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Sagen aus dem Raum Lunz und Lunzer See Lunz, Niederoesterreich #


Maria im goldenen Sessel zu Lunz

Lunz am See
Lunz am See
Foto: Österreich Werbung / W. Weinhäupl

In früheren Zeiten soll die Pfarrkirche von Lunz, die den Hl.Drei Königen geweiht ist, sehr viele Wallfahrer angezogen haben, die zu einem Gnadenbild der "Maria im goldenen Sessel" gepilgert sind.

Türken schänden das Lunzer Gnadenbild

Die Lunzer Pfarrkirche war einst wegen ihres Mariengnadenbildes ein weithin berühmter Wallfahrtsort, dessen Bedeutung erst durch die Reformation geschmälert wurde. Dieses aus Holz geschnitzte Madonnenbild weist heute noch einige Kerben, die nur durch gewaltsame Einwirkung entstanden sein können, auf. 1529 oder 1532 soll es gewesen sein, als beim Türkeneinfall in die Lunzer Gegend die Feinde der Christenheit auch die Kirche des Ortes verwüsteten. Sie sollen das Gnadenbild dabei mit ihren Säbeln attackiert und auf die Madonna wüst eingehauen haben. Später hat man die Statue zwar restauriert, jedoch wohl einige Säbelhiebspuren zur Erinnerung an dieses Ereignis belassen.

Das Volk wehrt sich gegen französische Besatzer

Während der französischen Invasion von 1809 trieben es die Feinde besonders arg und plünderten und drangsalierten die Bevölkerung von Lunz und der Umgegend. Ein Bauer konnte nicht mehr länger an sich halten und erstach einige der Peiniger mit einem Messer. Das hatte unheimliche Folgen: Obwohl man das Messer abwusch und in der Erde vergrub, kehrte es, wie oft man es auch wieder abputzte und versteckte, wieder in die Tischlade, wo es hingehörte, zurück.

Ein Geist ohrfeigt das faule Gesinde

Manche Bauern sind ihrem Hof und ihrer Arbeit im Leben derart verbunden, daß sie selbst im Grabe keine Ruhe finden können, wenn nicht alles so weiterläuft, wie sie es gewohnt waren und von ihren Leuten gefordert haben. So erzählt man sich, daß in Lunz einst ein Bauer lebte, der Tag und Nacht nur das Gedeihen seiner Landwirtschaft im Sinn hatte. Als er hochbetagt gestorben war, kehrte er zu gewissen Zeiten immer wieder aus dem Grabe zurück und soll faule Knechte auf seinem Hof mit kräftigen Ohrfeigen bedacht haben, um sie zur Arbeit anzutreiben.

Ein unheimlicher Schimmelreiter ohne Kopf

Wenn abends schon dämmert der Lunzer See
und Nebel verhüllen den Himmel,
taucht auf oft gespenstisch in seiner Näh
ein Reiter auf seinem Schimmel,
um über den Durchlaß zum Bauernhaus Mais
in eiligem Ritte zu jagen.
Und weiter das Tier muß auf Reiters Geheiß
zum Walcherbauern ihn tragen.
Dort saust er dahin den Waldrand entlang
vorüber in wirbelndem Wehen.


Der Walcherbäuerin ward angst und bang,
als sie ihn dort oben gesehen.
Vor Grausen sich sträubte jetzt ihr Haar,
das Blut in den Adern ihr stockte,
als sie mit Entsetzen wurde gewahr,
wie drüben am Waldesrand hockte
zusammengekauert der arme Tropf
auf seines Schimmels Rücken
und unter dem Arme er trug seinen Kopf
und starrte mit wilden Blicken
zur Bäuerin her. Die hatte geschwind
im Haus ihre Zuflucht gefunden.
Und droben war schnell wie der Wirbelwind
der Schimmelreiter verschwunden.


Der Tod der Gewerkin Amon

In Lunz lebte einst eine Kellnerin mit Namen Klara, die wegen ihrer Schönheit und ihrer fröhlichen Laune viel umschwärmt wurde. Sogar der reiche Hammerherr Amon verliebte sich in sie und obwohl er bereits ihr Vater hätte sein können, führte er sie eines Tages als Braut in sein Haus. Klara aber ist der Reichtum und das Ansehen, das sie nunmehr genoß, zu Kopf gestiegen. Sie kleidete sich in Samt und Seide und ihr Hochmut wuchs von Tag zu Tag. Das wurde nicht besser, sondern eher schlechter, als der Herr von Amon starb und sie nun allein Besitzerin wurde. Allein, ihr Glück hatte keine lange Dauer. Eines Tages erfaßte sie ein schweres Leiden, das trotz der Kunst der Ärzte von Jahr zu Jahr sich verschlimmerte. War die Frau schon vorher hart und lieblos gegen ihr Gesinde, so wurde das nun noch viel ärger. Ständig hörte man ihr Schelten und Toben im ganzen Haus, sodaß ihr bald alles aus dem Weg ging.

