkssagen S.146, Nr. 190 "Spitzhütel und Gupfhütel"
[3] mundartlich näselnd