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Sagen aus dem Raum Leoben-Göss Leoben-Goess, Steiermark #


Wo soll man das Stift Göß gründen? [1]

Carl Reichert: Leoben, um 1860
Leoben mit Stift Göß

Wunder: Voller Zweifel über die Wahl des Ortes für das neue Kloster betete Adola in der Einsamkeit eines hohen Berges zu Gott um Erleuchtung. Nur um einen Wink flehte sie, der ihr den Willen des Höchsten erklären sollte. Da brauste der Tannenhain, da fuhr ein Sturmwind über die Almwiese und hob den Schleier vom Haupte der Betenden. Wirbelnd trägt er ihn fort, ins Tal, in die Mur. Aber dort hält ihn ein Engel über dem Gewässer. Vergeblich schlägt sich der Wind in die Falten, er bewegt ihn nicht von der Stelle. Vergeblich erheben sich die Wellen zu ihm, sie küssen ihn nur. Dieses also war der von Gott erwählte Platz. Der Fluss wurde abgeleitet und das Kloster gebaut.

Der Tod auf der Bärenjagd

Ein Graf von Leoben Aribo besaß Güter in der benachbarten Gegend Göß. Als er in dieser wald- und wildreichen Gegend auf der Jagd im Kampfe mit einem Bären seinen Tod fand, tröstete sich dessen Witwe Adula, Gräfin von Leoben, nach damalig frommer Sitte damit, daß sie eine Kirche mit einer Klausur für adelige Frauen baute und dadurch das erste und reichste Benediktiner-Nonnenstift das Landes zu Göß im Jahre 1000 gründete.

Das Wappen des Stiftes Göß [3]

Wappen, Die Chronik des Benediktinerinnenstiftes Göß
Wappen des Stiftes Göß

...daß, da Adula von einem Berg ging, um den Lauf der Mur zu betrachten, der Wind ihren Kopfschleier abgerissen, in die Mitte Mur getragen haben solle, welcher Schleier auch mitten in der reissenden Mur ganz unbeweglich geblieben und Adula also erkannt hatte, daß dieser Ort sey, wohin das Kloster Göß solle gebauet werden. Sie habe demnach den Murfluß abgeleitet, und an den Ort des gefundenen Schleiers den ersten Grundstein gelegt, wo sie zugleich einen eisernen Kessel oder Schmelztiegel gefunden, der hernach in einem goldenen Schild das Wappen des Stiftes formirte...

Die Gründung des Nonnenstiftes Göß [5]

Graf Aribo von Leoben und seine Gemahlin Adela besaßen einen Sohn und eine Tochter. Ersterer wurde Erzbischof von Mainz, letztere mit Namen Kunigunde wurde Nonne in dem Frauenstift zu Göß, über dessen Gründung die Sage folgendes erzählt: Die junge Gräfin war eine große Wohltäterin der Armen und Bedrängten und wurde deshalb auch von ihnen wie ein Engel verehrt. Einmal schritt Kunigunde rasch am Ufer der Mur entlang bis zum Fuße eines Hügels, den damals ein Kirchlein des heiligen Lambert krönte. Hier wohnte in einer Hütte ein armes Mütterchen, dem die mildtätigen Grafentochter stärkende Speisen und Getränke überbrachte. Bevor sie noch die arme Behausung erreicht hatte, entriß ihr der Wind den Schleier, an dessen Rändern kleine Sternlein klar und rein wie das Himmelslicht funkelten, und trug ihn in die Mur. Kunigunde kehrte sich jedoch nicht daran, sondern eilte auf die Hütte der hilfsbedürftigen Alten zu. Als sie diese wieder verließ, kam ihr Hündlein freudig bellend dahergerannt: das kluge Tier war nämlich stromaufwärts gelaufen, um den Schleier der guten Herrin zu suchen. Kunigunde folgte ihrem Hündlein und sah deutlich, daß der Schleier auf einer Sandbank mitten im Flusse liegen geblieben sei, gleichzeitig aber auch, daß das Wasser des Flusses zurückzuweichen begann und die Wogen sich auf der anderen Seite ein neues Bett gruben. Sie schritt zur Sandbank hin, wo der Schleier lag, und nahm ihn an sich. Dann kehrte sie in die väterliche Burg zurück und erzählte die wunderbare Begebenheit ihren Eltern und ihrem frommen Bruder. Graf Aribo beschloss nun, an derselben Stelle ein Frauenstift zu gründen. Bald kamen Bauleute dahin und rasch erhoben sich die Mauern am freundlichen Ufer. Als man auf jenem Platze, wo früher die Mur strömte, für die Grundfesten der neuen Kirche tiefer in den Boden grub, fand man einen Kessel mit einer eisernen Ringspange. Graf Aribo von Leoben erlebte die Vollendung seiner Stiftung nicht; er wurde auf der Jagd von einem Eber getötet. Sein Sohn, salzburgischer Archidiakon in Steier und nachmaliger Erzbischof von Mainz, vollendete das fromme Werk und setzte bei der Einweihung des Stiftes seine fromme Schwester Kunigunde als Äbtissin ein.