Lunza m See
Urwald bei Lunz am See
Foto: Österreich Werbung / Trumler
Eines Tages, als es ganz besonders schlimm um sie stand, spannte der alte Roßknecht seine Pferde vor den Wagen und wartete im Vorhause auf den Befehl, den Arzt zu holen. Als die Glocke die mitternächtliche Stunde anzeigte, klopfte es laut an das Tor. Der Knecht in der Meinung, es sei entweder der Arzt oder der Pfarrer, die man gerufen hatte, öffnete das Tor. Da aber stand ein schwarzes Gespann vor dem Hause und ein großer schwarzer Mann fragte nach der Frau Amon, die er abholen solle. "Die kann nicht fahren, die liegt schwer krank im Bett!" antwortete ihm der Roßknecht. Da begann der schwarze Mann schallend zu lachen, Im selben Augenblick kam die Küchenmagd ganz bleich die Stiege vom Oberstock herab und sagte: "Die Frau Amon ist soeben gestorben!" Der unheimliche Mann rannte, als er dies gehört hatte, satanisch grinsend aus dem Hause, sprang auf den Bock und klirrend rasselte der Wagen davon, einen Schwefelgestank hinterlassend. Der alte Knecht schlug das Tor zu, schob den schweren Riegel davor und eilte in seine Kammer, seine Sachen zu packen, denn nicht einen Augenblick länger wollte er in dem umheimlichen Hause verbleiben.

Die Zeit verging, aber das Geisterhaus kam nicht zur Ruhe. Täglich flogen nachts die Türen auf und zu und man sah die verstorbene Klara in ihren schönsten Kleidern ruhelos durch alle Räume des Hauses, über Fluren und Gänge und Stiegen wandeln, aber nicht mehr stolz und hochmütig wie einst, sondern bleichen Gesichtes und mit gar traurigen Augen. Jedesmal blieb sie dann am Ende ihrer Wanderung vor einem Kreuzbilde im Stiegenhause lang betend stehen. Das währte viele Jahre hindurch, bis endlich sich der Himmel ihrer erbarmte und ihr die ewige Ruhe schenkte.

Das unheimliche Zimmer im Lunzer Amonhaus

Diese Stube lag im ersten Stock und diente gewöhnlich als Fremdenzimmer. Trotzdem behauptete man, daß es darin umgehe und viele wollten gehört haben, wie die Steine der nahen Wäscherolle manchmal durcheinander polterten und anderes unheimliches Geräusch hörbar war. Wenn es dunkel wurde, getraute sich niemand, an dem verzauberten Zimmer vorüberzugehen, bei Nacht schon gar nicht...

Einst war der Doktor von Gaming als Hausarzt der Familie Amon in Lunz und des schlechten Wetters wegen folgte er der Einladung, zu übernachten. Da er vorgab, nichts zu fürchten, wurde er in der verzauberten Stube einquartiert. Gegen Mitternacht hörte er deutlich schwere Tritte, die sich seinem Zimmer näherten. Er stand auf, machte Licht und rief mit lauter Stimme: "Was gibt's?" Auf einmal machte es einen starken Patsch auf den Tisch und die Türen flogen auf und zu. Er wiederholte den Ruf "Amon", aber niemand hörte ihn. Nun ließ er das Licht die ganze Nacht brennen, hatte aber einen unruhigen, schweren Schlaf. Des anderen Tages erklärte er, in dem "Geisterzimmer" nicht mehr schlafen zu wollen...

Ein Mädchen aus Wien erzählte, daß sie im Spiegel eine abgehärmte Frau gesehen habe, als sie daran mit dem Licht vorbeiging. Ein Jäger, der in dem genannten Zimmer schlief, hörte die Schubladen auf- und zuschlagen und außerdem ein ängstliches Krachen und Jammern. Ein Offizier, der Neffe des Hausherrn, sprang aus dem Bette, als er den Lärm hörte, und ging mit gezücktem Degen auf die lärmenden Geister los, konnte aber niemanden erwischen. Der Schlaf war dahin.

Wie der Lunzer See entstanden sein soll

Dort, wo heute dieser stille Alpensee sich ausbreitet, ungefähr in der Mitte des heutigen Beckens, soll vor uralten Zeiten ein stattliches Bauerngehöft gestanden sein. Der Besitzer dieses Gehöftes vermaß sich, trotz mehrfacher, ernstlicher Ermahnungen am Sonntag während des Gottesdienstes statt in die Kirche zu gehen, zu ackern.

