Sagen aus dem Raum Landl Landl, Steiermark #


Der Schatz im Landler Bäckerloch

Landl
Landl
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Bei Landl gibt es die Jodlbauer-Alm und dort findet sich eine tiefe Erdspalte, die man im Volke das "Bäckerloch" nennt. Woher der Name kommt, ist nicht zu erfahren, aber man erzählt sich, daß darin ein großer Goldschatz liegen soll.

Vor Zeiten erschien jährlich ein Italiener auf der Alm - man nennt solche geheimnisvollen Berggeher Venediger - und holte sich einen Teil dieses Schatzes. Eine Sennerin beobachtete ihn dabei und war von Neid erfüllt, als sie die Kostbarkeiten sah, die der Fremde an sich brachte. Als dieser wieder einmal auftauchte, schlich ihm die Frau nach und bemerkte, wie er sich an einem Seil in die Höhle hinabließ. Als er unten verschwunden war, schnitt die Sennerin das Seil mit einem Messer ab. Was dann weiter geschah, konnte man nie mehr erfahren. Jedenfalls fanden Hirten am nächsten Tag die Almerin in der Nähe des Bäckerloches tot auf. Sie war erwürgt worden. War dies die Rache des Italieners? Und es blieb unheimlich in dieser Gegend. Noch heute soll man manchmal ein graues Mandl um das Schatzloch huschen sehen.

Die Schatzhöhle am Wiedenberg

Hinter einer Felswand am Wiedenberg westlich von Landl liegt eine Höhle mit einem großen Schatz von Gold und Edelsteinen. Nach der Sage öffnet sich die Felswand alljährlich am Ostersonntag, wenn die Glocken zur Wandlung läuten. Wer nun die Höhle in dieser Zeit betritt, kann sich daraus Gold und funkelnde Edelsteine nehmen, soviel er nur mag. Doch zur Kommunion muß er die Schatzhöhle wieder verlassen haben. Dann schließt sich die Felswand unter lautem Donner wieder für ein Jahr.

Noch ein Schatz: Die Geldluckn am Dörfelstein

Einst wollte ein Ritter am Dörfelstein bei Landl eine Burg erbauen. Hoch zu Roß ritt er mit seinem Gold und den vielen Kostbarkeiten, die er besaß, dorthin. Als er in die Nähe des Berges kam, lauerte ihm ein Wilderer im Waldesdickicht auf und schoß ihn samt seinem Pferde nieder. Er fiel mit seinem goldgeschmückten Roß und den Schätzen in das tiefe Loch einer Felsenschlucht. Seitdem heißt diese Felsenöffnung die "Geldluckn am Dörfelstein". Wer nun den Schatz heben will, darf sich auf dem ganzen Weg nicht umsehen. Viele haben es schon versucht, aber ohne Erfolg. Einmal war ein Bauer schon so weit vorgedrungen, daß er nahe daran war, die Truhe mit dem Goldschatz in der Höhle zu öffnen. Gierig griff er nach dem eisernen Deckel. Doch da kam es ihm vor, als würde er plötzlich von einer unheimlichen Gestalt beim Genick gefaßt. Vor Schrecken wandte er sich um. In diesem Augenblick entstand ein furchtbares Getöse und die Truhe mit dem verlockenden Goldschatz war für immer verschwunden.

Die versteinerte Alm am Kirchenkogel bei Landl

Landl
Landl um die Jahrhundertwende
© Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl

Auf der "Toiba" am Kirchenkogel bei Landl lag einst eine fruchtbare Alm. Den Sennerinnen ging es überaus gut. Mit der Zeit wurden sie aber ausgelassen und verschwenderisch. Mit Butter verschmierten sie die Fugen und Risse des Almbodens und mit Käse pflasterten sie ihre Hütten und Ställe.

Einmal kam ein kleines Bergmännchen zu ihnen und bat um eine Schale Milch. Doch die hartherzigen Sennerinnen gaben nichts her und verhöhnten noch dazu das bittende Bergmännchen. Daraufhin verfluchte dieses die Alm. In der kommenden Nacht zog ein heftiges Gewitter auf und die ganze Alm verwandelte sich ein unfruchtbares, ödes Steinfeld, heute noch "die versteinerte lm" genannt.

Das Zauberbuch, oder: Der Teufelsweg im Schwabeltal

Im Schwabeltal bei Lainbach lebte einst ein Bauer, der ein altes, dickleibiges Buch besaß, womit er Teufelsbeschwörungen vornahm. Als er einmal in die Christmette ging, hatte er vergessen, das Buch in seiner Stube zu verstecken. Schnell kehrte er nach der Mette heim, denn er befürchtete, die Kinder könnten damit Unfug treiben. Das war aber schon gesehen. Er fand das Beschwörungsbuch aufgeblättert auf dem Tisch liegen und die Stube voller Teufel. Um sie nun wieder zu bannen, mußte er in dem Buch soviele Seiten zurücklesen, als die Kinder davon aufgeblättert hatten. Außerdem mußte er während des Lesens die Teufel mit einer Arbeit beschäftigen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte als sein Lesen. Denn, brauchen die Teufel mit ihrer aufgetragenen Arbeit weniger Zeit als der Bauer mit dem Zurücklesen, so ist es um ihn geschehen und die Teufel entführen ihn dann, wohin sie wollen. Wird aber der Bauer mit dem Lesen seines Buches früher fertig, dann haben sie die höllische Macht über ihn verloren. Der Bauer gab nun den Teufeln folgende Arbeit: Sie mußten einen Metzen Leinsamen, den er in den Schwabelbach geschüttet hatte, wieder herausklauben und außerdem in dieser Zeit einen neuen Weg in den Jassinggau anlegen. Die Arbeiten begannen. Die Teufel hatten kaum die Hälfte, da war der Bauer mit dem Zurücklesen in seinem Zauberbuch schon fertig. Somit hatten die Teufel die Macht über ihn verloren. Aber auch der Weg in den Jassinggau blieb unvollendet und heißt noch heute der "Teufelsweg".


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