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Sagen aus dem Raum Scharnstein Scharnstein, Oberoesterreich #


Der Brudermörder von Burg Scharnstein

Das ehemalige Herrenhaus des Geyerhammers in Scharnstein
Das ehemalige Herrenhaus ("Geyerhaus") des Geyerhammers in Scharnstein, Oberösterreich. Photographie.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Der edle Ritter auf Scharnstein hinterließ zwei ungleiche Söhne. Der ältere war das Ebenbild des Vaters, der jüngere dagegen war voll Neid auf den vom Vater geliebten älteren Bruder. Vor seinem Tode hatte der Vater alle Besitzungen gleich und gerecht verteilt. Die Burg Scharnstein aber vermachte er dem älteren Sohne, damit sie nicht durch Leidenschaft des Jüngeren entehrt würde. Obwohl der jüngere eine gleichwertige andere Burg erhalten hatte, stellte er dem Bruder nach. Als aber alle Anschläge fehlschlugen, schloss er Frieden und lud den Bruder zu sich. Er führte ihn auf den Balkon, da sah der Scharnsteiner seine Burg in Flammen aufgehen und wurde vom Bruder in die Tiefe gestürzt. Die Burg des Brudermörders ist verschwunden und verschollen.

Ein unterirdischer Gang

Vom Schlosse Scharnstein soll ein unterirdischer Gang nach Viechtwang gegangen sein.

Ein geheimnisvoller Schlangenbanner

Zwischen Grünau und Scharnstein gab es einst viele Nattern. Sogar in die Ställe und Wohnungen kamen sie, sodaß die Leute schon ganz verzweifelten. Eines Tages kam ein müder Wanderer talein. Als er die vielen Nattern sah, nahm er ein Pfeifchen, das er bei sich hatte, aus der Tasche und zog pfeifend zu einer Kapelle am Bache. Dort war neben einem großen Fliederbaum ein großes Loch in der Erde. Die Nattern zogen dem Manne nach und krochen alle in das Loch. Keine kam wieder zum Vorschein.

Eine Hexe verzaubert den Leuten die Milch

Im Reifgrabenhäuschen in Scharnstein wohnte die Eva. Sie verzauberte den Kühen die Milch. Einmal aber übte ein fremder Mann in einem Bauernhaus um Mitternacht einen Gegenzauber und sagte: "Die Frau, die in der Frühe als erste etwas ausleihen kommt, tut euch das an". Und richtig kam in aller Frühe schon die Eva. Von da an war sie als Hexe bekannt. Einmal ließ sie in der Wiese ein Fachtl Heu mitten auseinanderfallen. Fuhren die Leute an ihrem Hause vorbei, so blieben die Pferde entweder stehen oder sausten vorbei. Das Weib verbrannte einmal beim Ofen, mit ihr Schwarzbuch .

Welchen Unsinn die Folter als Geständnis hervorbringen konnte

In Scharnstein gestand ein Verbrecher folgendes: Dreimal in der Woche, am Ertag, Pfinztag und am Samstag fuhr er mit dem Teufel, dem Zauberer Jagel und anderen Hexenmeistern auf einer Ofenschaufel zu den Hexentänzen. Es gab Fleisch, Krapfen und Küchl. Teufel spielten zum Tanz auf. Zu Tänzerinnen hatte er bald ein altes Weib mit ihren Töchtern, bald eine Teufelin. Gegen Morgen kehrten sie wieder heim. Wenn die Morgenglocken begannen, ließen sie sich auf den Boden nieder und setzten erst, wenn das Geläute vorbei war, ihre Reise auf der Ofenschaufel fort. Die alte Tauf am Hirn schabte ihm der Teufel ab und taufte ihn in seinem Namen, der Zauberer Jagel war sein Stiefgöd.

Die Spuren der Teufelskrallen

Beim Traxenbichler zwischen Scharnstein und Grünau fuhr der Teufel in finsterer Nacht durch die Mauer neben dem Tor, setzte sich an den steinernen Tisch daneben und drückte seine Krallen in den Stein. Auf demselben Weg verschwand er rasch wieder. In der Mauer sind noch die Löcher zu sehen und auch der Teufelstisch, wie er seither heißt, trägt die Krallenabdrücke. Auch mauerte der Teufel den Leuten immer wieder das Tor zu. Stets aber schlugen sie es durch, bis es dem Teufel zu dumm wurde.

Der Teufel und die Pferde

Einem Fuhrmann in Scharnstein kam nachts der Teufel in den Stall und ritt die Pferde, daß sie schwitzten und dampften. Am Morgen sah der Knecht Knöpfe in den Mähnen und teilte es dem Herrn mit. Der wußte gleich, daß der Teufel im Spiel war und hängte einen Rosenkranz vor die Stalltür. Der Teufel konnte nun nicht mehr herzu.

Rauflustige Burschen bekommen es mit der Angst zu tun

Zwei Burschen gingen zum Binder in Forst bei Scharnstein hinauf. Der eine rief: "Wer mit uns raufen will, soll herunterkommen!" Da sprang der Teufel zwischen sie. Zitternd vor Angst schrien die beiden Burschen: "Dich haben wir nicht gemeint, nur die Knechte beim Binder!"

Ein Schatzfund in Scharnstein

Unter einem Fenster des alten Schlosses Scharnstein fang man einst einen Kessel eingemauert, der bis zum Rand mit Gold und Silber angefüllt war. Mit diesem Geld wurde das Bräuhaus gebaut.

Ein billiges Grundstück

In Scharnstein herrschte einmal eine so große Hungersnot, daß die Leute eine Wiese um eine Schüssel Krapfen hergaben. Es ist die Krapfenwiese, fünf Minuten vom Rauschenberg.

Einst ein Friedhof

Beim Brandstättner-Gut bei Scharnstein soll ein Friedhof gewesen sein. Links vom Trambach lagen die Katholiken, rechts die Protestanten. Heute steht dort eine Kapelle an der Straße.

Scharnstein in der Franzosenzeit

Während der französischen Invasionen Österreichs zur Zeit Napoleons ließen sich die von den Feinden durch Plünderungen und Requisitionen stets arg bedrängten Landbewohner nicht immer alles gefallen. Bei Scharnstein wurden damals einmal Burschen von zwei Franzosen angehalten und gerieten mit ihnen in Streit. Ein Bursche, der anscheinend über geheime Kräfte verfügte, nahm während dieser Auseinandersetzung ein kleines Zweiglein und erschlug damit einen der beiden fremden Soldaten. Der andere Franzmann suchte sein Heil in der Flucht. An der Stelle des Geschehens befindet sich heute ein Wegkapelle zwischen zwei Linden.


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