Als er nun wieder einmal an einem Sonntag pflügte, stürzten plötzlich rings aus den Bergen schäumende Wassermassen herab und begruben den Landmann samt seinem Gehöft in den Fluten.

Mißachtung des Feiertags läßt einen Bauernhof im See versinken

In der Nähe der Stelle, wo einst am Lunzer See hart am Ufer ein Bauerhof stand, erinnert heute auf der sogenannten Steinbauernhöhe ein Kreuz an einen furchtbar bestraften Feiertagsfrevel. Der Bauer von diesem Hof hatte einst am Karsamstag geackert und auch die Leute, die zur Auferstehungsfeier in der Kirche unterwegs waren und dies sahen, riefen ihm zu, er solle doch mit dem Pflügen aufhöre, da er diesen heiligen Tag durch seine Arbeit entehre. Das hat dem Bauern aber nicht beeindruckt und er ließ sich weiter nicht abhalten. Als dann die Leute von dem österlichen Kirchgang nachhause gingen, sahen sie, daß Bauer und Bauernhaus verschwunden und vom See verschlungen waren.

Unter dem Kreuz ist der See heute an die 35 m tief. Bei klarem Wasser und Wetter soll man bis zum Grund blicken können, wo dann auch die Mauern des versunkenen Hofes zu sehen wären. Manchen sagen zwar, daß dies nur Felsen in der Tiefe seien, aber die Sage hat sich doch bis in die Gegenwart erhalten.

Der "brüllende Stier", ein Karstphänomen

Auf dem Wege vom Mittersee bei Lunz zum Obersee vernimmt man ein starkes unterirdisches Getöse, das wahrscheinlich von großen Höhlen im Innern des Berges entstehen dürfte, worin sich das Wasser des Obersees durch unterirdische Gänge stürzt und unter der Erde dem Mittersee zufließt. Dieses Getöse wird im Volksmunde der "brüllende Stier" genannt.

Vom Lunzer goldenen Fisch

Lunzer See
Lunzer See
© Hilde und Willi Senft
Es gab große Aufregung und viel Verdruß unter den Lunzer Fischern, weil seit mehreren Wochen alle ausgeworfenen Netze leer blieben. Wurden sie hochgezogen, so waren von unsichtbarer Gewalt große Löcher dareingerissen und die Maschenbindungen zerfetzt, sodaß alle schuppige Beute entwischen konnte. Allmählich begann in den armseligen Hütten der Fischer am Lunzer See die graue Not. Mutter Sorge schlief unter ihrem Dach und scheuchte die Fische aus ihren Reusen.

Da beschloß ein blutjunger Fischerknecht den seltsamen Zauber, von dem anscheinend der See befallen war, zu lösen. Er schnitt seiner Braut das lange blonde Haar ab und knüpfte aus den lichten Flechten ein starkes schimmerndes Netz. Zur Beschwerung hing er nicht gewöhnliches Senkblei an, sondern hundertunddreizehn Wildererkugeln, die er sich von den Holzern und Sennern am Ötscher erbettelte. So gerüstet fuhr er aus und fing einen riesigen Fisch, der über und über mit goldenen Schuppen bedeckt war. Auf dem Kopf dieses gewaltigen Seeungeheuers aber befand sich eine spitze Krone, eine Art güldener Kegel, an dem noch Reste der zerrissenen Netze und Reusen hingen.

Da wußte der junge Fischer, daß er den Urheber der Lunzer Hungertage vor sich im Netz habe. Und er freute sich sehr. Der Fisch aber sprach: "Ich bin die Schwester des Berggeistes vom Ötscher. Laß mich frei und es soll dein Schaden nicht sein!" Der junge Fischerknecht dachte jedoch an seine Kameraden und an die Sorge in ihren Hütten und an ihren Hunger und an ihre blassen Kinder daheim. Darum wollte er den gefangenen Fisch nur freigeben, wenn der seine verderbliche Krone abzulegen und nie wieder zu tragen versprach.

Diese Forderung ging gegen des goldenen Fisches Stolz. Er schlug das grüneWasser mit dem Schwanze zu Schaum und schrie: "Niemals! Die Krone kann mir nur mein Bruder nehmen, der Berggeist vom Ötscher. Rufe ihn doch, wenn du Mut hast!" Heimlich hoffte der Fisch, der Junge würde nicht so vermessen sein, in der Morgenstille der See-Einsamkeit nach dem mächtigen Berggeist zu rufen. Doch der Fischerknecht nahm all seinen Mut zusammen und rief nach dem Herrn des nebelumwogten Ötschers.