Auf solche Weise entstand das Jahre 1004 gegründete Frauenstift zu Göß, welches zum Andenken an den merkwürdigen Fund einen eisernen Kesselring auf goldenem Grunde im Wappen führte.

Margaretha Maultasch brennt die Stiftskirche von Göß nieder

Gräfin Margarete Maultasch von Tirol. Stich, 18. Jh., © Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU
Gräfin Margarete Maultasch

Bevor die rachsüchtige Gräfin von Tirol Margaretha Maultasch mit ihrem Kriegsvolk die Stadt Knittelfeld vergeblich belagert hatte und ihre Streitmacht bei einem Ausfall der tapferen Bürgerschaft mit derben Knütteln verjagt worden war[7], hatte sie schon die Gegend von Göß mutwillig verheert, die Stiftskirche niedergebrannt und das Kloster selber arg beschädigt.

Die Türken vor Göß

Im 1480er Jahr sind am 7.August die Türken heimlich und verstohlener Weise ins Land gekommen und habe die Steiermark mit Raub und Brand schonungslos ganz furchtbar verheert. In diesem Elend hat Gott das Gotteshaus Göß gnädiglich behütet. Als die Türken schon auf dem Leitendorfer Feld waren, ist die Äbtissin mit dem Konvent mit brennenden Kerzen auf den Knien nach Sankt Lambert zu der Kapelle[9] gegangen. Als die Türken über die Mur setzen wollten, sahen sie die Patrone des Kirchleins mit gezogenen Schwertern auf dem Dach desselben sitzen, nämlich die Heiligen Lambert, Blasius, Georg und Oswald. So oft die Feinde über die Mur wollten, haben sie nach ihnen geschlagen. Dadurch sind eine große Zahl von ihnen ertrunken. Durch den gnädigen Schutz dieser vier Heiligen ist das Gotteshaus von den blutgierigen Hunden verschont geblieben.

Das Teufelswandl

Im Murtal etwas östlich von Leoben liegt auf der Schattseite gegenüber dem Veitsberg, auf dem einst eine Pfarrkirche stand, das sogenannte Teufelswandl, eine Felsformation, über die folgendes erzählt wird:

Innenhof, Stift Göß, © Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl
Innenhof des Stiftes Göß
Dem Teufel war das Stift Göß frommer Frauen schon lange ein Dorn im Auge. Dieses Kloster besaß auch im engeren Umkreis und bis ins Murtal hinüber zahlreiche Untertanen und reichen Grundbesitz. Diesen wollte der Teufel vernichten und dazu die Mur aufstauen, die alles ersäufen sollte. Er hatte dazu aber nur eine Nacht zur Verfügung, die bekanntlich mit dem ersten Hahnenschrei endet.

Er nahm seinen eisernen Wagen und belud ihn im Pelzgraben mit Felsen und riesigen Steinen, mit denen er einen Damm durch die Mur bauen wollte. Als er mit seinem Gefährt schon am Ende des Grabens angelangt, krähte gegenüber am anderen Ufer beim Aumayrhof in Proleb der erste Hahn. Das Vorhaben war mißlungen.

In seiner Wut ließ der Leibhaftige die gewaltige Steinfuhre am Orte seiner Niederlage vom Wagen rumpeln und suchte fluchend das Weite. So entstand noch heute das Steinwandl.


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[1] Gründungssage bei Leitner, Vaterländische Reise, S.73-74; Textneufassung G.J.

[3]Cäsar, Staatsgeschichte, S.210. Diese schöpft aus Johann Ludwig Schönleben: Carniolia Antiqua et Nova...Laibach 1681 und Joseph Mezger: Historia Salisburgensis... Salzburg 1692. Diese Werke waren auch Quellen für das Leobener Jesuitendrama Adola Leobiensis et filia Kunegunde, das 1709 die Umstände der Gründung von Göß in eine literarisch stark ausgebaute romantische Liebeshandlung verwebt. Vgl. Jontes, Leobener Jesuitentheater

[5] Sann, Sagen, S.59-60.

[7] Diese Episode dient der Sage zur Erklärung des Stadtnamens

[9] Die längst zum Wohnhaus profanierte ehemalige Lambertikirche an der Mur in der Gösser Straße


Liebe Frau Kaiser, die Sagen um die Eisenstraße sind nett! Warum steht in Arbeit? Kommt noch was dazu? Übrigens, man kann jetzt mit dem Austria-Forum auch ganz gut kommunizieren, wie ich gerade entdeckt habe: Um mir eine Botschaft zu senden muss man nur zu meiner Seite gehen: zu meiner Seite. Wenn Sie dort einen Kommentar schreiben werde ich per Email verständigt, und kann Ihnen dann auf ähnlichem Wege antworten! Geht natürlich auch in umgekehrter Richtung. Liebe Grüße vom Benutzer Walter Herz

--Herz Walter, Mittwoch, 17. März 2010, 16:21