Lange hallte der Ruf über die leuchtende Wasserfläche, bis er sich an den steilen Bergwänden stieß. Dann dröhnte ein unheimliches Donnern vom Ötscher her und plötzlich stand der Berggeist am Ufer. Er winkte gebieterisch den Nachen in seine Nähe und sprach: "Lange genug duldete ich deinen Hochmut, Schwester. Du sollst Ehrfurcht vor der Arbeit der Fischer haben, nicht ihre Mühe mehren!" Flugs brach er dem Fisch die güldene Kegelkrone vom Kopf und warf sie weit in den See hinaus. Zischend versank sie im grünen Wasser. Und als sich der Donner der Stimme verzogen hatte und die Wellen verebbten, da war der Fisch verschwunden und der Berggeist auch.

Seither blieben die Netze der Lunzer Fischer wieder heil und beuteschwer und alle Not hatte ein Ende. Das Netz des mutigen Fischerknechtes, das dieser zum Trocknen auf die Stangen hing, war über Mittag schon in schwerstes Goldgeflecht verwandelt. So lohnte der Berggeist vom Ötscher sein braves Eintreten für seine Kameraden, die Lunzer Fischersleut.

Raubritter bei Lunz

Die Sage sagt, daß der Bauernhof Übelgraben in der Boding in der Pfarre Lunz früher ein Schloß war und einem Raubritter an der Donau gehörte, der seine unglücklichen Opfer in dieses Versteck geschleppt und hier seine Schätze aufbewahrt hatte, worauf auch der "Übelgraben" hindeutet.

Der Seeauer Paul, ein Teufelsbündner, schießt auf das Marienbild

Geht man von Lunz nach Lackenhof oder Langau, so kommt man auf der Einsattlung zwischen dem Scheiblingstein und dem Durchlaßberge hinter dem Hause Durchlaß an einem Feldkreuze vorbei, auf welchem ein Mann in knieender Stellung gezeichnet ist, der sein Gewehr auf ein Muttergottesbild abfeuert, während aus der Brust Mariens Blut fließt. Ein berüchtigter Wildschütz des Gebirges, der "Seeauer Paul" genannt, weil er von dem Hause "Klein-Seeau" in der Pfarre Lunz abstammte, stand mit dem Bösen im Bund, der ihm die Kugeln lieferte, die das Wild unfehlbar trafen. Dafür mußte aber Paul jeden Tag auf etwas Lebendes schießen und wenigstens dafür sorgen, daß zwischen Morgen und Abend etliche Blutstropfen vergossen werden, sonst war er des Teufels Opfer mit Haut und Haar. Nun fügte es sich, daß ihm eines Tages gar kein Wild, nicht einmal ein Vögelchen zum Schießen unterkam. Der Abend brach herein, Paul hatte noch nichts erlegt, seinem Meister noch keinen fremden Blutstropfen zum Opfer gebracht. In Todesangst späht er nach einem lebenden Wesen. Er weiß, was ihm bevorsteht. Da kommt er zu dem Kreuze, welches mit dem Bilde der Mutter Gottes geziert ist und ein toller Gedanke fährt ihm durch das Hirn: "Lebt die Mutter Gottes wirklich, so muß sie auch Blut geben und gibt sie Blut, so rettet mich das vom ewigen Verderben". Knieend schlägt er auf das Bild an und schießt. Aus dem Bilde quellen Blutstropfen hervor.

Venedigermandln in der "Höll"

Wenn man vom Stiegengraben auf den Dürrnstein steigen will, kommt man ungefähr bei der Hälfte des Weges zur Wiesenalm an der "Höll" vorbei. Das ist eine tiefe Doline, die von allen Seiten von Felsabstürzen gesichert ist. Vom Steig aus ist sie kaum zu sehen, weil dieser durch gefällte Bäume und Astwerk abgesichert ist. Auf dem Grund dieser Doline ist auch im Hochsommer immer Schnee zu finden. Der nördlich aufragende Felsen ist sehr steil, fast senkrecht, und auf dem Dolinenboden sieht es manchmal aus, als wenn da eine Höhle hineinginge. Mit einer Strickleiter kann man auf den Dolinenboden gelangen. Auch hier haben Köhler und Senner Venedigermandln bemerkt, die sich oft lange hier verborgen hielten und so spurlos wieder verschwanden, wie sie gekommen waren. Es ist nie gelungen, mit ihnen zu sprechen und sie schienen alle Schlupfwinkel in der Gegend zu kennen.


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